Kopfschmerzkalender: was reingehört und was sich selbst ausfüllt
Alle Felder, die in einen Kopfschmerzkalender gehören, als Liste zum Abschreiben. Und warum ein Migränetagebuch als App die Hälfte davon selbst füllt.
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Wer "Kopfschmerzkalender zum Ausdrucken" sucht, sucht meistens nicht nach Papier, sondern nach Struktur. Der Kopfschmerzkalender ist das Dokumentationswerkzeug, das die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) seit Jahrzehnten verbreitet, und in fast jeder neurologischen Praxis liegt eine Version davon aus. Er ist gut gemacht. Er hat nur eine Schwäche: Du musst ihn selbst ausfüllen, und zwar rückwirkend. Sam begleitet dich bei genau dieser Dokumentation, ohne dass du dir am Monatsende zusammenreimen musst, wie du in der Nacht vor der Attacke geschlafen hast.
Dieser Artikel listet alle Felder auf, die in einen Kopfschmerzkalender gehören. Du kannst die Liste abschreiben, abtippen oder ausdrucken. Und du siehst danach, welche Spalten sich in einer App von selbst füllen.
Warum Neurologen einen Kopfschmerzkalender verlangen
Kopfschmerzen werden nach Anamnese eingeordnet, nicht nach Bildgebung. Es gibt keinen Bluttest für Migräne. Die Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (ICHD-3) stützen sich fast vollständig auf das, was du berichtest: wie lange eine Attacke dauert, wie sie sich anfühlt, was dazukommt, wie oft es passiert. Wenn du das aus dem Gedächtnis beantwortest, unterschätzen die meisten Menschen ihre Attackenzahl deutlich, weil leichte Tage schlicht vergessen werden.
Dazu kommt ein zweiter Grund. Die Zahl der Kopfschmerztage pro Monat und die Zahl der Tage mit Akutmedikation sind die beiden Angaben, an denen sich Behandlungsentscheidungen ausrichten. Ohne Kalender sind das Schätzungen. Mit Kalender sind es Zahlen. Welche Konsequenz dein Behandlungsteam daraus zieht, entscheidet es, nicht du und nicht eine App.
Was gehört in einen Kopfschmerzkalender
Das ist der Kern. Pro Attacke, nicht pro Woche:
- Datum der Attacke, und bei mehrtägigen Verläufen jeder betroffene Tag einzeln.
- Beginn und Dauer in Uhrzeiten. "Vormittags" reicht nicht, weil die 4-bis-72-Stunden-Grenze der ICHD-3-Kriterien an der Dauer hängt.
- Intensität auf einer Skala von 0 bis 10, oder in den drei Stufen leicht, mittel, schwer. Bleib bei einer Skala, nicht mal so und mal so.
- Ort und Charakter: einseitig oder beidseitig, pulsierend oder drückend. Das ist der wichtigste Unterschied zwischen Migräne und Spannungskopfschmerz.
- Begleitsymptome: Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit, Lärmempfindlichkeit, Geruchsempfindlichkeit.
- Aura: ja oder nein, welche Art (Sehstörung, Kribbeln, Sprachstörung), wie lange, und ob sie vor oder mit dem Schmerz kam.
- Akute Medikation: Wirkstoff, Dosis, Uhrzeit der Einnahme, und ob du nachlegen musstest. Wenn du den Handelsnamen notierst, schreib die Wirkstoffklasse dazu, also zum Beispiel Triptan, NSAR oder Analgetikum. Genau diese Einteilung braucht die Praxis.
- Einschränkung: Konntest du arbeiten, nur eingeschränkt arbeiten, oder gar nicht? Diese Spalte ist später Gold wert.
- Mögliche Auslöser: Schlaf (zu wenig, zu viel, verschoben), ausgelassene Mahlzeiten, Flüssigkeitsmenge, Stress und vor allem Stressabfall, Alkohol, Zyklusphase, Wetterwechsel.
Mehr braucht es nicht. Ein Kalender mit dreißig Feldern wird nach zwei Wochen nicht mehr geführt, und ein leerer Kalender hilft niemandem.
Was die Papiervorlage nicht leisten kann
Die ersten acht Felder kannst du ehrlich ausfüllen, weil du sie erlebst. Beim letzten Feld wird es schwierig. "Mögliche Auslöser" verlangt Angaben über einen Zeitraum, in dem du noch keine Schmerzen hattest und deshalb auf nichts geachtet hast.
Wie lange hast du in der Nacht vor der Attacke geschlafen? Wie stabil war dein Schlaf in der Woche davor? Wie sah dein Ruhepuls aus, wie deine Herzfrequenzvariabilität? Wenn du das am Sonntagabend für die vergangenen zwei Wochen nachträgst, schreibst du keine Daten auf, sondern eine Erinnerung an Daten. Und Erinnerung ist genau das, was der Kalender eigentlich ersetzen sollte.
Dasselbe gilt für das Wetter. Luftdruckwechsel gelten vielen Betroffenen als Auslöser, die Studienlage dazu ist uneinheitlich. Aber selbst wenn du es für dich prüfen wolltest: Aus dem Kopf weißt du nicht, was der Luftdruck vor drei Tagen gemacht hat.
Ein Kalender, der sich zur Hälfte selbst ausfüllt
Genau hier setzt das Anfall-Tagebuch im Migräne-Programm von Sam an. Es hat dieselben Felder wie oben: Datum, Beginn, Dauer, Intensität, Begleitsymptome, Aura, akute Medikation, Einschränkung, Notizen zu Auslösern. Du tippst den Eintrag in unter einer Minute.
Der Unterschied liegt in dem, was Sam automatisch an den Eintrag hängt. Aus Apple Health kommen Schlafdauer und Schlafqualität, Herzfrequenzvariabilität, Ruhepuls, Bewegung und Schritte, jeweils für den Tag der Attacke und die Tage davor. Apple Watch Modelle mit Barometer erfassen zusätzlich den Umgebungsluftdruck, sodass auch die Wetterspalte nicht mehr aus dem Gedächtnis kommen muss. Diese Spalten trägt niemand nach. Sie stehen schon da, wenn du den Eintrag speicherst.
Wichtig und ohne Beschönigung: Sam erkennt keine Attacke und sagt keine voraus. Kein Wearable kann das zuverlässig. Den Anfall trägst du selbst ein. Sam sorgt nur dafür, dass rundherum die Zahlen stehen, die du sonst schätzen müsstest. Wie du das Programm einrichtest, steht in Apple Watch für Migräne einrichten, und welche Muster überhaupt sinnvoll zu beobachten sind, in Migräne-Trigger erkennen.
Für die akute Medikation gibt es einen zweiten praktischen Effekt. Weil du sie zusammen mit der Attacke einträgst, entsteht nebenbei die Zahl der Tage pro Monat, an denen du Akutmedikation genommen hast. Danach wird in der Sprechstunde regelmäßig gefragt. Sam erinnert an geplante Einnahmen und protokolliert, was du einträgst. Sam bewertet nicht, ob ein Medikament wirkt oder ob es zu viel oder zu wenig ist. Das ist ärztliche Sache.
MIDAS wird ehrlicher, wenn schon dokumentiert ist
Der MIDAS-Fragebogen (Migraine Disability Assessment) fragt für die letzten drei Monate ab, an wie vielen Tagen du wegen Kopfschmerzen bei der Arbeit, im Haushalt oder in der Freizeit ausgefallen bist oder nur eingeschränkt leistungsfähig warst. Fünf Fragen, drei Monate Rückblick.
Ohne Kalender ist das ein Ratespiel, und die meisten Menschen raten zu niedrig. Mit einem geführten Anfall-Tagebuch liest du die Antworten ab, weil die Einschränkungsspalte pro Attacke schon dasteht. Genau deshalb lohnt es sich, sie mitzuführen, auch wenn sie sich beim Eintippen überflüssig anfühlt. Du kannst den MIDAS-Score hier direkt berechnen und das Ergebnis zum Termin mitbringen. Der Score ist keine Diagnose, er beschreibt nur, wie stark dein Alltag betroffen ist.
So hilft dir Sam
Sam führt dein Anfall-Tagebuch mit denselben Feldern, die ein Kopfschmerzkalender aus Papier hat, und ergänzt automatisch die Apple-Health-Daten, die du sonst aus dem Gedächtnis nachtragen würdest. Einmal im Monat entsteht daraus ein druckbarer PDF-Bericht für deinen Termin. Arztbriefe und Befunde legst du in deinen Medizinischen Dokumenten ab, damit alles an einem Ort liegt. Mehr Hintergrund findest du im Migräne-Hub.
Sam kostenlos ausprobierenSam ist ein Wellness-Begleiter, kein Medizinprodukt. Sam diagnostiziert, behandelt oder verhindert keine Erkrankungen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose, Zielwerte und Therapie legt immer dein Behandlungsteam fest. Sam erfasst Migräneattacken nicht automatisch, sagt keine Attacken voraus und bewertet keine Medikamente.
Quellen
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG): Kopfschmerzkalender und Dokumentationsempfehlungen
- Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS): ICHD-3 Klassifikation (International Classification of Headache Disorders, 3rd edition)
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und DMKG: S1-Leitlinie Migräne
- Stewart WF et al.: Migraine Disability Assessment (MIDAS) Questionnaire, Neurology
Häufige Fragen
Was gehört in einen Kopfschmerzkalender?+
Pro Attacke: Datum, Beginn und Dauer in Uhrzeiten, Intensität auf einer festen Skala, Ort und Charakter des Schmerzes, Begleitsymptome wie Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit, Aura ja oder nein, die akute Medikation mit Wirkstoff und Uhrzeit, wie stark du eingeschränkt warst, und mögliche Auslöser wie Schlaf, Mahlzeiten, Stress oder Zyklusphase.
Brauche ich einen Kopfschmerzkalender zum Ausdrucken oder reicht eine App?+
Beides erfasst dieselben Felder. Der Unterschied liegt bei den Auslösern: Schlaf, Ruhepuls, HRV und Bewegung trägst du auf Papier aus dem Gedächtnis nach, in einer App wie Sam hängen diese Apple-Health-Daten automatisch am Eintrag. Wenn du lieber auf Papier schreibst, nimm die Feldliste aus diesem Artikel als Vorlage.
Warum verlangt mein Neurologe einen Kopfschmerzkalender?+
Kopfschmerzen werden nach dem eingeordnet, was du berichtest, nicht nach Bildgebung. Die Zahl der Kopfschmerztage pro Monat und die Zahl der Tage mit Akutmedikation sind die Angaben, an denen sich Behandlungsentscheidungen ausrichten. Aus dem Gedächtnis unterschätzen die meisten Menschen beides.
Erkennt Sam meine Migräneattacken automatisch?+
Nein. Sam erfasst keine Attacke und sagt keine voraus, kein Wearable kann das zuverlässig. Den Anfall trägst du selbst ins Anfall-Tagebuch ein. Sam ergänzt automatisch die Apple-Health-Daten rund um den Eintrag, damit du sie nicht schätzen musst.
Was hat der MIDAS-Score mit dem Kopfschmerzkalender zu tun?+
MIDAS fragt für die letzten drei Monate ab, an wie vielen Tagen du wegen Kopfschmerzen ausgefallen bist oder nur eingeschränkt leistungsfähig warst. Wenn die Einschränkung pro Attacke schon im Kalender steht, liest du die Antworten ab, statt zu raten. Den Score kannst du unter /tools/midas-migraene-score berechnen.
