Alkohol und Migräne: Rotwein als Trigger im Tagebuch
Alkohol und Migräne: was Studien zu Rotwein und Triggern zeigen und wie du Trinktage und Attackentage so festhältst, dass dein Arzt damit arbeiten kann.
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Nach einem Glas Wein kommt der Kopfschmerz, und du fragst dich, ob Alkohol dein Auslöser ist. Trinktage und Attackentage kannst du auf Papier festhalten oder in Sam. Dort markierst du Trinktage mit ja oder nein im Symptomtagebuch. Attacken trägst du im Migränetagebuch ein, und Schlaf und HRV aus Apple Health liegen in derselben App. Dieser Text zeigt, was Studien zu Rotwein, Zeitpunkt und Triggern sagen, und gibt dir ein Protokoll für den Arzttermin.
Er ist allgemeine Information. Ob Alkohol bei dir eine Rolle spielt, klärst du mit deiner Neurologin oder deinem Neurologen. Der Text rät nicht dazu, Alkohol zum Testen zu trinken.
Wie viele Menschen mit Migräne nennen Alkohol als Auslöser?
In einer Befragung aus Leiden nannten 35,6 Prozent von 2197 Menschen mit Migräne alkoholische Getränke als Auslöser (Onderwater et al., European Journal of Neurology 2019). Es war eine einmalige Online-Befragung, die Teilnehmenden blickten also zurück. Mehr als 25 Prozent derjenigen, die aufgehört hatten oder nie tranken, taten das wegen des vermuteten Auslösers.
Ein Übersichtsartikel von 2008 zeichnet dasselbe Bild. In rückblickenden Studien berichtet etwa ein Drittel, Alkohol löse zumindest gelegentlich Attacken aus. Nur rund 10 Prozent sagen, das passiere häufig.
Ist Rotwein wirklich der Hauptverdächtige?
In Leiden war Wein, vor allem Rotwein, das am häufigsten genannte Getränk. Rotwein löste aber nur bei 8,8 Prozent der Teilnehmenden zuverlässig eine Attacke aus. Die Autorinnen und Autoren schließen daraus, dass ein Getränk allein als Auslöser nicht reicht. Es könnte von einer schwankenden Auslöseschwelle abhängen. Die Seniorautorin Gisela Terwindt sagte der Pharmazeutischen Zeitung, Alkohol allein scheine ein schwacher Auslöser zu sein.
Je nach Land steht auch etwas anderes vorn. In Großbritannien wird Rotwein am häufigsten genannt. Studien aus Frankreich und Italien nennen Weißwein oder Champagner. Sekt, Spirituosen und Bier tauchen ebenfalls auf. Erklärungen über Inhaltsstoffe wie biogene Amine, Sulfite oder Flavonoide bezeichnet der Übersichtsartikel als nicht schlüssig.
Wie schnell kommt eine Attacke nach dem Trinken, und was ist ein Kater?
In Leiden begann die Attacke bei einem Drittel in weniger als 3 Stunden. Bei fast 90 Prozent begann sie in weniger als 10 Stunden. Das galt unabhängig vom Getränk.
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft unterscheidet beim Alkoholkopfschmerz zwei Formen. Die unmittelbare Form tritt innerhalb von 3 Stunden nach dem Trinken auf. Die verzögerte ist der Katerkopfschmerz, ab etwa 5 Stunden nach dem Trinken. Menschen mit Migräne können eine ausgelöste Attacke und einen verzögerten Alkoholkopfschmerz schwer trennen, weil sich die Symptome überschneiden.
Der schnelle Beginn in Leiden könnte nach Ansicht der Autoren auf einen anderen Mechanismus als beim Kater hindeuten. Mit Uhrzeiten im Protokoll sieht deine Ärztin den Abstand zwischen Getränk und Beginn. Wie sie ihn deutet, ist ihre Aufgabe.
Was zeigte ein Tagebuch mit über 40.000 Tagen?
Eine Auswertung in der Zeitschrift Headache (Vives-Mestres et al., 2022) nutzte Tagebuchdaten statt Erinnerung. Die Autoren sind mit Curelator verbunden, dem Hersteller der N1-Headache-App, mit der die Daten erfasst wurden. Aufgenommen waren 487 Erwachsene mit episodischer Migräne, die Alkohol tranken und mindestens 90 Tage lang Kopfschmerz und Alkohol protokollierten. Zusammen waren das 5913 Attacken an 40.165 Tagebuchtagen.
In den 24 Stunden nach Alkohol fand sich kein signifikanter Effekt auf die Wahrscheinlichkeit einer Attacke. 24 bis 48 Stunden nach Alkohol war eine Attacke etwas seltener (Odds Ratio 0,75). Das ist ein statistischer Zusammenhang in dieser Gruppe und heißt nicht, dass Alkohol vor Migräne schützt. Es sind Gruppenwerte, keine Aussage über einzelne Menschen.
Die Autoren nennen selbst Grenzen:
- Die Gruppe trank überwiegend wenig. 87,9 Prozent beschrieben ihren Konsum als moderat.
- Die meisten waren Frauen und englischsprachig.
- Menschen, die nicht tranken, fehlen. Dazu gehören auch alle, die wegen eines vermuteten Auslösers darauf verzichten.
- Alkohol am selben Tag wurde nicht ausgewertet, weil die genauen Uhrzeiten fehlten. Ein sehr schneller Beginn kann deshalb unentdeckt bleiben.
- Die Mengen waren nicht standardisiert.
Befragung und Tagebuchstudie stellen verschiedene Fragen und lassen sich nicht gleichsetzen. Der Übersichtsartikel von 2008 schreibt allerdings, dass prospektive Studien die Bedeutung von Alkohol als Auslöser deutlich relativieren. Für dich zählt am Ende dein eigener Verlauf, und den hältst du am besten mit Uhrzeiten fest.
Was schreibt die Patientenleitlinie zu Triggern und zum Kopfschmerzkalender?
Die Patientenleitlinie zur Migränetherapie (AWMF-Register 030/057, September 2025) ist von der Deutschen Hirnstiftung, der DGN und der DMKG getragen. Sie nennt Alkohol, Schlafmangel und Stress als Beispiele für Reize, die Attacken auslösen können. Sie empfiehlt ausdrücklich, die eigene Erkrankung besser kennenzulernen und die persönlichen Trigger herauszufinden. Ein Kopfschmerzkalender kann dabei helfen: Du notierst Migräne und die Umstände. Mit deiner Ärztin oder deinem Arzt siehst du außerdem, ob eine Therapie wirkt.
Zu Getränken heißt es dort, die meisten Betroffenen mit einem Getränke- oder Nahrungsmittel-Trigger kennten ihn schon und mieden ihn üblicherweise. In Studien sei Alkohol, besonders Rotwein, der wichtigste Triggerfaktor in der Ernährung gewesen. Für besondere Diäten sei die wissenschaftliche Grundlage schwach.
Bei einer vorbeugenden Therapie rät die Leitlinie ebenfalls zum Kopfschmerzkalender, um Erfolg oder Misserfolg zu dokumentieren. Mehr zu anderen Auslösern wie Schlaf, Stress und Wetter findest du im Beitrag Migräne-Trigger: Schlaf, Stress, Zeitumstellung, Wetter.
Wie führst du ein Trinktag-Attackentag-Protokoll?
Eine Zeile pro Tag, an Tagen mit und ohne Alkohol. Auch Tage ohne Getränk und ohne Attacke gehören dazu, so wie in der Tagebuchstudie. Das Protokoll hält nur fest. Es ist keine Anleitung, Alkohol auszuprobieren.
| Feld | Was du einträgst |
|---|---|
| Datum | Der Tag |
| Alkohol heute | Ja oder nein. Getränk (Rotwein, Weißwein, Sekt, Bier, Spirituosen). Menge in deiner eigenen Zählung, etwa Gläser. Uhrzeit des letzten Getränks |
| Drumherum | Mahlzeit ausgelassen (ja oder nein). Schlaf der Nacht mit Zeiten. Stress auf einer Skala von 0 bis 3. Zyklustag, wenn er für dich zutrifft. Wetterwechsel (ja oder nein) |
| Attacke heute | Ja oder nein. Beginn mit Uhrzeit. Aura ja oder nein. Dauer |
| Abstand zum letzten Getränk | Unter 3 Stunden, 3 bis unter 10 Stunden, 10 bis 24 Stunden oder 24 bis 48 Stunden |
| Akutmedikament | Laut deinem Plan genommen: ja oder nein |
Die Abstandsfenster entsprechen denen der beiden Studien. Lies das Protokoll im Termin Zeile für Zeile mit deiner Neurologin und deute Muster nicht allein. Die Tagebuchstudie berechnete auch individuelle Wahrscheinlichkeiten. Je mehr Tage erfasst waren, desto genauer wurden sie. Eingeschlossen waren dort nur Menschen mit mindestens 90 Tagen Protokoll. Das beschreibt die Studie, es ist keine Vorgabe für dich.
In Sam führst du dasselbe im Tagebuch eines Programms für Migräne, also eines eigenen Tagebuchs mit Arztbericht und monatlichem Fragebogen. Jede Attacke ist ein Eintrag mit Datum, Stärke, Dauer und Aura. Getränk und Uhrzeit des letzten Glases hältst du in der Notiz fest, die Notiz steht aber nicht im Arztbericht. Bei Einträgen für heute stehen der Schlaf der Vornacht und die HRV aus Apple Health daneben, wenn Apple Health sie hat. Beschwerden ohne Attacke trägst du im Symptomtagebuch ein, dort markierst du auch Trinktage mit ja oder nein. Das Programm startet, nachdem du bestätigst, dass eine Ärztin oder ein Arzt Migräne festgestellt hat. Wie Schlafdaten neben Einträgen aussehen, erklärt der Beitrag Migräne und Schlaf: Das können deine Apple-Health-Daten zeigen.
Was fragst du deine Neurologin oder deinen Neurologen?
Nimm das Protokoll mit und frag zum Beispiel:
- Passt der Abstand zwischen Getränk und Beginn eher zu einer Migräneattacke oder zu einem Alkoholkopfschmerz?
- Was soll das Protokoll zusätzlich enthalten, und wie lange führe ich es?
- Spielen Schlaf, Stress oder ausgelassene Mahlzeiten an diesen Tagen eine Rolle?
- Wie gehen wir mit Alkohol um, solange das Muster unklar ist?
Ob du Alkohol meidest, trinkst oder weniger trinkst, entscheidest du mit deinem Behandlungsteam. Dieser Text gibt dazu keine Empfehlung. Wenn deine Attacken eher an bestimmten Wochentagen kommen, hilft der Beitrag Migräne immer am Wochenende? Muster festhalten.
Attacken und Getränke in Sam festhalten und als PDF mitnehmen
Du hast Attacken mit Uhrzeit an einem Ort und nimmst sie als Bericht mit zum Termin. Das Programm für Migräne ist ein Tagebuch mit Arztbericht und monatlichem Fragebogen.
- Statt Zettel mit Datum: Bei Einträgen für heute kommen Schlaf der Vornacht und HRV aus Apple Health dazu, Getränk und Uhrzeit ergänzt du in der Notiz.
- Statt Erinnerung im Termin: Der Arztbericht fasst den Zeitraum zusammen, den du wählst, als PDF.
- Statt Apple Health allein: Schlaf und HRV stehen dort ohne deine Attacken, in Sam liegen sie in derselben App, wenige Taps vom Eintrag entfernt.
Sam zeigt dir, was du eingetragen hast, und ordnet keinen Auslöser zu.
Sam kostenlos ausprobierenSam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.
- Migräne-Trigger: Schlaf, Stress, Zeitumstellung, Wetter
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Quellen
Stand: Oktober 2026
- Onderwater et al.: Alcoholic beverages as trigger factor and the effect on alcohol consumption behavior in patients with migraine, European Journal of Neurology 2019 (Abstract, englisch)
- Pharmazeutische Zeitung: Jeder Dritte nennt Alkohol als Triggerfaktor, 21.12.2018
- Vives-Mestres et al.: Alcohol as a trigger of migraine attacks in people with migraine, Headache 2022 (englisch)
- Panconesi: Alcohol and migraine: trigger factor, consumption, mechanisms. A review, Journal of Headache and Pain 2008 (englisch)
- DMKG, Deutsche Hirnstiftung, DGN: Leitlinie Therapie der Migräne für Patientinnen und Patienten, AWMF-Register 030/057, 1. Auflage, September 2025
Mehr zu Migräne
- Das Programm für Migräne ansehen
- Für Angehörige: Migräne
- Mit einer zweiten Erkrankung: Migräne und Epilepsie
- Mit einer zweiten Erkrankung: Migräne und Panikstörung
- Den Arztbericht ansehen
- Medikamente und Erinnerungen in einer Liste festhalten
- Symptome und Beschwerden im Tagebuch festhalten
- Mit Angehörigen teilen, was du festhältst
Häufige Fragen
Ist Rotwein ein Migräne-Trigger?+
Rotwein war in einer Leidener Befragung von 2197 Menschen mit Migräne das am häufigsten genannte Getränk. Er löste aber nur bei 8,8 Prozent der Teilnehmenden zuverlässig eine Attacke aus.
Wie viele Menschen mit Migräne reagieren auf Alkohol?+
In der Leidener Befragung nannten 35,6 Prozent Alkohol als Auslöser. Ein Übersichtsartikel von 2008 beschreibt etwa ein Drittel gelegentlich und nur rund 10 Prozent häufig.
Wann kommt die Attacke nach dem Alkohol?+
In der Leidener Befragung begann die Attacke bei einem Drittel in weniger als 3 Stunden und bei fast 90 Prozent in weniger als 10 Stunden. Das galt unabhängig vom Getränk.
Ist das eine Migräneattacke oder ein Kater?+
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft unterscheidet einen frühen Alkoholkopfschmerz innerhalb von 3 Stunden und einen späten ab etwa 5 Stunden. Die Symptome können sich überschneiden. Ein Protokoll mit Uhrzeiten hilft deiner Ärztin oder deinem Arzt bei der Einordnung.
Was zeigt ein Tagebuch zu Alkohol und Migräne?+
In einer Auswertung von 487 Menschen und 5913 Attacken zeigte sich in den 24 Stunden nach Alkohol kein signifikanter Effekt. Die Gruppe trank überwiegend wenig. Für dich persönlich sagt das nichts aus.
Soll ich ganz auf Alkohol verzichten?+
Das entscheidest du mit deinem Behandlungsteam. Die Patientenleitlinie schreibt, die meisten Betroffenen kennten ihre Getränke-Trigger bereits und mieden sie üblicherweise. Sie empfiehlt, persönliche Trigger mit einem Kopfschmerzkalender kennenzulernen.
Wie lange sollte ich ein Migränetagebuch führen?+
Die Tagebuchstudie wertete nur Menschen mit mindestens 90 Tagen Protokoll aus. Wie lange es bei dir sinnvoll ist, sagt dir deine Neurologin oder dein Neurologe.