7 Min. LesezeitSanoLabs Editorial

Verbeamtung mit Bluthochdruck oder Asthma: Amtsarzt

Wie der Amtsarzt bei Bluthochdruck oder Asthma die Verbeamtung prüft: der Prognosemaßstab des Bundesverwaltungsgerichts und dein Verlaufsblatt.

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Du sollst verbeamtet werden und hast Bluthochdruck oder Asthma. Ob das zum Problem wird, hängt nicht an der Erkrankung allein, sondern an einer Prognose zu deinem Verlauf. Diesen Verlauf hältst du auf Papier fest oder im Blutdrucktagebuch oder Asthma-Tagebuch von Sam, die dir den Zeitraum als Arztbericht-PDF zusammenfassen. Das ist allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Dieser Text ist allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Beamtenrecht unterscheidet sich zwischen Bund und Ländern, auch beim Gesundheitsfragebogen. Für deinen Fall sind Personalrat, Gewerkschaft oder Berufsverband und eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Verwaltungsrecht die richtigen Ansprechpersonen.

Welche Krankheiten verhindern die Verbeamtung wirklich?

Eine Erkrankung allein verhindert die Verbeamtung nicht. Das Gesetz verlangt Eignung, Befähigung und fachliche Leistung (Paragraf 9 BeamtStG). Dazu zählt auch deine gesundheitliche Eignung.

Das Bundesverwaltungsgericht hat dafür 2013 einen Maßstab gesetzt. Du bist gesundheitlich nicht geeignet, wenn tatsächliche Anhaltspunkte die Annahme rechtfertigen, dass vor der gesetzlichen Altersgrenze mit überwiegender Wahrscheinlichkeit Dienstunfähigkeit eintritt. Das gilt auch, wenn du zu einer Risikogruppe gehörst oder eine chronische Erkrankung hast. Entscheidend ist die zu erwartende vorzeitige Pensionierung, nicht die Diagnose.

Früher wurde strenger geprüft, mit Typisierungen und statistischen Wahrscheinlichkeiten. Das Gericht hat den Maßstab zugunsten der Bewerber abgesenkt. Für Heuschnupfen gilt im Prinzip derselbe Maßstab. Auch dort zählt der Einzelfall.

Was prüft der Amtsarzt, und wer entscheidet am Ende?

Der Arzt ist Sachverständiger. Entscheiden muss der Dienstherr. Er muss die Befunde und Schlussfolgerungen nachvollziehen und sich ein eigenes Urteil bilden.

Ein Gutachten braucht in der Regel eine fundierte Tatsachenbasis. Es stellt die Befunde dar, erläutert die Untersuchungsmethoden und legt Hypothesen offen. Außerdem wertet es verfügbares Wissen über den voraussichtlichen Verlauf chronischer Krankheiten aus und bezieht sie auf deinen Zustand.

Die körperlichen Anforderungen der Laufbahn bestimmt der Dienstherr. Maßgeblich ist, ob du für die Ämter der Laufbahn geeignet bist. Die Verwaltungsgerichte prüfen die gesundheitliche Eignung ohne Beurteilungsspielraum. Sie sind an die Wertungen des Dienstherrn nicht gebunden.

Was dein Land im Gesundheitsfragebogen fragt und wie die Untersuchung abläuft, regelt das Landesrecht. Die Fragen unterscheiden sich deshalb von Land zu Land.

Wie sieht die Prognose bei Bluthochdruck und Asthma aus?

Die Prognose betrifft dich, nicht deine Erkrankung im Durchschnitt. Der Arzt soll darlegen, was über den voraussichtlichen Verlauf bekannt ist, und das auf dich beziehen. Wie dein Verlauf aussieht, weiß vor allem deine behandelnde Ärztin oder dein behandelnder Arzt.

Bei Bluthochdruck bestimmt die Ärztin oder der Arzt, welche Werte und welchen Verlauf sie heranziehen. Eine feste Zahl, ab der die Eignung fehlt, ist nicht bekannt. Maßgeblich bleibt dein Verlauf.

Bei Asthma beschreibt die Nationale VersorgungsLeitlinie die Kontrolle in drei Stufen: gut kontrolliert, teilweise kontrolliert, unkontrolliert. Sie fragt nach den letzten vier Wochen:

  • Symptome tagsüber mehr als zweimal pro Woche
  • nächtliches Erwachen wegen Asthma
  • Bedarfsmedikation mehr als zweimal pro Woche
  • Einschränkung der Aktivität

Die Leitlinie nennt diese Kriterien für die Behandlung, nicht für Eignungsfragen. Sie zeigen aber, wie Ärzte einen Verlauf beschreiben. Was sie bedeuten, steht in Asthma nicht gut kontrolliert? Was das heißt.

Was gilt in der Probezeit und danach?

In der Probezeit gilt derselbe Maßstab. Am Ende entscheidet sich, ob du auf Lebenszeit übernommen wirst. Maßgeblich ist der Zeitpunkt, an dem die Probezeit abläuft. Die Eignung fehlt auch, wenn mit überwiegender Wahrscheinlichkeit über Jahre regelmäßig krankheitsbedingte Ausfälle zu erwarten sind. Dann wäre die Lebensdienstzeit erheblich kürzer (Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 30.10.2013).

Später im Dienst gilt eine andere Frage. Wer innerhalb von sechs Monaten mehr als drei Monate keinen Dienst getan hat, kann als dienstunfähig angesehen werden, wenn keine Aussicht besteht, dass die Dienstfähigkeit innerhalb der Landesfrist wieder voll hergestellt ist (Paragraf 26 Absatz 1 BeamtStG). Wer anderweitig verwendbar ist, wird nicht in den Ruhestand versetzt.

Bei Zweifeln an der Dienstunfähigkeit musst du als Bundesbeamtin oder Bundesbeamter einer ärztlichen Untersuchung nach Weisung der Behörde nachkommen (Paragraf 44 Absatz 6 BBG). Untersuchen darf nur ein Amtsarzt oder ein zugelassener Gutachter. Die Behörde erhält auf Anforderung nur die tragenden Gründe, in einem gesonderten versiegelten Umschlag (Paragraf 48 BBG). Das betrifft Verfahren zur Dienstunfähigkeit, nicht die Einstellungsuntersuchung.

Muss ich alle Fragen im Gesundheitsfragebogen beantworten?

Beantworte die Fragen vollständig und wahrheitsgemäß. Eine Ernennung ist mit Wirkung für die Vergangenheit zurückzunehmen, wenn sie durch Zwang, arglistige Täuschung oder Bestechung herbeigeführt wurde (Paragraf 12 Absatz 1 Nummer 1 BeamtStG). Eine Täuschung kann die Ernennung also rückwirkend beenden.

Nach dem Maßstab oben führt eine angegebene Erkrankung nicht von selbst zur Ablehnung. Entscheidend ist die Prognose. Wenn unklar ist, ob eine Frage deine Erkrankung betrifft, frag beim Amtsarzt oder in einer Rechtsberatung nach. Auch Personalrat, Gewerkschaft und Fachanwälte können dir bei Fragen zu deinem Land helfen.

Was ändert eine Schwerbehinderung oder Gleichstellung?

Bei schwerbehinderten Menschen wird nur das Mindestmaß an körperlicher Eignung verlangt. Als schwerbehindert gilt, wer einen Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 hat (Paragraf 2 Absatz 2 SGB IX). Gleichgestellt werden können Menschen mit einem GdB von 30 bis 49. Die Gleichstellung beantragst du bei der Bundesagentur für Arbeit, sie wirkt ab Eingang des Antrags.

Das Gericht nennt die Besserstellung für Schwerbehinderte und gegebenenfalls Gleichgestellte, nicht für Menschen mit niedrigerem GdB ohne Gleichstellung. Wie du Unterlagen für einen GdB-Antrag sammelst, steht in Asthma und Schwerbehinderung: GdB und Unterlagen. Ob ein Antrag für dich sinnvoll ist, klären ein Sozialverband oder eine Beratungsstelle.

Welchen Verlauf bringst du zum behandelnden Arzt mit?

Das Gericht erwartet vom Gutachten Befunde, Methoden und den voraussichtlichen Verlauf. Dafür braucht die Ärztin oder der Arzt deinen Verlauf vollständig. Das Verlaufsblatt unten ist eine redaktionelle Hilfe für dieses Gespräch. Es ist kein Formular einer Behörde und ersetzt keinen Befundbericht. Was gefragt wird, entscheidet der Gesundheitsfragebogen deines Landes.

  1. Seit wann ist die Erkrankung bekannt, und welche Facharztbefunde liegen vor (Datum und Art)?
  2. Welche Behandlung läuft aktuell wie verordnet (Name, seit wann)? Ändere nichts ohne deine Ärztin oder deinen Arzt.
  3. Wie war der Verlauf der letzten zwölf Monate? Bei Asthma die vier Kontrollkriterien der letzten vier Wochen, dazu die Zahl der Exazerbationen und Notfallbehandlungen. Bei Bluthochdruck die Tagebuchwerte der letzten Monate mit Datum und der zugehörigen Behandlung.
  4. An welchen Tagen warst du wegen dieser Erkrankung krank (Datum und Dauer)?
  5. Welche Befunde und welchen voraussichtlichen Verlauf kann deine Ärztin oder dein Arzt beschreiben?

Auf Papier geht das mit einem Blutdruckpass oder einer Tabelle. Was in einen Bericht für den Arzt gehört, steht in Was gehört in einen Bericht für den Arzt?. Beschwerden zwischen den Terminen hältst du im Symptomtagebuch in Sam fest.

In Sam läuft das als Programm, also als eigenes Tagebuch mit Arztbericht und monatlichem Fragebogen. Ein Programm in Sam ist kein Behandlungsprogramm und kein DMP: Es hält fest, was du dokumentierst. Für Asthma gibt es ein eigenes Programm für Asthma mit Tagebuch und Arztbericht.

Was kannst du tun, wenn die Verbeamtung abgelehnt wird?

Im Ablehnungsbescheid stehen Fristen und Rechtsmittel. Lass dir den Bescheid von deiner Gewerkschaft oder einer Fachanwältin oder einem Fachanwalt für Verwaltungsrecht erklären, bevor die Frist abläuft.

Der Rechtsweg zu den Verwaltungsgerichten steht offen. Sie prüfen die gesundheitliche Eignung selbst. Sie achten darauf, ob das Gutachten die Befunde und den voraussichtlichen Verlauf nachvollziehbar darlegt.

Deinen Verlauf in Sam festhalten und als Arztbericht mitnehmen

Du bringst zum Gespräch mit deinem behandelnden Arzt einen Verlauf mit, statt ihn aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren. Im Programm für Bluthochdruck führst du dazu ein Tagebuch mit Arztbericht.

  • Statt Zettel oder Notizen-App: Du trägst Blutdruckwerte mit Datum ein oder übernimmst sie aus Apple Health. Der Bericht zeigt dazu Schlaf und Ruhepuls aus Apple Health für den Zeitraum.
  • Statt Erinnerung an das letzte Jahr: Der Arztbericht fasst den Zeitraum als PDF zusammen, den du wählst, von einem Monat bis zum ganzen Verlauf.
  • Statt Screenshots aus Apple Health: Einträge und Gesundheitsdaten liegen an einem Ort.

Sam misst keinen Blutdruck, du trägst die Werte selbst ein. Der Bericht ist kein Gutachten und kein Nachweis für eine Behörde. Er hilft dir und deiner Ärztin oder deinem Arzt beim Gespräch.

Sam kostenlos ausprobieren

Sam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Gesetze, Fristen und Behördenpraxis ändern sich, und dein Fall kann anders liegen. Lass dich vor Anträgen, Fristen und Gesprächen mit Arbeitgeber, Kasse oder Behörde von einer Beratungsstelle oder einer Anwältin oder einem Anwalt beraten.

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Quellen

Stand: Oktober 2026

Häufige Fragen

Darf der Dienstherr mich wegen Bluthochdruck oder Asthma ablehnen?+

Nicht allein wegen der Erkrankung. Entscheidend ist, ob tatsächliche Anhaltspunkte erwarten lassen, dass du mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vor der gesetzlichen Altersgrenze dienstunfähig wirst. Das ist eine Prognose für deinen Einzelfall.

Entscheidet der Amtsarzt über meine Verbeamtung?+

Nein. Der Arzt ist Sachverständiger, die Entscheidung trifft der Dienstherr. Er muss die Befunde und Schlussfolgerungen nachvollziehen und sich ein eigenes Urteil bilden.

Kann ich gegen eine Ablehnung klagen?+

Der Rechtsweg zu den Verwaltungsgerichten steht offen. Die Gerichte prüfen die gesundheitliche Eignung ohne Beurteilungsspielraum des Dienstherrn. Fristen und Rechtsmittel stehen im Ablehnungsbescheid.

Muss ich im Gesundheitsfragebogen alles angeben?+

Beantworte die Fragen vollständig und wahrheitsgemäß. Eine Ernennung, die durch arglistige Täuschung zustande kam, ist rückwirkend zurückzunehmen. Bei Unklarheit frag beim Amtsarzt oder in einer Rechtsberatung nach.

Was gilt, wenn ich schwerbehindert bin?+

Bei Schwerbehinderten genügt nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts das Mindestmaß körperlicher Eignung. Das betrifft Menschen mit einem Grad der Behinderung ab 50 und gegebenenfalls auch Gleichgestellte.

Zählt die Probezeit schon als Test?+

Ja. Am Ende der Probezeit wird die gesundheitliche Eignung für die Lebenszeit geprüft. Regelmäßig zu erwartende lange Ausfälle können die Eignung ausschließen.

Was passiert, wenn ich später lange krank bin?+

Wer innerhalb von sechs Monaten mehr als drei Monate keinen Dienst getan hat und bei wem keine Aussicht auf volle Dienstfähigkeit in der Landesfrist besteht, kann als dienstunfähig gelten. Wer anderweitig verwendbar ist, wird nicht in den Ruhestand versetzt.