9 Min. LesezeitSanoLabs Editorial

Blutdruck in der Schwangerschaft zu Hause messen

Bluthochdruck, Kinderwunsch oder Schwangerschaft: was du vorab klärst, wie du zu Hause misst, was du notierst und was die Praxis entscheidet.

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Du hast Bluthochdruck und willst schwanger werden, oder du bist schon schwanger und dein Blutdruck ist erhöht? Dann hilft ein ruhiger Plan: früh mit der Praxis sprechen, richtig messen und aufschreiben, was dir auffällt. Das geht auf Papier oder im Blutdrucktagebuch von Sam. Dein Partner kann die Werte über Familie & Freunde mitlesen, wenn du es freigibst. Dieser Text zeigt, was du vor der Schwangerschaft klärst und wie du Werte und Beschwerden festhältst.

Bei Bluthochdruck in der Schwangerschaft empfiehlt die Leitlinie der gynäkologischen Fachgesellschaften das Messen zu Hause mit einem Oberarmgerät. Du sitzt vorher fünf Minuten ruhig, misst zweimal mit mindestens einer Minute Abstand und schreibst beide Werte auf. Wie oft du misst, legt deine Praxis fest.

Dieser Text ist allgemeine Information und ersetzt kein Gespräch mit deiner Frauenärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme. Ein Wert, den du zu Hause misst, stellt keine Diagnose. Was er für dich bedeutet und wie oft du misst, entscheidet deine Praxis.

Welche Formen von Bluthochdruck gibt es in der Schwangerschaft?

Drei Begriffe tauchen immer wieder auf. Chronischer Bluthochdruck besteht schon vor der Schwangerschaft. Eine Schwangerschaftshypertonie (Gestationshypertonie) beginnt ab etwa der 20. Woche und geht meist wenige Wochen nach der Geburt zurück. Bei einer Präeklampsie kommen nach der 20. Woche zum hohen Blutdruck weitere Befunde dazu, etwa deutlich mehr Eiweiß im Urin.

Hast du chronischen Bluthochdruck und entwickelst zusätzlich eine Präeklampsie, nennt die Deutsche Hochdruckliga das Pfropfpräeklampsie. Laut der Leitlinie der gynäkologischen Fachgesellschaften und der Hochdruckliga betrifft eine Präeklampsie etwa 2 bis 5 von 100 Schwangeren.

Hoher Blutdruck macht meist keine Beschwerden. Bei einer Präeklampsie können Kopfschmerzen und Schwellungen an Händen und Füßen dazukommen. Deshalb sind die regelmäßigen Kontrollen so wichtig. Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen zählen laut Mutterschafts-Richtlinie zu den Schwangerschaften mit besonderem Überwachungsbedarf.

Bluthochdruck und Kinderwunsch: was klärst du vor der Schwangerschaft?

Sprich schon bei Kinderwunsch mit deiner Praxis, nicht erst nach dem positiven Test. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie sagt klar: Die vereinbarte Medikation soll trotz Kinderwunsch nicht ohne ärztliche Absprache abgesetzt oder herunterdosiert werden. Sie sieht es als Versorgungsproblem, wenn Frauen ihre Tabletten bei Kinderwunsch von sich aus weglassen. Die Hochdruckliga schreibt dasselbe: Medikamente niemals eigenständig absetzen.

Das Patientenblatt der Leitlinie ergänzt zwei Dinge. Bei einigen Medikamenten ist besondere Vorsicht nötig, zum Beispiel können ACE-Hemmer und Sartane das ungeborene Kind schädigen. Laut Leitlinie sollen diese Mittel nach ärztlicher Rücksprache spätestens dann umgestellt werden, wenn die Schwangerschaft feststeht. Nimmst du eines davon, sprich vor der Schwangerschaft mit deiner Praxis, und wirst du schwanger, sag es ihr sofort. Es gibt aber Wirkstoffe, die in der Schwangerschaft geeignet sind. Welcher für dich passt, besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Bis dahin nimmst du die Medikamente wie verordnet und änderst die Dosis nicht ohne Rücksprache.

Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit allein sind laut Leitlinie kein Grund, von den vereinbarten Therapiezielen abzuweichen. Welches Ziel für dich gilt, legt deine Praxis fest.

Diese Fragen kannst du zum Gespräch mitnehmen:

  • Passt meine jetzige Therapie, wenn ich schwanger werde? Was ändert sich vorher?
  • Wurde eine mögliche Ursache meines Bluthochdrucks geklärt, etwa hormonell, an der Schilddrüse oder an der Niere?
  • Welcher Blutdruckzielwert gilt für mich?
  • Welches Messgerät ist für mich geeignet, und wie ist es validiert?
  • Wie oft soll ich zu Hause messen, wie lange, und was dokumentiere ich?
  • Soll ich vor oder nach der Tabletteneinnahme messen?
  • Welche Beschwerden gehören sofort zu euch oder in die Klinik?
  • Wen rufe ich außerhalb der Sprechzeiten an?

Für Fragen zu Medikamenten in der Schwangerschaft gibt es Embryotox, das Beratungszentrum der Charité für Embryonaltoxikologie. Die Beratung ist für dich kostenlos. Die Seite betont selbst, ihre Informationen seien keine Grundlage für eigenmächtige Therapieänderungen.

Wie oft wird dein Blutdruck in der Schwangerschaft ohnehin gemessen?

Bei jeder Vorsorge. Die Untersuchungen finden laut Mutterschafts-Richtlinie in der Regel alle vier Wochen statt, in den letzten zwei Monaten meist zweimal pro Monat. Zu jeder gehören Blutdruckmessung, Gewichtskontrolle und ein Urintest auf Eiweiß und Zucker. Auch bei der ersten Untersuchung nach festgestellter Schwangerschaft wird der Blutdruck gemessen.

Laut Nationaler VersorgungsLeitlinie kann in der Schwangerschaft auch eine häufigere Überprüfung sinnvoll sein. Wie oft das bei dir nötig ist, entscheidet deine Praxis.

Etwa sechs Wochen nach der Geburt, spätestens nach acht, gehört die Blutdruckmessung wieder zur Kontrolle. Wie du in den ersten Tagen zu Hause misst, steht im Beitrag Blutdruck nach der Geburt: zu Hause messen und dokumentieren.

Sollst du in der Schwangerschaft zu Hause messen, und mit welchem Gerät?

Bei Bluthochdruck in der Schwangerschaft empfiehlt die Leitlinie der gynäkologischen Fachgesellschaften für die Betreuung außerhalb der Klinik das Messen zu Hause mit einem Oberarmgerät. Wie oft, legen deine Frauenärztin, dein Arzt oder deine Hebamme mit dir fest. Einen Messplan für alle Schwangeren gibt die Leitlinie nicht vor. Das American College of Obstetricians and Gynecologists schreibt, dass bei einer Schwangerschaftshypertonie oder einer Präeklampsie ohne schwere Merkmale auch das Messen zu Hause nötig sein kann, bei enger Kontrolle.

Zum Gerät nennt die Hochdruckliga allgemein ein Oberarmgerät und führt eine Liste geprüfter Geräte. Zur Schwangerschaft sagt diese Liste nichts. Die Nationale VersorgungsLeitlinie weist darauf hin, dass nur wenige Geräte eine Validierung für die Schwangerschaft haben. Eine Liste solcher Geräte nennt die Leitlinie der gynäkologischen Fachgesellschaften unter stridebp.org. Frag deine Praxis, welches Gerät sie für dich passend hält. Wie die Werte einer Manschette in Apple Health landen, erklärt der Beitrag Blutdruckmessgerät mit Apple Health verbinden.

Wie misst du richtig und was schreibst du auf?

Die Hochdruckliga beschreibt die Technik für die Heimmessung allgemein so:

  • Sitz vorher etwa fünf Minuten ruhig, ohne Telefon und Fernseher.
  • Vermeide in den 30 Minuten davor körperliche und seelische Anstrengung.
  • Setz dich mit beiden Füßen auf dem Boden hin, die Manschette liegt in Herzhöhe.
  • Miss immer zweimal, mindestens eine Minute auseinander, und schreib beide Werte auf.

Wie oft und wie lange du in der Schwangerschaft misst, sagt dir deine Praxis oder Hebamme. Für das Aufschreiben reicht eine Zeile pro Messung:

Datum, Uhrzeit5 Minuten gesessenMessung 1 und 2Beschwerden heuteMedikament wie verordnetNotiz
Montag, 7:30ja oder neinbeide WerteKopfschmerz, Flimmern, Oberbauchschmerz, Schwellung, Übelkeitja oder nein, ohne DosisSchlaf, Stress, Besonderes

Die Spalte Beschwerden brauchst du vor allem für das Gespräch. Das Medikament trägst du nur mit ja oder nein ein. Notiere zusätzlich das Datum der nächsten Vorsorge und ihre Standardchecks: Blutdruck, Gewicht, Urin. So liegt alles beisammen, wenn deine Hebamme fragt. Frauenärzte im Netz schreibt, dass du selbst gemessene Werte als Blutdruck-Tagebuch zur Vorsorge mitbringen kannst. Mehr zum Aufschreiben von Messreihen steht im Beitrag Messwoche oder 24-Stunden-Messung: was notieren?.

Bei welchen Beschwerden rufst du sofort an?

Die Leitlinie der gynäkologischen Fachgesellschaften, Frauenärzte im Netz und das American College of Obstetricians and Gynecologists nennen unter anderem diese Beschwerden:

  • Kopfschmerzen, die nicht weggehen
  • Flimmern oder Flecken vor den Augen, veränderte Sicht
  • starke Schmerzen im Oberbauch
  • neue oder starke Schwellungen an Gesicht, Händen oder Füßen
  • Übelkeit und Erbrechen in der zweiten Schwangerschaftshälfte
  • Atemnot
  • Schmerzen in der Brust

Sag deiner Praxis oder Hebamme sofort Bescheid, wenn du so etwas bemerkst. Das American College rät dazu ausdrücklich, besonders in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft. Eine Präeklampsie kann sich auch leise entwickeln. Darum zählen die Vorsorgetermine auch ohne Beschwerden. Umgekehrt zählen Beschwerden auch dann, wenn dein gemessener Blutdruck unauffällig ist.

Welche Werte für dich ein Grund sind, sofort anzurufen, legt deine Praxis oder Hebamme mit dir fest. Frag danach beim nächsten Termin und schreib die Antwort oben auf dein Protokoll. Hast du noch keine Absprache und beunruhigt dich ein Wert, ruf deine Praxis an und warte nicht bis zum nächsten Termin. Die Grenzwerte der Leitlinie der gynäkologischen Fachgesellschaften gelten für die standardisierte Messung in der Praxis. Für Werte von zu Hause hält sie die Datenlage in der Schwangerschaft für unzureichend. Darum steht hier keine Zahl.

Bei einem Krampfanfall, starker Atemnot, Verwirrtheit oder plötzlich sehr starken Beschwerden wähle die 112, ebenso im Zweifel. Für solche Fälle sieht die Leitlinie der gynäkologischen Fachgesellschaften den Rettungsdienst vor. Bei Verdacht auf eine schwere Verlaufsform nennen Hochdruckliga und Frauenärzte im Netz die Klinik als Anlaufstelle. Frag deine Praxis vorher, welche Klinik das für dich ist. Sam trifft diese Entscheidung nicht.

Wie teilst du die Werte mit Partner und Hebamme?

Dein Partner kann deine Blutdruckwerte in Sam mitlesen, über den Bereich Familie & Freunde. Du wählst die Person und gibst den Bereich frei. Er sieht ihn nur lesend, pro Person und bis du die Freigabe beendest. Er braucht dafür selbst Sam, sieht einen Stand, den deine App regelmäßig aktualisiert, und bekommt keine Meldungen über deine Werte. Die Einstufungen, die er dort sieht, sind keine Grenzwerte für die Schwangerschaft. Der Arztbericht als PDF gehört nicht zur Freigabe.

Für deine Praxis oder Hebamme bringst du das Protokoll auf Papier oder den Arztbericht als PDF mit. Wie du Apple-Health-Daten mit der Familie teilst und was Familie & Freunde anders macht, erklärt der Beitrag Apple Health Daten mit Partner oder Familie teilen.

Blutdruckwerte für Vorsorge und Partner festhalten

Du bringst zur Vorsorge eine lesbare Messreihe mit, die dein Partner mitlesen kann. Das Programm für Bluthochdruck ist ein eigenes Tagebuch mit Arztbericht und monatlichem Fragebogen.

  • Statt eines Zettels, der gerade nicht greifbar ist: Du trägst Werte, Puls und eine kurze Notiz mit Datum und Uhrzeit ein, oder Sam übernimmt Messungen aus Apple Health.
  • Statt Fotos vom Display: Der Arztbericht als PDF fasst den Zeitraum zusammen, den du wählst.
  • Statt Apple Health allein: Der Arztbericht zeigt Schlaf und Ruhepuls aus Apple Health für denselben Zeitraum.
  • Statt Nachfragen am Abend: Über Familie & Freunde liest dein Partner mit, nur lesend und jederzeit widerrufbar.

Sam misst keinen Blutdruck und ersetzt keine Vorsorge. Die Einstufungen, die Sam zu Durchschnittswerten zeigt, folgen allgemeinen Bereichen für Erwachsene und sind keine Grenzwerte für die Schwangerschaft.

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Sam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.

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Quellen

Stand: Oktober 2026

Häufige Fragen

Darf ich meine Blutdrucktabletten absetzen, wenn ich schwanger werden will?+

Nein, nicht auf eigene Faust. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie sagt, die vereinbarte Medikation soll auch bei Kinderwunsch nicht ohne ärztliche Absprache abgesetzt oder herunterdosiert werden. Sprich früh mit deiner Praxis, am besten schon vor der Schwangerschaft.

Ändert sich mein Blutdruckziel, wenn ich schwanger werden will?+

Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit allein sind laut Leitlinie kein Grund, von den vereinbarten Therapiezielen abzuweichen. Welches Ziel für dich gilt, legt deine Ärztin oder dein Arzt fest.

Wie oft wird der Blutdruck in der Schwangerschaft kontrolliert?+

Bei den Vorsorgeuntersuchungen, laut Mutterschafts-Richtlinie in der Regel alle vier Wochen, in den letzten zwei Monaten meist zweimal pro Monat. Zu jeder Untersuchung gehören Blutdruck, Gewichtskontrolle und ein Urintest auf Eiweiß und Zucker.

Soll ich in der Schwangerschaft zu Hause messen?+

Bei Bluthochdruck in der Schwangerschaft empfehlen die Leitlinie der gynäkologischen Fachgesellschaften und die Hochdruckliga das Messen zu Hause. Wie oft und wie lange, legen deine Frauenärztin, dein Arzt oder deine Hebamme mit dir fest. Die Hochdruckliga beschreibt die Technik: ruhig sitzen, zwei Messungen mit mindestens einer Minute Abstand, beide Werte aufschreiben.

Welches Messgerät eignet sich in der Schwangerschaft?+

Die Nationale VersorgungsLeitlinie weist darauf hin, dass nur wenige Geräte eine Validierung für die Schwangerschaft haben. Die Hochdruckliga führt eine Liste geprüfter Geräte und rät allgemein zu einem Oberarmgerät, sagt dort aber nichts zur Schwangerschaft. Frag deine Praxis, welches Gerät sie für dich passend hält.

Welche Beschwerden sage ich sofort meiner Praxis?+

Die Leitlinie der gynäkologischen Fachgesellschaften, Frauenärzte im Netz und das American College of Obstetricians and Gynecologists nennen unter anderem Kopfschmerzen, die nicht weggehen, Flimmern oder Flecken vor den Augen, Schmerzen im Oberbauch, Atemnot und neue Schwellungen an Gesicht oder Händen. Nenne sie sofort deiner Praxis oder Hebamme, auch wenn dein gemessener Blutdruck unauffällig ist. Bei einem Krampfanfall, starker Atemnot, Verwirrtheit oder plötzlich sehr starken Beschwerden wähle die 112, ebenso im Zweifel.

Wer berät zu Medikamenten in der Schwangerschaft?+

Das Beratungszentrum Embryotox der Charité bietet eine kostenlose Beratung an. Es betont selbst, dass seine Informationen keine Grundlage für eigenmächtige Änderungen der Therapie sind. Die Entscheidung triffst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.