Hormonelle Migräne: Frauen, Männer und der Zyklus
Hormonelle Migräne: wie oft Migräne vor der Periode auftritt, warum Frauen häufiger betroffen sind als Männer und wie du Zyklus und Attacken festhältst.
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Hormonelle Migräne nennen viele das Muster, wenn die Migräne kurz vor der Periode oder während der Blutung kommt. Das ist häufig - Migräne trifft Frauen deutlich häufiger als Männer, und bei vielen hängen Anfälle mit dem Zyklus zusammen. Ob deine Kopfschmerzen zyklusbedingt sind oder deine Migräne zyklusabhängig ist, kannst du festhalten: im Kopfschmerzkalender oder in Sam, wo Zyklus und Attacken als zwei getrennte Aufzeichnungen laufen.
Dieser Text ordnet ein, was Studien zeigen, und erklärt, was du für dein Behandlungsteam festhalten kannst. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose. Ob deine Migräne mit dem Zyklus zusammenhängt, stellt deine Ärztin oder dein Arzt fest, deine Aufzeichnungen helfen dabei.
Haben Frauen häufiger Migräne als Männer?
Ja, etwa doppelt so oft. Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzformen und betrifft Frauen viel häufiger als Männer. Rund 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern haben wiederkehrende Migräneanfälle - Frauen also etwa doppelt so oft. Im Kindesalter sind Mädchen und Jungen noch gleich häufig betroffen, mit etwa 4 bis 5 von 100.
Der Unterschied zwischen den Geschlechtern zeigt sich also erst nach der Kindheit. Laut IQWiG haben junge Frauen oft zum ersten Mal Migräne, wenn ihre Monatsblutung einsetzt.
Wie viele Frauen haben zyklusbedingte Migräne?
Dass Migräne mit dem Zyklus zusammenhängt, berichten viele Frauen - über das genaue Ausmaß gehen die Zahlen auseinander. In einer US-Studie berichteten knapp sechs von zehn Frauen mit Migräne einen Zusammenhang mit der Regel. Nach den fachlichen Kriterien (ICHD-3) erfüllten in einer großen dänischen Bevölkerungsstudie rund 16 von 100 Frauen mit Migräne die Definition einer Menstruationsmigräne. Der Unterschied liegt darin, wie eng man Menstruationsmigräne fasst.
Die internationale Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3) beschreibt in ihrem Anhang zwei Formen der Migräne ohne Aura. Bei der rein menstruellen Migräne kommen Attacken ausschließlich an den Tagen -2 bis +3 rund um den ersten Blutungstag, in mindestens zwei von drei Zyklen. Bei der menstruationsassoziierten Migräne kommen sie dort und zusätzlich zu anderen Zeiten. Ein Kalender über mindestens drei Zyklen macht das Muster für deine Ärztin oder deinen Arzt sichtbar.
Warum kommt Migräne gerade vor der Periode?
Die häufig genannte Erklärung ist der Abfall des Östrogenspiegels in den Tagen vor der Blutung. Eine Übersichtsarbeit von 2018 beschreibt, wie starke Hormonveränderungen Attacken beeinflussen können. Das ist eine gut begründete Hypothese, aber keine abschließend gesicherte Ursache. Auch das IQWiG weist darauf hin, dass die genauen Ursachen von Migräne insgesamt bis heute nicht vollständig geklärt sind. Es ist also ehrlich zu sagen: Die Hormone spielen wahrscheinlich eine Rolle, aber sie sind nicht die einzige und nicht in jedem Fall die entscheidende Größe.
Du musst die Fachdebatte nicht führen, um von einem Tagebuch zu profitieren. Entscheidend für dich ist die einfache Frage, ob Anfälle bei dir um die Blutung herum häufiger werden. Das zeigt dein Verlauf.
Wie finde ich heraus, ob meine Migräne zyklusbedingt ist?
Du hältst Migräneanfälle und Periodentage gemeinsam fest, am besten über mindestens drei Zyklen; ob ein Zusammenhang besteht, beurteilt deine Ärztin oder dein Arzt. Auch die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt einen Kopfschmerzkalender und bietet einen elektronischen an. Für die ärztliche Diagnose ist ein Tagebuch nicht vorgeschrieben, aber es zeigt deiner Ärztin oder deinem Arzt, wann die Attacken im Zyklus liegen.
Wichtig ist die ehrliche Erwartung: Tagebuchführung ist fachlicher Standard und hilft, Muster zu erkennen und den Arztbesuch vorzubereiten. Es gibt aber keinen belastbaren Beleg, dass das Führen eines Tagebuchs die Attacken allein reduziert. Ein Kopfschmerzkalender ersetzt keine Behandlung.
Was ein Kopfschmerztagebuch enthält und wie du es führst, erklärt der Beitrag Kopfschmerzkalender: was gehört rein.
Den Verlauf zum Termin mitbringen
Zum Gespräch bringst du am besten einen Verlauf über mehrere Monate mit: wann die Attacken kamen, wie stark, und wo im Zyklus. So sieht dein Behandlungsteam, ob Zyklus und Migräne bei dir zusammenfallen, statt deiner Erinnerung zu folgen.
In Sam gibt es dafür das Programm für Migräne, also ein eigenes Tagebuch mit Arztbericht und monatlichem Fragebogen. Du startest es, wenn deine Ärztin oder dein Arzt die Migräne festgestellt hat und du die Diagnose in der App bestätigst. Ein Programm in Sam ist kein Behandlungsprogramm und kein DMP.
Was Fragebögen wie der MIDAS-Score und der Kopfschmerzkalender dabei leisten, ordnet der Ratgeber Migräne: die Diagnose und was danach kommt ein. Eine ärztliche Einschätzung ersetzen sie nicht.
Was sich in den Wechseljahren ändern kann
Für viele Frauen bessert sich die Migräne nach den Wechseljahren oder verschwindet ganz - so beschreibt es das IQWiG. Die Übergangszeit selbst, die Perimenopause, verläuft dagegen individuell und ist für Migräne schwer vorhersehbar. Wenn du diese Phase durchläufst, hilft der Beitrag Migräne in den Wechseljahren: die Veränderung festhalten.
Wann sofort ärztliche Hilfe nötig ist
Plötzliche Sprachstörungen, Schwäche oder Taubheit einer Körperseite, ein plötzlicher Gesichtsfeldausfall oder ein schlagartig einsetzender, extrem starker Kopfschmerz: Ruf sofort die 112, auch wenn du deine Migräne kennst. Eine erstmals auftretende Aura oder eine Aura, die länger als eine Stunde dauert, lass sofort ärztlich abklären; im Zweifel ruf die 112.
Hast du Migräne mit Aura und nimmst eine östrogenhaltige Pille oder planst das, sprich es bei deiner Ärztin oder deinem Arzt an.
Migräne und Zyklus in Sam getrennt festhalten und als Bericht mitnehmen
Du gehst mit zwei Aufzeichnungen in den Termin und legst sie selbst nebeneinander: deine Attacken und deine Periodentage.
- Statt Kopfschmerzkalender auf Papier: Hat deine Ärztin oder dein Arzt die Migräne festgestellt, hältst du jede Attacke im Programm für Migräne fest, also einem eigenen Tagebuch mit Arztbericht und monatlichem Fragebogen: Beginn, Stärke, Dauer und Aura. Ohne Diagnose nutzt du das Symptomtagebuch.
- Statt Regeltagen im Kopf: Im Zyklus-Tracking trägst du Periodentage und Blutungsstärke ein, als eigene Aufzeichnung neben dem Migräne-Tagebuch.
- Statt Attacken nachzuzählen: Der Arztbericht als PDF fasst deinen Migräneverlauf für 1, 3, 6 oder 12 Monate oder den ganzen Verlauf zusammen. Den Zyklus bekommst du als eigenen Zyklusbericht.
Sam stellt keinen Zusammenhang zwischen Zyklus und Migräne her; ob deine Migräne menstruationsbedingt ist, klärt deine Ärztin oder dein Arzt.
Sam kostenlos ausprobierenSam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.
- Migräne in den Wechseljahren: die Veränderung festhalten
- Kopfschmerzkalender: was gehört rein
- Migräne: die Diagnose und was danach kommt
- Zyklustagebuch: was gehört rein
Quellen
Stand: Oktober 2026
- IQWiG (gesundheitsinformation.de): Migräne (aktualisiert 13. Juli 2022)
- International Headache Society: ICHD-3, menstrually-related migraine (Anhang A1.1.2) (2018, englisch)
- Pavlović JM: Burden of migraine related to menses: results from the AMPP study, The Journal of Headache and Pain 2015 (englisch, Zusammenfassung)
- Chalmer MA u. a.: Population-Based Characterization of Menstrual Migraine, JAMA Network Open 2023 (englisch, Zusammenfassung)
- MacGregor EA: Migraine, menopause and hormone replacement therapy, Post Reproductive Health 2018 (englisch, Zusammenfassung)
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Elektronischer Kopfschmerzkalender
Mehr zu Migräne
- Das Programm für Migräne ansehen
- Für Angehörige: Migräne
- Mit einer zweiten Erkrankung: Migräne und Epilepsie
- Mit einer zweiten Erkrankung: Migräne und Panikstörung
- Den Arztbericht ansehen
- Medikamente und Erinnerungen in einer Liste festhalten
- Symptome und Beschwerden im Tagebuch festhalten
- Mit Angehörigen teilen, was du festhältst
- MIDAS-Migräne-Score berechnen (kostenloses Tool)
Häufige Fragen
Migräne bei Frauen und Männern: Wer ist häufiger betroffen?+
Ja. Rund 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern haben wiederkehrende Migräneanfälle - Frauen also etwa doppelt so oft. Im Kindesalter sind Mädchen und Jungen noch gleich häufig betroffen (etwa 4 bis 5 von 100).
Wie viele Frauen haben Migräne rund um die Periode?+
Das hängt von der Definition ab. In einer US-Studie berichteten knapp sechs von zehn Frauen mit Migräne einen Zusammenhang mit der Regel. Nach den fachlichen Kriterien (ICHD-3) erfüllten in einer großen dänischen Bevölkerungsstudie rund 16 von 100 Frauen mit Migräne die Definition einer Menstruationsmigräne.
Was ist der Unterschied zwischen Migräne und Menstruationsmigräne?+
Die Kopfschmerzklassifikation ICHD-3 beschreibt in ihrem Anhang zwei Formen der Migräne ohne Aura: Bei der rein menstruellen Migräne kommen Attacken ausschließlich an den Tagen -2 bis +3 rund um den ersten Blutungstag, in mindestens zwei von drei Zyklen. Bei der menstruationsassoziierten Migräne kommen sie dort und zusätzlich zu anderen Zeiten. Menstruationsmigräne ist also keine andere Erkrankung, sondern ein Zeitmuster.
Warum tritt Migräne vor der Periode auf? Sind die Kopfschmerzen hormonell bedingt?+
Die häufigste Erklärung ist der Abfall des Östrogenspiegels kurz vor der Blutung. Das ist eine gut begründete Hypothese, aber keine abschließend gesicherte Ursache: Auch das IQWiG betont, dass die genauen Migräne-Ursachen bis heute nicht vollständig geklärt sind.
Ist meine Migräne zyklusbedingt? Hilft es, Zyklus und Migräne zu dokumentieren?+
Ob deine Migräne zyklusbedingt ist, beurteilt deine Ärztin oder dein Arzt. Als Vorbereitung auf das Gespräch ja: Wenn du Attacken und Periodentage gemeinsam festhältst, kannst du dem Behandlungsteam zeigen, ob Zyklus und Migräne bei dir zeitlich zusammenfallen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft bietet dafür einen elektronischen Kopfschmerzkalender. Dokumentieren ersetzt aber keine Behandlung.
Zeigt mir Sam, ob meine Migräne mit dem Zyklus zusammenhängt?+
Nein. Sam hält beide Aufzeichnungen getrennt fest und stellt selbst keinen Zusammenhang her. Du legst deine Attacken und deine Periodentage selbst nebeneinander; was daraus folgt, bewertet deine Ärztin oder dein Arzt.
Was hilft bei hormoneller Migräne?+
Welche Behandlung zu dir passt, klärt deine Ärztin oder dein Arzt. Was du selbst beitragen kannst: Attacken und Periodentage über mindestens drei Zyklen festhalten, damit das Muster im Gespräch sichtbar wird. Ein Kopfschmerzkalender ersetzt keine Behandlung, und es gibt keinen belastbaren Beleg, dass das Tagebuch allein die Attacken reduziert.