Teil der Reihe: Leben mit Migräne →
6 Min. LesezeitSanoLabs Editorial

Migräne: Wartezeit auf den Neurologen sinnvoll nutzen

Die Wartezeit auf einen Termin beim Neurologen oder im Kopfschmerzzentrum kannst du nutzen: Attacken und MIDAS dokumentieren und als Bericht mitbringen.

migränekopfschmerzzentrumneurologewartezeitarztterminterminservicestellemigränetagebuchmidas
Auf dieser Seite

Auf einen Termin beim Neurologen oder in einem Kopfschmerzzentrum wartest du oft Wochen, manchmal Monate. Für gesetzlich Versicherte lag die durchschnittliche Wartezeit auf einen Facharzttermin 2024 laut Deutschem Ärzteblatt bei 36 Tagen, in spezialisierten Zentren dauert es häufig länger. Diese Wartezeit ist kein verlorener Monat. In Sam machst du daraus einen dokumentierten Verlauf: Jede Attacke mit Datum, Dauer und Stärke, Schlaf und Erholung aus Apple Health daneben, und am Ende einen Bericht zum Termin.

Dieser Text erklärt, wie lange die Wartezeit realistisch ist, warum ein dokumentierter Verlauf dem Behandlungsteam bei der Einordnung hilft und was du in der Zwischenzeit aufschreibst. Er richtet sich an dich, wenn du Migräne hast oder eine ärztliche Abklärung ansteht.

Wie lange dauert der Termin beim Neurologen oder im Kopfschmerzzentrum?

Die Bundesregierung nennt für gesetzlich Versicherte eine durchschnittliche Wartezeit auf einen Facharzttermin von 36 Tagen im Jahr 2024, das sind etwa fünf Wochen (Deutsches Ärzteblatt, Februar 2026). Wer überhaupt warten musste, wartete im Schnitt 42 Tage. Bei Kopfschmerzzentren und spezialisierten Neurologinnen und Neurologen planen Praxen oft Monate im Voraus, weil Plätze knapp sind. Von Ort zu Ort und je nach Dringlichkeit unterscheidet sich die Wartezeit deutlich.

Einen anderen Weg bietet die Terminservicestelle der 116 117. Sie vermittelt dir laut Deutschem Ärzteblatt grundsätzlich binnen einer Woche einen Termin; die Wartezeit bis zu diesem Termin soll vier Wochen nicht überschreiten. Jeder Termin ist individuell. Wie lange du konkret wartest, sagt dir die Servicestelle beim Anruf.

Warum ein dokumentierter Verlauf dem Behandlungsteam hilft

Kopfschmerzzentren und Neurologinnen priorisieren nach medizinischer Dringlichkeit. Um Dringlichkeit einzuschätzen, braucht die Praxis Angaben aus deinem Alltag: Wie oft treten Attacken auf, wie lange dauern sie, wie stark schränken sie dich ein, wie oft nimmst du ein Akutmedikament? Diese Fragen lassen sich ohne Aufzeichnung nur schwer beantworten.

Ein dokumentierter Verlauf hilft der Praxis, das einzuordnen. Er ist aber keine Garantie für einen früheren Termin. In welcher Reihenfolge Termine vergeben werden, entscheidet die Praxis. Dein Tagebuch macht vor allem das erste Gespräch konkreter, weil du Zahlen statt Erinnerung mitbringst.

Was aus der Wartezeit ein Aufnahmeprotokoll macht

Die Wochen bis zum Termin haben einen eigenen Wert. Statt als verlorene Zeit kannst du sie als Aufnahmezettel sehen: ein lückenloses Protokoll deiner Attacken über mehrere Wochen oder Monate. Genau diese Angaben braucht die Praxis, um den Verlauf zu beurteilen.

Der Kopfschmerzkalender der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) zeigt die Felder, die dafür wichtig sind. Was alles dazugehört, steht in Kopfschmerzkalender: was reingehört. Du kannst das Protokoll auf Papier oder in einer App führen. Wichtig ist, dass du bei einer Form bleibst und auch kopfschmerzfreie Tage notierst.

Attacken mit Datum, Beginn, Dauer, Stärke und Aura festhalten

Pro Attacke gehören diese Angaben ins Tagebuch: Datum und Uhrzeit, Dauer, Stärke auf einer festen Skala, Aura ja oder nein, Begleitsymptome wie Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit und ob du ein Akutmedikament genommen hast. Dazu eine kurze Notiz zu Schlaf, Essen und Stress. Trag am selben Tag ein, nicht am Wochenende aus der Erinnerung.

Das funktioniert auch digital, in einem Programm für Migräne, also einem eigenen Tagebuch mit Arztbericht und monatlichem Fragebogen. Im Symptom-Tagebuch von Sam braucht ein Eintrag etwa 30 Sekunden: Beginn, Stärke in drei Stufen, Dauer, Begleitsymptome und Aura. Aus diesen Einträgen zählt der Arztbericht später deine Migränetage für den Zeitraum, den du wählst.

Was einzelne Symptome bedeuten können, ordnet die Praxis ein. Einen Überblick über Phasen und Aura gibt Migräne Symptome und Aura: Phasen und was du notierst.

Schlaf und Erholung aus Apple Health neben den Eintrag von heute

Ein Tagebuch allein kennt nur das, was du einträgst. Schlaf und Erholung der Nacht schreibst du auf Papier aus dem Gedächtnis nach. Die Apple Watch zeichnet den Schlaf und die Herzfrequenzvariabilität (HRV) automatisch auf und legt beides in Apple Health ab. Das ist Kontext für dein Tagebuch, kein Befund.

In Sam steht dieser Kontext direkt im Eintrag. Bei einem Eintrag für heute vermerkt Sam die zuletzt aufgezeichneten Tageswerte für Schlafdauer und HRV daneben, sofern Apple Health Werte hat. Du siehst sie später in der Zeile zum Eintrag. Schlaf ist nur ein Beispiel. Welche Muster sich überhaupt lohnen zu beobachten, erklärt Migräne-Trigger: Schlaf, Stress, Zeitumstellung, Wetter.

Wie du Watch und Sam verbindest, steht in Apple Watch für Migräne einrichten.

Der MIDAS-Score: die Einschränkung der letzten drei Monate

MIDAS (Migraine Disability Assessment) misst, wie stark Kopfschmerzen dich in den letzten drei Monaten eingeschränkt haben. Fünf Fragen zählen, wie viele Tage du bei der Arbeit, im Haushalt und in der Freizeit ausgefallen oder nur eingeschränkt leistungsfähig warst. Der Punktwert wird in die Stufen I bis IV eingeteilt. Entwickelt wurde der Fragebogen von Stewart und Lipton (Neurology 2001).

Ohne Aufzeichnung schätzt du drei Monate aus dem Gedächtnis. Wenn du pro Attacke einträgst, ob du ausgefallen oder eingeschränkt warst, zählst du am Ende die Tage zusammen. Du kannst den MIDAS-Score hier direkt berechnen und bringst das Ergebnis zum Termin mit. In Sam füllst du MIDAS einmal im Monat als kurzen Check-in aus, und der Verlauf steht im Arztbericht. Der Score ist keine Diagnose, er beschreibt nur, wie stark dein Alltag betroffen ist.

Termine über die 116 117 suchen, solange die Wartezeit läuft

Solange du auf einen Termin wartest, kannst du parallel die Terminservicestelle der 116 117 nutzen. Für einen Termin beim Neurologen braucht sie eine Überweisung mit Dringlichkeitscode von deiner Hausarztpraxis. Die Praxis vergibt den Code, wenn sie eine zeitnahe Behandlung für nötig hält; die Dringlichkeit schätzt sie ein, nicht du.

Nutze die Zeit mit Menschen, die helfen wollen. Wenn deine Familie dich beim Termin oder beim Führen des Tagebuchs unterstützen soll, gibt es Hinweise für die Familie. Wer dich im Alltag begleitet, kann dir sagen, was dir selbst entgeht, und du trägst es ein.

Mehr zum Thema

Wann du sofort ärztliche Hilfe holst

  • Du hast plötzlich einen extrem starken Kopfschmerz, wie du ihn so noch nie hattest.
  • Du bekommst zum ersten Mal starke Seh-, Sprach- oder Lähmungserscheinungen.
  • Du spürst eine neu aufgetretene Schwäche in einem Arm oder Bein oder im Gesicht.

Das kann ein Notfall sein. Ruf dann sofort die 112 oder suche noch am selben Tag ärztliche Hilfe. Ob es eine Aura ist oder etwas anderes, musst du nicht selbst entscheiden. Sam erkennt, erwartet oder warnt nicht und stellt keine Diagnose. Bei Zweifel: Arzt oder 112.

Die Wartezeit in Sam dokumentieren und als Bericht mitnehmen

Du nutzt die Wartezeit als Vorlauf. Jede Attacke und dein MIDAS-Score liegen zum Termin geordnet vor, als Verlauf statt aus dem Gedächtnis.

  • Statt Zettel oder Notizen-App: Ein Anfall ist ein Eintrag in etwa 30 Sekunden, mit Beginn, Dauer, Stärke, Aura und Begleitsymptomen.
  • Statt Apple Health allein: Schlaf und Herzfrequenzvariabilität der Nacht stehen bei Einträgen von heute neben deiner Attacke, sofern Apple Health Werte hat.
  • Statt Briefe und Befunde verstreut: Dein Health Vault hält Arztbriefe und Befunde zusammen.
  • Statt Fragebogen im Wartezimmer: Einmal im Monat kommt der MIDAS-Check-in dazu, der Arztbericht fasst beides als PDF zusammen.

Der Aufbau und die Freigaben stehen im Migräne-Programm.

Sam erkennt keine Attacke im Voraus und stellt keine Diagnose.

Sam kostenlos ausprobieren

Sam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.

Quellen

Stand: Oktober 2026

  • Deutsches Ärzteblatt, 4. Februar 2026: Gesetzlich Versicherte warten im Schnitt fünf Wochen auf Facharzttermin (Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage). aerzteblatt.de
  • Deutsches Ärzteblatt: Terminservicestellen vermitteln Termine oft sehr rasch. aerzteblatt.de
  • Verbraucherzentrale: Termin beim Facharzt nach 4 Wochen: So vermittelt die Nummer 116 117. verbraucherzentrale.de
  • Paragraf 75 Absatz 1a SGB V (Terminservicestellen): gesetze-im-internet.de
  • 116117.de: Der Patientenservice, Terminservice und Bereitschaftsdienst. 116117.de
  • Stewart WF, Lipton RB et al.: Development and testing of the Migraine Disability Assessment (MIDAS) Questionnaire to assess headache-related disability. Neurology 2001;56(Suppl 1):S20-S28. PubMed 11294956
  • Neurologen und Psychiater im Netz: Migräne, Diagnostik und Notfälle (fachliche Unterstützung durch DGN und BDN). neurologen-und-psychiater-im-netz.org

Häufige Fragen

Wie lange muss ich auf einen Termin beim Neurologen warten?+

Die Bundesregierung nennt für gesetzlich Versicherte eine durchschnittliche Wartezeit auf einen Facharzttermin von 36 Tagen im Jahr 2024, also rund fünf Wochen (Deutsches Ärzteblatt, Februar 2026). In Kopfschmerzzentren dauert es oft länger, weil die Plätze knapp sind. Wie lange zu warten ist, hängt von der Region und der Dringlichkeit ab, die deine Hausarztpraxis einschätzt.

Was bringt die Terminservicestelle der 116 117?+

Die Terminservicestelle vermittelt dir laut Deutschem Ärzteblatt grundsätzlich binnen einer Woche einen Termin; die Wartezeit bis zu diesem Termin soll vier Wochen nicht überschreiten. Für einen Termin beim Neurologen über die Terminservicestelle brauchst du eine Überweisung mit Dringlichkeitscode. Ob die Behandlung zeitnah nötig ist und der Code vergeben wird, entscheidet deine Hausarztpraxis. Ein Anspruch besteht nicht für Bagatellerkrankungen oder Routineuntersuchungen.

Hilft mein Migränetagebuch dabei, schneller einen Termin zu bekommen?+

Nicht automatisch. Kopfschmerzzentren und Neurologinnen priorisieren nach medizinischer Dringlichkeit. Ein dokumentierter Verlauf hilft dem Behandlungsteam, die Dringlichkeit einzuschätzen, ist aber keine Garantie für einen früheren Termin. Über den Termin und die Einordnung entscheidet die Praxis, nicht das Tagebuch.

Was ist der MIDAS-Score?+

MIDAS misst, wie stark Kopfschmerzen dich in den letzten drei Monaten eingeschränkt haben, in fünf Fragen zu Ausfällen bei Arbeit, Haushalt und Freizeit. Der Punktwert wird in die Stufen I bis IV eingeteilt (Stewart und Lipton, Neurology 2001). Der Score ist keine Diagnose, nur eine Zahl für das Gespräch mit der Praxis.

Was bringt es, in der Wartezeit schon zu dokumentieren?+

Die Wochen bis zum Termin werden zu einem Aufnahmeprotokoll: mit Datum und Uhrzeit jeder Attacke, Dauer, Stärke, Aura und Begleitsymptomen. Die Zahl der Tage mit Akutmedikament hältst du auf Papier oder in der Notiz fest. So bringst du beim ersten Gespräch einen Verlauf mit, statt drei Monate aus dem Gedächtnis zu schätzen. Ein Kalender ersetzt die ärztliche Abklärung nicht.