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8 Min. LesezeitSanoLabs Editorial

CGRP-Antikörper Migräne: Kostenübernahme, Voraussetzungen

CGRP-Antikörper und Kostenübernahme: was Zulassung und G-BA festlegen, welche Vortherapien zählen und was dein Kopfschmerzkalender zeigt.

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Wenn deine Ärztin oder dein Arzt CGRP-Antikörper bei Migräne anspricht, fragst du dich: Wer bezahlt das? Was musst du vorweisen? Zugelassen sind Aimovig, Ajovy, Emgality und Vyepti für Erwachsene mit mindestens 4 Migränetagen im Monat. Für drei davon zählt bei der Kostenprüfung der Praxis auch, welche Prophylaxen nicht gewirkt haben, nicht vertragen wurden oder nicht geeignet waren. Deine Migränetage hältst du auf Papier fest oder im Migränetagebuch von Sam. Daraus entsteht ein Arztbericht als PDF für die Praxis.

Dieser Text ist allgemeine Information, keine Rechts- oder Medizinberatung. Er sagt nicht, ob eine Behandlung für dich passt. Das entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt.

Für wen sind CGRP-Antikörper zugelassen?

Das Anwendungsgebiet lautet laut G-BA: Migräne-Prophylaxe bei Erwachsenen mit mindestens 4 Migränetagen pro Monat. Es gibt vier Wirkstoffe, hier mit dem Datum der Zulassung:

  • Erenumab (Handelsname Aimovig): 26. Juli 2018
  • Galcanezumab (Emgality): 14. November 2018
  • Fremanezumab (Ajovy): 28. März 2019
  • Eptinezumab (Vyepti): 24. Januar 2022

Die EU-Produktinformation von Erenumab nennt dieselbe Zahl: Die Behandlung ist für Menschen vorgesehen, die zu Beginn mindestens 4 Migränetage pro Monat haben. Eine Vortherapie verlangen die Zulassungstexte nicht. Wie die Praxis diese Tage feststellt, fragst du am besten dort nach. Wie du Kopfschmerz- und Migränetage zählst, erklärt der Beitrag Chronische Migräne: Ab wann spricht man davon?.

Was hat der G-BA zu den Vortherapien festgelegt?

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat jeden der vier Wirkstoffe bewertet. Seine Beschlüsse stehen in Anlage XII der Arzneimittel-Richtlinie und stammen aus den Jahren 2019 bis 2023. Auf den Verfahrensseiten des G-BA steht für diese vier Wirkstoffe kein späteres Verfahren (Stand Oktober 2026).

Der G-BA teilt die Erwachsenen nach ihrer Vortherapie in Gruppen ein. Bei Galcanezumab und Fremanezumab sind das drei:

  • Erwachsene ohne Vortherapie sowie Erwachsene, die auf mindestens eine Prophylaxe nur unzureichend angesprochen oder sie nicht vertragen haben oder für die sie nicht geeignet ist.
  • Erwachsene, die auf Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat oder Amitriptylin nicht ansprechen, dafür nicht geeignet sind oder sie nicht vertragen.
  • Erwachsene, bei denen zusätzlich Valproinsäure und Botulinumtoxin Typ A nicht in Frage kommen.

Für Erenumab (Fassung von 2021) sind es zwei Gruppen: Erwachsene mit mindestens 4 Migränetagen pro Monat, für die eine konventionelle Prophylaxe in Frage kommt, und Erwachsene, die auf keine der sieben Therapien Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin, Valproinsäure und Botulinumtoxin Typ A ansprechen, dafür nicht geeignet sind oder sie nicht vertragen.

Für Eptinezumab (2023) sind es ebenfalls zwei Gruppen; die Liste der zweiten nennt Valproinsäure nicht. Laut den Fußnoten der Beschlüsse kommt Botulinumtoxin Typ A nur bei chronischer Migräne in Frage. Valproinsäure ist in den Beschlüssen zu Galcanezumab und Fremanezumab nur vorgesehen, wenn alle anderen dafür zugelassenen Arzneimittel nicht erfolgreich waren oder kontraindiziert sind.

Diese Gruppen beschreiben, für wen der G-BA den Nutzen bewertet hat. Welcher Gruppe du angehörst, ordnet deine Ärztin oder dein Arzt ein, nicht du und nicht dieser Text.

Zur Anwendung schreiben die Beschlüsse: Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Einleitung und Überwachung sollen durch Ärztinnen und Ärzte erfolgen, die in der Diagnose und Therapie von Menschen mit Migräne erfahren sind.

Zahlt die Krankenkasse Aimovig, Ajovy, Emgality und Vyepti?

Die Verordnung läuft über deine Praxis, nicht über dich. Verordnet sie ein Mittel zulasten der gesetzlichen Kasse, zahlst du ab 18 Jahren in der Apotheke eine Zuzahlung. Sie beträgt in der Regel 10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Mittel. So steht es in Paragraf 31 Absatz 3 und Paragraf 61 SGB V.

In den Abschnitten 1 bis 4 der G-BA-Beschlüsse steht weder eine Verordnungseinschränkung noch eine Genehmigungspflicht der Kasse. Vorgaben stehen aber in den Vereinbarungen des GKV-Spitzenverbands mit den Herstellern. Für Aimovig, Ajovy und Emgality legen sie eine Praxisbesonderheit fest: Bei der Wirtschaftlichkeitsprüfung zählen Verordnungen in bestimmten Gruppen dann als Besonderheit der Praxis.

  • Erenumab (Aimovig), seit 1. April 2022: Erwachsene mit mindestens 4 Migränetagen pro Monat, bei denen mindestens eine Prophylaxe erfolglos war oder nicht vertragen wurde. Gemeint sind Metoprolol, Propranolol, Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin oder Botulinumtoxin Typ A. Dazu zählen auch Erwachsene, die für keinen dieser Wirkstoffe geeignet sind. Die Nichteignung ist zu dokumentieren.
  • Galcanezumab (Emgality) und Fremanezumab (Ajovy), seit 2020: nur Erwachsene, bei denen alle sieben oben genannten Therapien nicht wirken, nicht geeignet sind oder nicht vertragen werden. Dazu gehören auch Valproinsäure und Botulinumtoxin Typ A. Laut Vereinbarung sollen Ärztinnen und Ärzte diese beiden Wirkstoffe nur in dieser Gruppe verordnen.

Für Erenumab steht dort außerdem: Das Ansprechen dokumentiert die Ärztin oder der Arzt. Zeigt sich nach 3 Monaten kein Ansprechen, fällt die Folgeverordnung nicht mehr unter die Praxisbesonderheit. Für Eptinezumab (Vyepti) nennt eine Rezept-Info von KV und Krankenkassen in Niedersachsen keine Praxisbesonderheit.

Das Gesetz gibt den Rahmen vor, und die Vereinbarungen halten fest, dass er weiter gilt. Nach Paragraf 12 Absatz 1 SGB V müssen Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Nicht Notwendiges oder Unwirtschaftliches dürfen Leistungserbringer nicht bewirken und Krankenkassen nicht bewilligen.

Wie wirtschaftlich verordnet wird, prüfen die Beteiligten regional. Paragraf 106b Absatz 1 SGB V sieht dafür Vereinbarungen vor, die die Landesverbände der Krankenkassen und die Ersatzkassen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen treffen. Auf dieser Grundlage können Nachforderungen wegen unwirtschaftlicher Verordnungsweise festgelegt werden. In Niedersachsen steht in der Arzneimittelvereinbarung von KV und Krankenkassen: Die Antikörper sollen erst eingesetzt werden, wenn konventionelle Prophylaxen nicht wirken (Rezept-Info, Stand September 2026).

Diese Regeln richten sich an die Praxis. Ob du zu einer der Gruppen gehörst, beurteilt deine Ärztin oder dein Arzt. Was deine Kasse darüber hinaus im Einzelfall verlangt, erfährst du bei ihr oder in deiner Praxis.

Zur Größenordnung nennt dieselbe Rezept-Info Jahrestherapiekosten nach gesetzlichen Rabatten, Preisstand August 2026. Danach kostet Erenumab 3.064 Euro im Jahr, Fremanezumab 5.245 Euro, Galcanezumab ohne Startdosis 5.535 Euro und Eptinezumab 2.704 bis 3.380 Euro. Die Zahlen ändern sich und sind keine Preisauskunft.

Wann wird die Behandlung überprüft?

Die EU-Produktinformationen nennen Zeitpunkte, zu denen die Ärztin oder der Arzt die Behandlung bewertet:

  • Erenumab: das Ansprechen nach 3 Monaten, danach regelmäßig, ob die Fortsetzung nötig ist.
  • Fremanezumab und Galcanezumab: der Nutzen innerhalb von 3 Monaten nach Beginn, danach regelmäßige Neubewertung.
  • Eptinezumab: Gesamtnutzen und Fortsetzung 6 Monate nach Beginn.

Die Rezept-Info aus Niedersachsen nennt zusätzlich eine Prüfung nach spätestens 12 Monaten, ob die Behandlung noch nötig ist. Sie verweist dafür auf die Leitlinie. Ob die Behandlung weitergeht oder pausiert, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Setz sie nicht auf eigene Faust ab, und sprich Beschwerden in der Praxis an. Die Produktinformationen nennen an diesen Stellen keinen Prozentwert für das Ansprechen. Wer vor dem Beginn und danach die Migränetage notiert hat, bringt zu diesen Terminen Zahlen statt Erinnerung mit.

Welche Vortherapien hältst du schriftlich fest?

Weil G-BA und Praxisbesonderheiten nach Vortherapie fragen, hilft deiner Praxis eine Übersicht aller früheren Prophylaxen. Sie ist Dokumentation für das Gespräch, kein Nachweis für die Kasse. Eine Zeile pro Wirkstoff:

Wirkstoff laut PackungBeginnEndeVerordnet vonWarum beendetKopfschmerztage vorher und währenddessen

In die Spalte "Warum beendet" gehören die Worte deiner Ärztin oder deines Arztes. Der G-BA benutzt dafür die Begriffe kein Ansprechen, nicht vertragen und nicht geeignet. Welcher zutrifft, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt. Fehlt dir ein Datum, schreib "unbekannt" statt einer Schätzung. Packungen, Rezepte und Arztbriefe helfen beim Nachsehen.

Was zeigt dein Kopfschmerzkalender über Monate?

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) stellt einen Kalender bereit. Mit regelmäßigen Einträgen können Betroffene und Behandelnde laut DMKG Muster, Auslöser und die Wirkung von Behandlungen besser nachvollziehen. Das DMKG-Blatt hat pro Tag Spalten für Stärke von 0 bis 10, Dauer in Stunden, Schmerzart und Ort, Auslöser, Aura, Begleitsymptome, Akutmedikament mit Dosis, Wirkung und Bemerkung. Alle Felder stehen im Beitrag zum Kopfschmerzkalender.

Für das Gespräch zählen die Summen pro Monat: Kopfschmerztage und Migränetage, dazu Stärke, Dauer und Aura. Nimm die Monate vor dem ersten Gespräch zu diesem Thema mit und die Monate danach. So hat die Praxis zum Überprüfungstermin Zahlen aus beiden Zeiträumen.

In Sam zählt der Arztbericht die protokollierten Migränetage und die Tage mit Akutmedikament für 1, 3, 6 oder 12 Monate oder den ganzen Verlauf. Tage ohne Eintrag zählt er nicht. Eine Prophylaxe legst du in Sam als Medikament mit Rhythmus an, so wie deine Praxis sie verordnet, und hältst jede Gabe fest. Kopfschmerz ohne passenden Anfall hältst du im Symptomtagebuch fest.

Welche Fragen nimmst du mit, und wohin wendest du dich bei einer Ablehnung?

Schreib dir diese Fragen auf:

  • Wer prüft meinen Einzelfall, und wie?
  • Wann ist laut Fachinformation der erste Überprüfungstermin?
  • Welche Unterlagen und welche Zeiträume braucht die Praxis von mir?
  • Wie zählt die Praxis meine Migränetage?

Lehnt die Praxis eine Verordnung ab, frag nach dem Grund und notiere ihn mit Datum. Bei Fragen zu deinen Ansprüchen als Versicherte kannst du dich an deine Krankenkasse wenden oder an unabhängige Stellen wie die Unabhängige Patientenberatung Deutschland oder einen Sozialverband. Weitere Anregungen für das Gespräch gibt die Checkliste für den Arzttermin. Wie du die Wartezeit auf den Facharzt nutzt, steht in Migräne: Wartezeit auf den Neurologen sinnvoll nutzen.

Kopfschmerztage über Monate festhalten und als Bericht mitnehmen

Du bringst Monate statt einer Schätzung mit. Im Programm für Migräne, also einem eigenen Tagebuch mit Arztbericht und monatlichem Fragebogen, hältst du jeden Anfall fest.

  • Statt Zettelkalender, der liegen bleibt: Jeder Anfall ist ein Eintrag mit Datum, Stärke, Dauer, Aura und Akutmedikament.
  • Statt Erinnerung im Wartezimmer: Der Arztbericht als PDF zählt deine protokollierten Migränetage und Tage mit Akutmedikament für den Zeitraum, den du wählst.
  • Statt Screenshots: Schlaf und Herzfrequenzvariabilität aus Apple Health stehen bei Einträgen für heute neben dem Anfall, sofern Werte vorliegen.

Frühere Vortherapien hält das Programm nicht fest, diese Übersicht führst du separat. Ein Programm in Sam ist kein Behandlungsprogramm und kein DMP: Es hält fest, was du dokumentierst.

Sam kostenlos ausprobieren

Sam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Gesetze, Fristen und Behördenpraxis ändern sich, und dein Fall kann anders liegen. Lass dich vor Anträgen, Fristen und Gesprächen mit Arbeitgeber, Kasse oder Behörde von einer Beratungsstelle oder einer Anwältin oder einem Anwalt beraten.

Mehr zum Thema

Quellen

Stand: Oktober 2026

Häufige Fragen

Ab wie vielen Migränetagen sind Aimovig, Ajovy, Emgality und Vyepti zugelassen?+

Die Zulassungen nennen Erwachsene mit mindestens 4 Migränetagen pro Monat. Ob das auf dich zutrifft und ob eine Behandlung für dich in Frage kommt, entscheidet deine behandelnde Ärztin oder dein behandelnder Arzt.

Wer soll die Behandlung mit CGRP-Antikörpern einleiten?+

Laut den G-BA-Beschlüssen und der Fachinformation sollen Ärztinnen und Ärzte, die in der Diagnose und Behandlung von Migräne erfahren sind, die Behandlung einleiten und überwachen.

Muss ich zuerst andere Vorbeugung ausprobiert haben?+

Die Zulassung nennt keine Vortherapie. Die Vereinbarungen des GKV-Spitzenverbands mit den Herstellern knüpfen die Praxisbesonderheit aber daran: bei Aimovig an mindestens eine erfolglose oder nicht vertragene Prophylaxe oder fehlende Eignung, bei Ajovy und Emgality daran, dass sieben genannte Therapien nicht wirken, nicht geeignet sind oder nicht vertragen werden. Ob das auf dich zutrifft, beurteilt deine Ärztin oder dein Arzt.

Wann wird geprüft, ob die Behandlung fortgesetzt wird?+

Die EU-Produktinformationen nennen für drei der vier Wirkstoffe eine Bewertung nach beziehungsweise innerhalb von 3 Monaten, für den Wirkstoff als Infusion nach 6 Monaten. Die Entscheidung trifft die Ärztin oder der Arzt.

Was kosten CGRP-Antikörper, und was zahlst du selbst?+

Eine Rezept-Info von KV und Krankenkassen in Niedersachsen nennt für die Erhaltungstherapie Jahrestherapiekosten zwischen 2.704 und 5.535 Euro je nach Wirkstoff und Dosis, nach gesetzlichen Rabatten, Preisstand August 2026. Gesetzlich Versicherte ab 18 zahlen in der Apotheke die gesetzliche Zuzahlung von höchstens 10 Euro je Mittel.

Was gehört in einen Kopfschmerzkalender?+

Die Vorlage der DMKG erfasst pro Tag Stärke, Dauer, Schmerzart und Ort, Auslöser, Aura, Begleitsymptome sowie Akutmedikament mit Dosis und Wirkung.

Reicht ein Kopfschmerzkalender, damit die Kasse zahlt?+

Das hängt von deinem Fall ab, und deine Praxis oder deine Kasse sagt dir, welche Unterlagen nötig sind. Der Kalender ist Dokumentation für das Gespräch mit deiner Praxis und garantiert keine Entscheidung.