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8 Min. LesezeitSanoLabs Editorial

Migräne mit Aura: Schlaganfallrisiko, was die Zahlen sagen

Migräne mit Aura: In Studien ist das relative Risiko für einen Hirninfarkt etwa verdoppelt. Was die Zahlen heißen, was fehlt und was du notierst.

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Du hast Migräne mit Aura und hast gelesen, dass sie das Schlaganfallrisiko erhöht. Kurz gesagt: In Studien ist das relative Risiko für einen Hirninfarkt bei Migräne mit Aura etwa verdoppelt. Laut einzelnen Langzeitstudien sind die absoluten Herz-Kreislauf-Risiken bei Migräne niedrig, für dich persönlich sagen die Zahlen aber nichts Sicheres. Wann deine Auren auftreten, hältst du auf Papier fest oder im Migränetagebuch von Sam, aus dem du einen Arztbericht als PDF mitnimmst.

Der Text ist allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Er gibt keine Empfehlung zu Medikamenten oder Verhütung. Das klärst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Erhöht Migräne mit Aura das Schlaganfallrisiko wirklich?

In Studien zeigt sich ein Zusammenhang. Eine Auswertung mehrerer Studien im British Medical Journal von 2009 fand für Migräne mit Aura ein ungefähr verdoppeltes relatives Risiko für einen Hirninfarkt. Der Wert liegt bei 2,16, das Konfidenzintervall bei 1,53 bis 3,03.

Die große US-Studie von 2006 mit Frauen ab 45 kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Frauen mit aktiver Migräne mit Aura, also mit Migräne im Jahr vor Studienbeginn, hatten dort eine Hazard Ratio von 1,91 für einen Hirninfarkt (1,17 bis 3,10), verglichen mit Frauen ohne Migräne.

Was heißt ein verdoppeltes relatives Risiko? Es heißt: In der Gruppe mit Aura tritt das Ereignis etwa doppelt so oft auf wie in der Vergleichsgruppe ohne Migräne. Wie viele Menschen überhaupt betroffen sind, sagt diese Zahl nicht. Für die Hazard Ratio gilt dasselbe. Beide Werte beschreiben Gruppen, für dich allein sagen sie nichts Sicheres.

Wie groß ist das Risiko in absoluten Zahlen?

Aus den gepoolten Fall-Kontroll-Daten der Metaanalyse ließen sich keine absoluten Risiken bestimmen. Ihre Autoren schreiben, dass die absoluten Herz-Kreislauf-Risiken bei Menschen mit Migräne laut einzelnen Kohorten niedrig sind. Zur Einordnung nennt das IQWiG eine Zahl für alle Menschen: Etwa 3 von 100 bekommen im Laufe ihres Lebens einen Schlaganfall, die meisten sind dann älter als 60. Auf Migräne mit Aura umrechnen lässt sich das nicht.

Speziell zu Migräne mit Aura gibt es eine einzige absolute Zahl. Sie stammt aus der Women's Health Study von 2006 mit 27.840 US-Frauen ab 45 Jahren, die zu Beginn keine Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten und im Schnitt zehn Jahre begleitet wurden. Nach Anpassung ans Alter rechneten die Forschenden der Migräne mit Aura 18 zusätzliche schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse pro 10.000 Frauen und Jahr zu.

Diese Zahl gilt nur unter engen Bedingungen:

  • Sie ist kein Schlaganfallrisiko. Der Endpunkt fasst den ersten nicht tödlichen Hirninfarkt, den nicht tödlichen Herzinfarkt und den Tod durch eine Durchblutungsstörung der Gefäße zusammen.
  • Sie gilt für Frauen ab 45. Sie ist kein Wert für eine 30- bis 45-Jährige.
  • Sie zählt nur die zusätzlichen Ereignisse, nicht alle Ereignisse in dieser Gruppe.
  • Migräne und Aura beruhten auf Selbstauskunft.

Für Frauen zwischen 30 und 45 ist keine vergleichbare absolute Zahl belegt. Das ist die ehrliche Lücke. Wie hoch dein Risiko ist, kann nur jemand einschätzen, der deine Faktoren kennt.

Gilt das auch für Migräne ohne Aura?

In der Metaanalyse lag das relative Risiko für einen Hirninfarkt ohne Aura bei 1,23. Das Konfidenzintervall reicht von 0,90 bis 1,69 und schließt damit den Wert 1 ein, also keinen Unterschied. In der Studie von 2006 hatten Frauen mit aktiver Migräne ohne Aura kein erhöhtes Risiko für Gefäßereignisse.

Ganz einheitlich ist die Lage nicht. Eine zweite US-Studie begleitete 115.541 Krankenpflegerinnen, die zu Beginn zwischen 25 und 42 Jahre alt waren, über mehr als 20 Jahre. Für Migräne jeder Art, nach eigener Angabe ärztlich festgestellt, fand sie ein erhöhtes Schlaganfallrisiko (Hazard Ratio 1,62). Gezählt wurden alle Schlaganfälle, also Hirninfarkte, Hirnblutungen und unklare Formen zusammen. Ob eine Aura vorlag, wurde dort nicht erfasst. Eine absolute Zahl für Frauen mit Migräne nennt die Arbeit nicht. Die Autoren sehen Migräne zumindest bei Frauen als wichtigen Hinweis auf ein höheres Herz-Kreislauf-Risiko und empfehlen, bei Frauen mit Migräne die Gefäßrisiken zu prüfen.

Was verändert das Risiko, und was entscheidet die Ärztin?

In der Metaanalyse deutete sich bei Frauen mit Migräne ein höheres Schlaganfallrisiko an als bei Männern. Es stieg zusätzlich bei Menschen unter 45, bei Rauchenden und bei Frauen, die die Pille nahmen. Die Autoren empfehlen, klassische Gefäßrisiken bei Migräne wie bei allen anderen zu prüfen und zu behandeln.

Welche das sind, listet das IQWiG auf: Rauchen, wenig Bewegung, starkes Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, verengte Halsschlagadern und Vorhofflimmern. Migräne steht auf dieser Seite nicht. Welche Faktoren bei dir vorliegen und was daraus folgt, entscheidet dein Arzt oder deine Ärztin, nicht ein Studienmittelwert.

Was heißt das für die Pille bei Migräne mit Aura?

Die deutsche Patientenleitlinie zur Migräne von 2025 nennt beides in einem Satz: Kombinierte Pillen erhöhen, ebenso wie die Migräne mit Aura, das Risiko für einen Schlaganfall. Der Satz steht im Abschnitt über die durchgehende Einnahme der Pille, um Migräne rund um die Periode vorzubeugen. Eine starke Migräne mit Aura bei Begleiterkrankungen der Gefäße gilt dort als Gegenanzeige für diese Anwendung. Am wenigsten bedenklich ist der Dauereinsatz laut Leitlinie bei Migräne ohne Aura und ohne Herz-Kreislauf-Risiken wie Bluthochdruck, Rauchen oder Thrombosen in der Familie. Die Nebenwirkungen der Pille sollen gut besprochen werden. Eine allgemeine Regel, welche Verhütung bei Migräne mit Aura passt, enthält die Patientenleitlinie nicht.

Das ist keine Empfehlung für dich. Ob und welche Verhütung zu dir passt, klärst du mit deiner Frauenärztin und deiner Neurologin. Ändere deine Verhütung nicht auf eigene Faust, sondern sprich vorher mit deiner Frauenärztin, auch darüber, wie du sicher verhütet bleibst. Eine Frage für den Termin: Wie passt meine Verhütung zu meiner Migräne mit Aura?

Aura oder Schlaganfall: wann rufst du die 112?

Laut Patientenleitlinie sind Auren Beschwerden vor dem Kopfschmerz. Sie dauern Minuten bis zu einer Stunde, betreffen meist eine Seite und entwickeln sich langsam. Typisch sind Flimmersehen, Wortfindungsstörungen, aufsteigendes Kribbeln und Schwindel, selten Lähmungen. Die Beschwerden gehen vollständig zurück.

Manche dieser Beschwerden ähneln den Anzeichen eines Schlaganfalls, etwa Sprachstörungen, Kribbeln, Schwindel oder Lähmungen. Eine Regel, mit der du beides im Moment sicher auseinanderhältst, gibt dieser Text nicht. Für einen Schlaganfall nennt das IQWiG diese Anzeichen, sie treten plötzlich auf:

  • plötzliche Schwäche, Taubheit oder Lähmung, meist auf einer Seite
  • Sprachstörungen
  • Sehverlust auf einer Seite oder Doppelbilder
  • Schwindel mit unsicherem Gang
  • ein plötzlicher, ungewohnt starker Kopfschmerz

Bei jedem Verdacht: sofort die 112 rufen. Warte nicht ab, ob es von selbst vergeht. Verschwinden typische Schlaganfall-Anzeichen nach einigen Stunden von selbst, kann das laut IQWiG eine kurze Durchblutungsstörung sein, die auf ein erhöhtes Schlaganfallrisiko hinweist. Auch wenn du unsicher bist, ob es eine Aura ist, ruf die 112. Niemand macht dir einen Vorwurf, wenn sich der Verdacht nicht bestätigt, schreibt das IQWiG. Diese Entscheidung nimmt dir weder ein Tagebuch noch eine App ab.

Was notierst du bei jeder Aura?

Fragen an die Neurologin gehen leichter, wenn du Fakten hast. Ein kurzes Protokoll reicht, auf Papier oder in Sam. Die Leitlinie empfiehlt zudem einen Kopfschmerzkalender, um eine Vorbeugung zu bewerten. Bring ihn mit dem Aura-Protokoll zum Termin. Notiere bei jeder Aura:

  1. Datum, Uhrzeit des Beginns und Dauer in Minuten.
  2. Art: Sehen (Flimmern, Zickzack, Ausfälle), Gefühl (Kribbeln, wohin es wandert), Sprache, Schwindel, Schwäche.
  3. Seite und wie sich die Beschwerden ausgebreitet haben.
  4. Ist alles vollständig zurückgegangen, und wann?
  5. Kam danach ein Kopfschmerz? Wann hat er begonnen, wie stark war er?
  6. War es anders als sonst, etwa neu oder deutlich länger?
  7. Was du fürs Gespräch dazuschreibst: Rauchen, Verhütung, Blutdruckwerte, Gefäßerkrankungen oder Thrombosen in der Familie.

Schreibst du bei Punkt 6 ein Ja auf, ruf in der Praxis an und frag, wie schnell du kommen sollst, statt bis zum nächsten Routinetermin zu warten. Passiert es gerade, beginnt es plötzlich oder bist du unsicher, gilt die 112. In Sam trägst du Datum, Stärke und Dauer der Attacke und ob eine Aura dabei war im Programm für Migräne ein, also einem eigenen Tagebuch mit Arztbericht und monatlichem Fragebogen. Die Einzelheiten zur Aura passen in die Notiz. Im Arztbericht steht die Notiz nicht, bring das Protokoll also selbst mit. Wie sich Auren und andere Phasen zeigen, erklärt der Beitrag zu Symptomen, Aura und Phasen.

Was fragst du beim nächsten Termin?

Mit dem Protokoll kannst du konkret fragen:

  • Welche Gefäßrisiken kommen bei mir infrage, etwa Blutdruck, Cholesterin oder Rauchen?
  • Wie passt meine Verhütung zu meiner Migräne mit Aura?
  • Sind meine Auren so beeinträchtigend, dass eine Vorbeugung ein Thema ist?
  • Woran erkenne ich, dass ich nicht abwarten, sondern die 112 rufen soll?

Die Leitlinie nennt beeinträchtigende Auren, zum Beispiel mit Lähmungen, als einen Punkt, der für eine Vorbeugung spricht. Ob sie bei dir infrage kommt, entscheidet deine Neurologin. Wartest du noch auf den Termin, hilft der Beitrag zur Wartezeit auf die Neurologie. Wer dich begleitet, findet Hinweise unter Für Familie und Angehörige.

Jede Aura für das Gespräch mit der Neurologin festhalten

Du bringst einen Verlauf mit, statt nur das Gefühl, dass es oft war. Im Programm für Migräne hältst du ihn fest, sobald deine Ärztin Migräne festgestellt hat.

  • Statt Zettel: Datum, Dauer, Stärke und Aura stehen im Eintrag, bei Einträgen für heute Schlaf und HRV aus Apple Health daneben.
  • Statt Erinnerung im Wartezimmer: Der Arztbericht als PDF fasst den Zeitraum zusammen, den du wählst, von einem Monat bis zum ganzen Verlauf.
  • Statt Screenshots: Über Familie & Freunde lässt du Menschen mitlesen, schreibgeschützt, pro Person und jederzeit widerrufbar. Wer mitliest, braucht Sam.

Sam hält fest und stellt keine Diagnose. Ob eine Aura unauffällig ist, klärt deine Ärztin, und bei Verdacht auf einen Schlaganfall gilt die 112.

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Sam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.

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Quellen

Stand: Oktober 2026

Häufige Fragen

Habe ich mit Aura ein höheres Schlaganfallrisiko?+

In Studien ist das relative Risiko für einen Hirninfarkt bei Migräne mit Aura etwa verdoppelt (2,16; Konfidenzintervall 1,53 bis 3,03). Bei Migräne ohne Aura war es nicht eindeutig erhöht. Das beschreibt Gruppen, nicht dein persönliches Risiko.

Wie hoch ist das Schlaganfallrisiko bei Aura in absoluten Zahlen?+

Die einzige absolute Zahl speziell zu Migräne mit Aura betrifft Frauen ab 45 und einen zusammengefassten Endpunkt aus Hirninfarkt, Herzinfarkt und Tod durch Gefäßerkrankung. Dort kamen bei Migräne mit Aura nach Anpassung ans Alter 18 zusätzliche Ereignisse auf 10.000 Frauen pro Jahr. Für 30- bis 45-Jährige ist keine vergleichbare Zahl belegt.

Ist eine Aura ein Zeichen für einen Schlaganfall?+

Laut Patientenleitlinie baut sich eine Aura langsam auf, dauert Minuten bis zu einer Stunde und bildet sich vollständig zurück. Manche Aura-Beschwerden ähneln aber Anzeichen eines Schlaganfalls, etwa Sprachstörungen oder Lähmungen. Im Moment sicher unterscheiden musst du das nicht: Bei plötzlicher Schwäche, Lähmung, Sprachstörung oder Sehverlust und immer, wenn du unsicher bist, ruf die 112.

Ist die Pille bei Migräne mit Aura ausgeschlossen?+

Die Patientenleitlinie schreibt, dass kombinierte Pillen ebenso wie die Migräne mit Aura das Schlaganfallrisiko erhöhen, nennt aber keine allgemeine Regel zur Verhütung bei Aura. Im Abschnitt zur Pille als Vorbeugung bei Migräne rund um die Periode gilt eine starke Migräne mit Aura bei Begleiterkrankungen der Gefäße als Gegenanzeige. Ändere deine Verhütung nicht auf eigene Faust, sondern kläre mit deiner Frauenärztin und deiner Neurologin, was für dich passt.

Kann Migräne Gehirnschäden verursachen?+

Eine allgemeine Aussage zu Gehirnschäden durch Migräne lässt sich aus den zitierten Studien nicht ableiten. Die Patientenleitlinie beschreibt den migränösen Schlaganfall als Hirninfarkt während einer typischen Attacke einer Migräne mit Aura und nennt keine Häufigkeit. Bring die Frage zur Neurologin.

Erhöht Migräne auch das Herzinfarktrisiko?+

Die Metaanalyse von 2009 fand für Migräne insgesamt keinen Zusammenhang mit Herzinfarkt. Nur eine Studie mit Frauen ab 45 trennte nach Aura: Mit Aura war das Risiko dort etwa verdoppelt (2,08), ohne Aura nicht eindeutig erhöht, die Autoren sehen aber zu wenige Studien für ein sicheres Urteil. Eine Studie von 2016 mit jüngeren Frauen fand für Migräne jeder Art ein erhöhtes Herzinfarktrisiko (Hazard Ratio 1,39), ohne nach Aura zu unterscheiden.

Was tue ich, wenn meine Aura anders ist als sonst?+

Passiert es gerade und du bist unsicher, ob es eine Aura ist, ruf die 112. War eine Aura im Nachhinein neu oder anders als sonst, schreib auf, was anders war, und ruf in der Praxis deiner Neurologin an, dort klärt man, wie schnell du kommen sollst.