Wie helfe ich meinem Partner bei Panikattacken?
Wie hilfst du deinem Partner bei Panikattacken? Was die Leitlinie Angehörigen rät, warum du nicht alles übernehmen solltest und wann die 112 gilt.
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Dein Partner hat Panikattacken, und du weißt nicht, was in dem Moment hilft und was nicht. Bleib bei ihm und nimm die Angst ernst. Sätze wie "Reiß dich zusammen" helfen nicht. Die Leitlinie rät Angehörigen zu Verständnis und dazu, Vermeidungsverhalten auf Dauer nicht zu unterstützen. Bei Schmerzen in der Brust rufst du immer die 112. Für alles, was danach bleibt, kann er Attacken auf Papier oder in Sam festhalten. Über Familie & Freunde gibt er dir einzelne Bereiche nur lesend frei.
Er ist allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung. Wo hier "dein Partner" steht, gilt es genauso für Partnerin, Freund und Freundin.
Was erlebt dein Partner in einer Panikattacke?
Eine Panikattacke kommt plötzlich und wird über Minuten stärker. Die Patientenleitlinie zu Angststörungen nennt unter anderem Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Atemnot, Enge im Hals, Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust, Übelkeit, Schwindel, Taubheit und Kribbeln. Dazu kommt oft die Angst, die Kontrolle zu verlieren oder zu sterben.
Das MSD Manual beschreibt eine kurze Phase extremer Angst. Die Beschwerden erreichen in der Regel innerhalb von 10 Minuten ihren Höhepunkt und klingen innerhalb von Minuten ab. Viele Betroffene fürchten dabei einen Herzinfarkt. Schwere oder anhaltende Beschwerden sollte laut MSD ein Arzt abklären.
Für dich heißt das: Was du siehst, ist für deinen Partner kein Theater. Er erlebt es als Bedrohung.
Was tun bei einer Panikattacke, wenn es kein Drehbuch gibt?
Für die Minuten der Attacke gibt es kein Drehbuch, auch die Leitlinie nennt für Angehörige keines. Belegt ist nur: Die Attacke ist kurz, die Angst ist groß, und Sätze wie "Reiß dich zusammen" helfen nicht. Atemübungen oder Beruhigungsformeln stehen hier deshalb nicht.
Besser ist es, die Attacke an einem ruhigen Tag zu besprechen. Dein Partner weiß am besten, was ihm hilft. Haltet es auf einer Karte fest, die er selbst ausfüllt:
- Was mir in der Attacke hilft, in meinen Worten: ...
- Was ich nicht hören will: ...
- Meine Praxis oder Therapeutin und mein nächster Termin: ...
- Schmerzen in der Brust, Atemnot, Bewusstlosigkeit oder Beschwerden, die neu, stärker oder anders sind als sonst: Wir rufen die 112, ohne zu diskutieren.
- Was du mir nicht abnimmst: Situationen, die ich mit meiner Therapeutin als Übungsschritt vereinbart habe, etwa einen Termin, eine Fahrt oder einen Einkauf.
Die Karte ist ein Vorschlag für euer Gespräch, kein ärztlicher Plan. Punkt 4 stützt sich auf die Notruf-Regel des Bundesgesundheitsministeriums, Punkt 5 auf die Tipps der Leitlinie für Angehörige. Ergänzt sie mit der Praxis oder der Therapeutin.
Wann ist es keine Panik, sondern ein Fall für die 112?
Ob ein Schmerz in der Brust von der Panik kommt oder vom Herzen, kannst du nicht beurteilen. Dafür braucht es eine Untersuchung. Die Leitlinie nennt dazu unter anderem eine körperliche Untersuchung, Labor und ein EKG, um körperliche Ursachen auszuschließen.
Das Bundesgesundheitsministerium nennt auf gesund.bund.de als Zeichen eines Herzinfarkts: plötzlich einsetzenden oder zunehmenden Brustschmerz, Atemnot, Übelkeit, Todesangst, ein blasses Gesicht und Schwitzen, außerdem Druck- und Engegefühl im Brustkorb, Schwindel und Bewusstlosigkeit. Mehrere davon stehen auch auf der Liste der Panikattacke. Genau deshalb ist die Regel einfach: Bei Schmerzen in der Brust rufst du die 112, nicht den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Nachts wartest du nicht bis zum Morgen.
Das gilt auch, wenn dein Partner seine Panikattacken schon kennt. Auch bei Atemnot, Bewusstlosigkeit oder Beschwerden, die er so noch nie hatte, rufst du die 112. Im Zweifel ebenso.
Was sagst du, was lässt du besser?
Die Leitlinie hält fest, dass eine Angststörung nicht entsteht, weil jemand bequem oder unfähig ist oder sich wichtigmachen will. Sie rät Angehörigen, Ratschläge zu vermeiden, er "solle sich mal zusammennehmen" oder "sich nicht so anstellen". Stattdessen sollst du ihm mit Verständnis begegnen. Selbst einfache Dinge kosten ihn manchmal große Überwindung.
Konkrete Formulierungen gibt die Leitlinie nicht vor. Als Orientierung für Verständnis helfen kurze Sätze:
- "Ich nehme das ernst."
- "Sag mir, was dir gerade hilft."
- "Du stellst dich nicht an."
Auch Sätze wie "Das ist doch nichts" oder "Dir passiert nichts" lässt du besser weg. Du kannst nicht beurteilen, was in seinem Körper passiert.
Hilfst du, oder übernimmst du zu viel?
Am Anfang fühlt es sich liebevoll an, alles zu übernehmen. Du fährst, du telefonierst, du erledigst den Einkauf, und die Reise fällt aus. Die Leitlinie sieht das kritisch. Schwierige, angstauslösende Situationen für die Person zu übernehmen, ist auf Dauer nicht hilfreich. Typisches Vermeidungsverhalten sollst du nicht unterstützen.
Das heißt nicht, dass du ihn in Situationen schiebst oder ihm von heute auf morgen jede Hilfe streichst. Die Leitlinie rät, an einem Strang mit der Therapeutin zu ziehen. Rät sie dazu, sich einer angstauslösenden Situation auszusetzen, hilfst du bei diesem Schritt. Ob ein Termin, ein Flug oder ein Restaurantbesuch dafür passt, entscheiden dein Partner und seine Behandelnden. Du trägst das nicht allein.
Wie unterstützt du den Weg in die Therapie?
Viele Menschen gehen nicht zum Arzt oder zur Psychotherapeutin, weil sie Angst haben, vor Angehörigen als Versager zu gelten. Die Leitlinie rät, klarzumachen, dass du dieses Vorurteil nicht teilst. Sie rät auch, ihn zu unterstützen, seine Therapietermine regelmäßig wahrzunehmen.
Die Behandlung machen Ärzte und psychologische Psychotherapeuten. Eine Vertrauensperson, etwa du, kann laut Leitlinie zum Gespräch über die Behandlung mitkommen, wenn er das möchte. Hilfreich ist, die Fragen vorher aufzuschreiben.
Für den Termin kann dein Partner Attacken kurz festhalten. Ohne Deutung, nur, was er selbst weiß:
- Datum und Uhrzeit
- Situation davor, soweit er sie erzählt
- Dauer in Minuten
- Körperbeschwerden, die er nennt
- Was danach war
Wie das Tagebuch für den Arzttermin aussieht, steht im Beitrag Panikattacken-Tagebuch für die Ärztin oder den Arzt.
Darfst du seine Einträge sehen?
Ob du etwas sehen darfst, entscheidet dein Partner. Fragen ist erlaubt, Nachsehen ohne seine Zustimmung nicht. Wenn er es möchte, geht es über Familie & Freunde in Sam.
Er lädt dich per Link oder Code ein und wählt, welche Bereiche du siehst. Sein Panik-Tagebuch gilt in Sam als sensibel und ist nie vorausgewählt: Er muss es eigens für dich einschalten. Grunddaten wie Alter und Größe sind bei jeder Freigabe dabei. Du siehst alles nur lesend, als Stand, den seine App regelmäßig aktualisiert, nicht live. Meldungen zu seinen Einträgen bekommst du nicht. Jeder von euch kann die Freigabe jederzeit beenden. Du brauchst selbst Sam. Den Arztbericht teilt er auf diesem Weg nicht.
Familie & Freunde ist kein Notfallkanal. In der Attacke schaust du nicht in die App, sondern bist bei ihm, und bei Brustschmerz rufst du die 112. Wie das Teilen in Apple Health im Vergleich läuft, steht im Beitrag Apple-Health-Daten mit Partner oder Familie teilen. Mehr zu den Funktionen findest du unter Familie & Freunde in Sam.
Wer hilft dir, wenn es dir selbst zu viel wird?
Eine Angststörung belastet auch Partner und Familie. Die Leitlinie schreibt, dass auch Angehörige betroffen sein können und dann eine Selbsthilfegruppe für Angehörige sinnvoll sein kann.
- Die Deutsche Angst-Hilfe hat eine Seite für Angehörige mit Webinaren und Informationen. Dort steht, dass sie oft Unsicherheit, Überforderung oder Schuld spüren. Telefon für allgemeine Auskünfte, kein Krisentelefon: 089 - 21 52 97 72.
- Über NAKOS findest du Selbsthilfegruppen und Kontaktstellen, auch für Angehörige. Telefon 030 / 31 01 89 60, die Adressen lassen sich nach Thema und Ort suchen.
- Die TelefonSeelsorge erreichst du kostenlos und rund um die Uhr unter 116 123, 0800 1110111 oder 0800 1110222. Telefon, Mail und Chat sind anonym.
Denkt dein Partner daran, sich das Leben zu nehmen, nimm das ernst. Laut Leitlinie ist bei Suizidgedanken eine Überweisung ins Krankenhaus angezeigt. Wartet damit nicht auf den nächsten regulären Termin. Bei akuter Gefahr lässt du ihn nicht allein und rufst die 112 oder ihr sucht eine Klinik auf. Die TelefonSeelsorge unter 116 123 ist auch für dich da.
Mehr aus Sicht der Familie findest du auf der Seite Sam für Angehörige bei Panikstörung und unter Sam für Familie.
Panikattacken für Arzttermin und Partner festhalten
Dein Partner hat einen klaren Verlauf für den Termin, statt aus dem Gedächtnis zu erzählen. Im Programm für Panikstörung bekommt er ein eigenes Tagebuch mit Arztbericht und monatlichem Fragebogen, nachdem er bestätigt hat, dass seine Ärztin oder sein Arzt die Panikstörung festgestellt hat.
- Statt Notizen-App oder Erinnerung: Datum, Uhrzeit, Stärke der Angst von 0 bis 10, Beschwerden und Situation stehen im Eintrag.
- Statt Zettel, den nur er sieht: Über Familie & Freunde gibt er dir einzelne Bereiche frei, nur lesend und jederzeit widerrufbar.
- Statt Screenshots für den Termin: Schlaf und Ruhepuls aus Apple Health liegen in derselben App, wenige Taps vom Eintrag entfernt.
Den Arztbericht als PDF für den Zeitraum, den er wählt, nimmt er selbst mit. Sam dokumentiert nur, schickt dir keine Meldungen zu seinen Einträgen und ist kein Notfallkanal.
Sam kostenlos ausprobierenSam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.
- Panikattacken-Tagebuch: Was du für den Arzt festhältst
- Leben mit Panikstörung: Trigger und Alltagsstrategien
- Apple Health Daten mit Partner oder Familie teilen
- Partner hat Migräne: Was du in der Attacke tun kannst
- Chronisch krank: Wann du es Partner und Freunden sagst
- Psychotherapieplatz bei Panikstörung: Schritte und Wartezeit
- Apple Watch Herzfrequenz hoch in Ruhe: Meldung verstehen
Quellen
Stand: Oktober 2026
- AWMF: Patientenleitlinie Behandlung von Angststörungen (S3-Leitlinie Angststörungen, Patientenversion, Stand 20.06.2022)
- MSD Manual Ausgabe für Patienten: Panikattacken und Panikstörungen (Stand: Januar 2026)
- gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit: Herzinfarkt (Stand 28.08.2020)
- Deutsche Angst-Hilfe e.V.: Für Angehörige und Kontakt
- NAKOS: Selbsthilfegruppen finden und gründen und Adress-Datenbanksuche
- TelefonSeelsorge Deutschland: telefonseelsorge.de
- Landeshauptstadt Dresden: Suizidprävention
Mehr zu Panikstörung
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Panikattacke?+
Laut MSD Manual erreichen die Beschwerden in der Regel innerhalb von 10 Minuten ihren Höhepunkt und klingen innerhalb von Minuten ab. Nimm die 10 Minuten nicht als Maßstab, ob es Panik ist: Bei Schmerzen in der Brust gilt immer die 112.
Was sage ich meinem Partner bei Panikattacken nicht?+
Sätze wie "Reiß dich zusammen" oder "Stell dich nicht so an". Die Patientenleitlinie rät Angehörigen, solche Ratschläge zu vermeiden und mit Verständnis zu begegnen.
Soll ich meinem Partner Situationen abnehmen, die ihm Angst machen?+
Auf Dauer hilft das laut Leitlinie nicht, du streichst die Hilfe aber auch nicht von heute auf morgen. Die Leitlinie rät, mit der Therapeutin oder dem Therapeuten an einem Strang zu ziehen und typisches Vermeidungsverhalten nicht zu unterstützen. Wie weit ein Schritt gehen soll, klären dein Partner und seine Behandelnden.
Panik oder Herzinfarkt: Woran sehe ich den Unterschied?+
Das kannst du von außen nicht beurteilen, und dein Partner sollte es nicht allein beurteilen. Bei Schmerzen in der Brust gilt laut gesund.bund.de immer die 112, nicht der ärztliche Bereitschaftsdienst. Auch bei Atemnot, Bewusstlosigkeit oder Beschwerden, die neu oder anders sind als sonst, rufst du die 112.
Soll mein Partner zum Arzt oder zur Therapie?+
Ja. Die Leitlinie nennt Befragung, körperliche Untersuchung, Labor und EKG, um körperliche Ursachen auszuschließen; die Behandlung übernehmen Ärzte und psychologische Psychotherapeuten. Du kannst anbieten, ihn zu begleiten.
Wo finde ich Hilfe als Angehöriger?+
Die Deutsche Angst-Hilfe hat Angebote für Angehörige, Telefon für allgemeine Auskünfte 089 - 21 52 97 72 (kein Krisentelefon). Über NAKOS findest du Selbsthilfegruppen, Telefon 030 / 31 01 89 60. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos unter 116 123 erreichbar.
Kann ich die Einträge meines Partners in Sam sehen?+
Nur wenn er sie für dich freigibt. Du siehst sie dann nur lesend und ohne Meldungen zu seinen Einträgen, und er kann die Freigabe jederzeit beenden. Sein Panik-Tagebuch muss er dafür eigens auswählen, und du brauchst selbst Sam.