Partner hat Migräne: Was du in der Attacke tun kannst
Dein Partner hat Migräne? Was in der Attacke hilft, was ihr vorher absprecht, wann du die 112 rufst und wie du informiert bleibst.
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Dein Partner oder deine Partnerin liegt im abgedunkelten Zimmer, will nicht reden, und du weißt nicht, was du tun sollst. Frag, was gerade gut tut, und biete Hilfe an, statt zu entscheiden. Viele wünschen sich einen ruhigen, abgedunkelten Raum. Medikamente sind nicht deine Aufgabe, und bei plötzlich extrem heftigem Kopfschmerz oder akuten neurologischen Ausfällen ruf die 112. Nutzt die Person mit Migräne Sam, wählt sie in Familie & Freunde pro Person und Bereich aus, was du lesend siehst. Der Text ist allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Was passiert bei einer Migräneattacke und wie lange dauert sie?
Migräne ist mehr als Kopfschmerz. Der Schmerz ist oft einseitig, pochend und wird bei Bewegung schlimmer. Welche Seite weh tut, kann von Attacke zu Attacke wechseln.
Dazu kommen oft weitere Beschwerden. Fast immer fehlt der Appetit. Bei etwa 70 von 100 Betroffenen kommt Übelkeit dazu, bei etwa 30 Erbrechen. Licht stört etwa 70 von 100, Lärm etwa 50 von 100.
Ohne Behandlung dauert eine Attacke zwischen vier Stunden und drei Tagen. Deine Partnerin oder dein Partner will deshalb vielleicht lange Ruhe. Das hat mit dir nichts zu tun, sondern mit Licht, Lärm und Schmerz.
Manche haben vor dem Kopfschmerz eine Aura. Dazu gehören Flimmern vor den Augen, Wort- oder Sprechprobleme, Kribbeln, das in Armen oder Beinen aufsteigt, und Schwindel. Die Aura entwickelt sich langsam, hält Minuten bis zu einer Stunde an und geht vollständig zurück. Zahlen dazu findest du im Text zu Migräne mit Aura und Schlaganfallrisiko.
Ihr seid nicht allein damit: 10 bis 15 von 100 Erwachsenen haben Migräne, die meisten zwischen 20 und 50 Jahren. Frauen sind in diesem Alter bis zu dreimal so oft betroffen wie Männer.
Was kannst du in der Attacke tun und sagen?
Frag, was gerade gut tut. Das ist bei jedem Menschen anders, und die Person weiß es meist am besten. Viele legen sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum. Das beschreiben gesund.bund.de und das IQWiG als Erfahrung, nicht als Regel. Manchen hilft ein feuchtes Tuch oder ein Kühlelement auf der schmerzenden Seite. In Studien empfanden Betroffene Kühlung als angenehm, die Studienqualität ist allerdings niedrig.
Biete an, statt zu entscheiden. Du kannst Termine absagen, die Kinder übernehmen oder leise nebenan sein. Ob die Person das möchte, fragst du kurz und einmal.
Sätze, die helfen können: "Ich glaube dir, dass das mehr als Kopfschmerz ist." "Ich bin nebenan, wenn du mich brauchst." Sätze, die du dir sparen kannst: "Ist doch nur Kopfschmerz" und "Hast du schon wieder zu wenig getrunken?" In der Attacke braucht niemand eine Erklärung oder ein Verhör.
Medikamente sind nicht deine Aufgabe. Welche jemand nimmt und wann, entscheidet die Person gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt. Lässt sich eine Attacke selbst nicht ausreichend behandeln, ist laut Patientenleitlinie die Behandlung in einer Praxis oder Notaufnahme möglich.
Was sprecht ihr ab, wenn es gerade gut ist?
Am besten klärt ihr vieles, wenn keine Attacke läuft. Hier ist ein Vorschlag für eine Absprache-Karte, abgeleitet aus den unten genannten Quellen. Sie ist kein offizielles Formular. Die Person mit Migräne füllt sie aus, du hilfst, wenn sie es möchte.
- In einer Attacke hilft mir: dunkles Zimmer, Ruhe, Kühlung, allein sein, jemand in der Nähe, anderes.
- Bitte nicht: (in ihren eigenen Worten).
- Meine Medikamente stehen im Plan meiner Ärztin oder meines Arztes. Du entscheidest dazu nichts.
- Das sagen wir ab, das übernimmst du: (frei auszufüllen).
- Das ist für uns keine normale Attacke mehr, dann rufst du die 112: (die Anzeichen aus dem nächsten Abschnitt).
- Wenn ich eine Attacke nicht selbst behandeln kann, gehen wir in die Praxis oder in die Notaufnahme. So machen wir das: (frei auszufüllen).
Hängt die Karte am Kühlschrank oder liegt sie als Notiz auf dem Handy, müsst ihr in der Attacke nicht verhandeln.
Wann ist es keine normale Migräne mehr?
Die folgende Liste ist allgemeine Information und kein Selbsttest. Laut der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) ist immer ein Notfall anzunehmen, der sofort ärztlich abgeklärt werden muss, wenn
- ein extrem heftiger Kopfschmerz plötzlich beginnt und binnen Sekunden oder weniger Minuten sein Maximum erreicht,
- Nackensteife, hohes Fieber, epileptische Anfälle oder andere Bewusstseinsstörungen dazukommen,
- akute neurologische Ausfälle auftreten.
Ruf dann die 112. Ist etwas neu, plötzlich oder anders als sonst und du bist unsicher, ruf ebenfalls die 112. Für Beschwerden, die nicht dringend sind, erreichst du außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Auch ein neuer Kopfschmerz, der von Anfang an fast täglich da ist, sowie ein verändertes Schmerzbild oder Fieber gehören laut DMKG ärztlich abgeklärt. Ob ein Symptom zur Aura gehört oder etwas anderes ist, kann dieser Text nicht beurteilen. Im Zweifel gilt: lieber einmal zu viel anrufen.
Wie hilfst du beim Arzttermin, ohne zu übernehmen?
Einen Test mit einem Gerät, der Migräne beweist oder ausschließt, gibt es nicht. Laut Patientenleitlinie legt sich die Ärztin oder der Arzt nach fünf typischen Attacken fest. Deshalb zählt, was die Person über ihre Attacken berichten kann.
Die Patientenleitlinie nennt dafür einen Kopfschmerzkalender als hilfreich. Er hält fest, wann Attacken auftreten und unter welchen Umständen. Manchmal stoßen etwa Alkohol, Schlafmangel oder Stress eine Attacke an. Außerdem sehen die Person und ihre Ärztin damit, ob die Behandlung wirkt. Was in den Kalender gehört, steht im Text über den Kopfschmerzkalender.
Wenn die Person es möchte, schreibst du mit: Beginn, Ende, Aura ja oder nein, was in den Stunden davor los war. Du schreibst nicht für sie und bewertest nichts. Das Tagebuch gehört ihr.
Hilfreich zu wissen: Medikamente unterscheiden sich in Verträglichkeit und Nebenwirkungen. Manchmal müssen mehrere ausprobiert werden. Das ist normal und kein Zeichen, dass jemand etwas falsch macht.
Wie bleibst du informiert, ohne ständig zu fragen?
In Sam entscheidet die Person mit Migräne selbst, was sie wem zeigt. Das heißt Familie & Freunde. Sie wählt eine Person, der sie vertraut, und was diese sehen darf. Du siehst es in Sam nur lesend, wenn du die App öffnest. Du bekommst keine Meldungen über die Daten, und es wird erst etwas geteilt, wenn sie die Freigabe einschaltet. Jede Person hat ihre eigene Freigabe. Die Person mit Migräne kann sie jederzeit beenden, dann endet dein Zugriff. Der Arztbericht als PDF gehört nicht zu Familie & Freunde.
Das ist ihr Angebot und nichts, was du einrichtest oder einforderst. Ohne Sam geht es auch: Eine Nachricht, die die Person mit Migräne selbst schreibt, wenn die Attacke vorbei ist, reicht oft aus.
Wo findest du selbst Unterstützung?
Du darfst genervt sein, wenn Pläne wieder platzen. Sprecht darüber, wenn es ruhig ist, nicht in der Attacke.
Die MigräneLiga nennt eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von migränebetroffenen Personen. Wie sie arbeitet, erfährst du bei der MigräneLiga. Wenn ein Elternteil Migräne hat, hilft die Seite Migräne bei Eltern. Mehr für Angehörige findest du unter Für Familie und Angehörige.
Migränetage für euch beide festhalten
Ihr müsst nicht mehr aus dem Gedächtnis rechnen, wie oft es letzten Monat war, und du musst nicht nachfragen. Im Programm für Migräne führt die Person mit Migräne ein Tagebuch mit Arztbericht und monatlichem Fragebogen.
- Statt Papierkalender, der in der Attacke nicht griffbereit ist: Jede Attacke ist ein Eintrag mit Datum, Dauer und Aura.
- Statt Screenshots und Notizen: Über Familie & Freunde gibt die Person dir lesend frei, was sie teilen möchte, und beendet das jederzeit.
- Statt Schätzen beim Termin: Der Arztbericht als PDF fasst den gewählten Zeitraum zusammen. Er gehört der Person mit Migräne und ist nicht Teil von Familie & Freunde.
Sam ist für die Person mit Migräne gedacht. Du brauchst Sam zum Lesen, bekommst keine Meldungen, und Sam ersetzt keine Ärztin.
Sam kostenlos ausprobierenSam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.
- Kopfschmerzkalender: Was gehört hinein?
- Migräne mit Aura und Schlaganfallrisiko
- Apple-Health-Daten mit Partner oder Familie teilen
- Partner hat Panikattacken: Wie du helfen kannst
- Chronisch krank: Wann du es Partner und Freunden sagst
Quellen
Stand: Oktober 2026
- DMKG, DGN, Deutsche Hirnstiftung: Leitlinie Therapie der Migräne für Patientinnen und Patienten (AWMF 030/057, 1. Auflage, September 2025)
- DMKG: Rund um den Kopfschmerz, Onlinebroschüre (Abschnitt "Wann sollte man wegen Kopfschmerzen einen Arzt aufsuchen?")
- IQWiG: Migräne auf gesundheitsinformation.de (aktualisiert am 13. Juli 2022)
- Bundesministerium für Gesundheit mit IQWiG: Migräne auf gesund.bund.de (Stand: 21.12.2022)
- MigräneLiga e.V.: Migräne im Alltag
Mehr zu Migräne
- Das Programm für Migräne ansehen
- Für Angehörige: Migräne
- Mit einer zweiten Erkrankung: Migräne und Epilepsie
- Mit einer zweiten Erkrankung: Migräne und Panikstörung
- Den Arztbericht ansehen
- Medikamente und Erinnerungen in einer Liste festhalten
- Symptome und Beschwerden im Tagebuch festhalten
- Mit Angehörigen teilen, was du festhältst
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Migräneattacke?+
Ohne Behandlung dauert sie zwischen 4 und 72 Stunden. Eine Aura vor dem Kopfschmerz hält Minuten bis zu einer Stunde an.
Was hilft meinem Partner in der Attacke?+
Das ist bei jedem anders. Viele legen sich in einen ruhigen, abgedunkelten Raum, manchen hilft ein kühlendes Tuch auf der schmerzenden Seite. Frag, was gerade gut tut.
Soll ich meinem Partner Tabletten geben oder wegnehmen?+
Nein, das ist keine Aufgabe für dich. Die Wahl der Medikamente treffen die betroffene Person und ihre Ärztin oder ihr Arzt gemeinsam.
Wann ist Migräne ein Notfall?+
Wenn der Kopfschmerz schlagartig extrem heftig wird, wenn Nackensteife, hohes Fieber, ein Krampfanfall oder Bewusstseinsstörungen dazukommen oder neurologische Ausfälle auftreten. Dann ruf die 112, auch wenn du unsicher bist. Für Beschwerden, die nicht dringend sind, gibt es außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Kann ich beim Kopfschmerzkalender helfen?+
Wenn dein Partner es möchte, ja. Laut Patientenleitlinie kann ein Kopfschmerzkalender helfen, Auslöser besser zu kennen und zu sehen, ob die Behandlung wirkt.
Gibt es Selbsthilfe für Angehörige von Menschen mit Migräne?+
Die MigräneLiga nennt eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von migränebetroffenen Personen. Wie sie arbeitet, erfährst du bei der MigräneLiga.
Kann ich sehen, was mein Partner in Sam einträgt?+
Nur, wenn die Person mit Migräne es in Familie & Freunde für dich freigibt. Du siehst es dann nur lesend, ohne Meldungen über die Daten, und die Freigabe lässt sich jederzeit beenden. Du brauchst selbst Sam.