Ramadan mit chronischer Erkrankung: Arzttermin vorbereiten
Ramadan und chronische Erkrankung: Welche Fragen du vorher mit Arztpraxis oder Apotheke klärst und was du in den Wochen davor und währenddessen festhältst.
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Du oder jemand in deiner Familie möchte im Ramadan fasten und nimmt regelmäßig Medikamente. Wie das zusammenpasst, klärst du vorher mit deiner Arztpraxis und deiner Apotheke. Beschwerden und Einnahme hältst du dafür auf Papier fest oder in Sam. Die Medikamentenliste dort enthält ein Einnahmeprotokoll und Erinnerungen für geplante tägliche Dosen. Dieser Text sagt dir, was du fragen kannst, was Studien zeigen und was du mitbringst.
Er ist allgemeine Information und keine ärztliche Beratung. Er sagt nicht, ob du fasten solltest, und er nennt keine Einnahmezeiten. Ob du fastest, entscheidest du. Was das für deine Erkrankung und deine Medikamente heißt, klärst du vorher mit Arzt oder Ärztin und Apotheke. Ramadan verschiebt sich jedes Jahr. Wann er beginnt, erfährst du in deiner Gemeinde oder in einem verlässlichen Kalender.
Mit wem sprichst du vor Ramadan über deine Medikamente?
Mit deiner Ärztin oder deinem Arzt und mit deiner Apotheke. Die ABDA schreibt in einer Pressemitteilung, die aponet.de im Februar 2026 wiedergibt: Viele Menschen mit einer Erkrankung möchten trotzdem teilnehmen. Dann lohne sich eine Beratung in der Apotheke. Apotheken seien eine wohnortnahe Anlaufstelle, um Therapien individuell anzupassen.
Die Vizepräsidentin der Bundesapothekerkammer bittet darin, eine Dauertherapie nicht ohne Rücksprache zu unterbrechen oder zu verändern.
Für drei Gruppen empfiehlt die ABDA zusätzlich die Arztpraxis: Menschen mit akuten Herz- oder Nierenerkrankungen, Diabetikerinnen und Diabetiker, die Insulin spritzen, und Menschen, die dauerhaft Antiepileptika einnehmen. Plane den Termin deshalb früh. Eine Liste mit Dingen, die du zu jedem Termin mitnimmst, findest du in der Checkliste für den Arzttermin.
Wer entscheidet, wann du deine Tabletten nimmst?
Du klärst das mit Arztpraxis und Apotheke, nicht allein. Die ABDA beschreibt, dass viele die Einnahme in die Nacht verlegen. Nicht jede Medikation lasse sich aber problemlos zeitlich anpassen, denn die Wirkung könne sich unvorhersehbar ändern. Besonders betroffen seien Mittel, die vor einer Mahlzeit eingenommen werden.
Die Apothekerkammer Niedersachsen schrieb 2024: Beim Fasten ändere sich der Stoffwechsel, und der Körper reagiere oft anders auf Arzneimittel. Über eine andere Dosierung solle der Hausarzt entscheiden. Einnahmezeiten dürften nur sorgfältig und sehr individuell verschoben werden. Auf keinen Fall solle man eigenmächtig auf Medikamente verzichten.
Auch ein Wechsel auf einen Wirkstoff mit längerem Abstand zwischen den Einnahmen gehört laut Kammer in die Absprache mit dem behandelnden Arzt.
Dieser Text nennt dir deshalb keine Zeiten. Welche deiner Medikamente feste Abstände haben oder vor dem Essen genommen werden, klärst du in der Praxis.
Wie ist das bei Inhalatoren und Asthma?
Die ABDA schreibt, dass Dosiersprays und Pulverinhalatoren gegen Asthma oder andere Lungenkrankheiten nicht gegen die Fastenregeln verstoßen. Manchmal könne man auf solche Arzneiformen ausweichen. Bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln sei dafür eine Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt nötig.
Ein Fachartikel von 2019 hält fest, dass die islamische Rechtsprechung uneins ist. Manche Gelehrte sehen Inhalatoren als Verstoß gegen das Fasten, andere nicht. Wie du das für dich einordnest, liegt bei dir und deiner Gemeinde.
Medizinisch betonen die Autorinnen und Autoren, dass Dauer-Inhalatoren bei Asthma weiter wie verordnet angewendet werden sollen, damit das Asthma unter Kontrolle bleibt. Was das für deine Inhalatoren heißt, sagt dir deine Praxis. Wie du Asthma sonst festhältst, steht im Beitrag zum Asthma-Tagebuch.
Was sagen Studien zu Epilepsie und Fasten?
Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Cureus (2025) wertet 12 Studien aus. Der Einfluss des Fastens auf die Anfallshäufigkeit ist demnach sehr individuell. Manche Patienten hatten weniger Anfälle, andere mehr.
Sie zitiert eine Fallserie aus Marokko mit 120 Teilnehmenden, einen Kongressbeitrag von 2023. Im Fragebogen gaben 51,7 Prozent an, dass sich ihre Epilepsie in Ramadan verschlechtert habe, vor allem durch Schlafmangel und unterbrochenen Schlaf. Wer sein Schema für Antiepileptika geändert hatte, berichtete häufiger eine Verschlechterung, nämlich 80 Prozent. Einen Wert für die übrigen nennt die Übersicht nicht, auch nicht, ob die Änderung ärztlich geplant war. Ursache und Wirkung lassen sich daraus nicht ablesen.
Als Einflüsse nennt sie geänderte Einnahmemuster, kürzeren oder unterbrochenen Schlaf, emotionalen Stress und Müdigkeit. Sie empfiehlt Ärztinnen und Ärzten, vor Ramadan über Anfallskontrolle, Einnahmetreue und Schlaf zu sprechen und individuelle Einnahmepläne zu erstellen.
Die Autoren selbst nennen Grenzen: kleine Stichproben, oft keine Kontrollgruppe, Angaben der Betroffenen selbst und kurze Nachbeobachtung. Ein Anfallsprotokoll, das du zum Gespräch mitbringst, zeigt der Praxis dein eigenes Bild. Wie das aussieht, steht in der Vorlage für den Anfallskalender.
Was sagen Studien zu Migräne und Fasten?
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft beschreibt in der Klassifikation ICHD-3 einen Kopfschmerz durch Fasten. Er ist meist leicht bis mittelstark und nicht pochend. Als Kriterium nennt die Klassifikation ein Fasten von mindestens 8 Stunden. Nach dem Essen wird er deutlich besser. Bei Menschen mit Kopfschmerzerkrankung tritt er deutlich häufiger auf, und die Wahrscheinlichkeit steigt mit der Dauer des Fastens. Eine durch Fasten ausgelöste Migräneattacke wird als Migräne eingeordnet.
In einer Studie mit 292 Menschen mit Migräne in Ägypten führten die Teilnehmenden ein Kopfschmerztagebuch vom Monat vor Ramadan bis zu seinem Ende. Die Attacken waren in Ramadan häufiger als im Vormonat (Median 4 gegenüber 3). In den zweiten und dritten zehn Tagen lagen sie deutlich niedriger als in den ersten zehn. Die Autoren schließen, dass man den Effekt mit Betroffenen besprechen sollte und dass er auf die ersten zehn Tage begrenzt scheine.
Eine Studie mit 101 Menschen in Algerien fand gegenüber dem Vormonat mehr Attacken, mehr Kopfschmerztage und mehr Tage mit Schmerzmitteleinnahme. Stärke und Dauer der Attacken änderten sich nicht deutlich.
Beide Studien sind klein, regional und beobachtend. Mehr dazu, wie du Auslöser im Alltag festhältst, steht im Beitrag zu Migräne-Triggern.
Bluthochdruck und Tabletten im Ramadan: Was zeigen Studien?
Eine Querschnittsstudie mit 1.118 Menschen mit Bluthochdruck, vor und nach Ramadan, kam zum Schluss: Das Fasten hatte in dieser Gruppe keinen Effekt auf Blutdruck, Schlafqualität und Müdigkeit. Ihre Zusammenfassung nennt beim oberen Blutdruckwert aber einen signifikanten Unterschied vor und nach Ramadan. Das Ergebnis ist also nicht eindeutig. Eine zweite Studie aus dem Libanon mit 58 Menschen, deren Bluthochdruck gut eingestellt war, verglich Fastentage am Ende von Ramadan mit Tagen einen Monat danach. Die Teilnehmenden nahmen ihre Medikamente in gewohnter Dosis und Häufigkeit. Der Blutdruck unterschied sich nicht. Die Autoren beziehen das ausdrücklich auf Menschen, die gut eingestellt waren und ihre Medikamente einnahmen.
Das ist kein Freibrief. Dosis und Einnahmezeiten bleiben ein Thema für deine Praxis. Die Deutsche Hochdruckliga schreibt in ihrem Patientenleitfaden: "Niemals die Medikamente auf eigene Faust und ohne Rücksprache mit dem Arzt absetzen." Wie du Messwerte sammelst, zeigt der Beitrag zum Blutdruckpass.
Was schreibst du vor und während Ramadan auf?
Fang zwei bis vier Wochen vor Ramadan an. So hast du einen Vergleich mit deinem normalen Alltag, so wie die Migränestudie den Vormonat als Vergleich nutzte. Eine Zeile pro Tag reicht:
- Datum
- Schlaf: Stunden und wie oft du wach warst
- Medikament: geplante und tatsächliche Uhrzeit der Einnahme
- Beschwerden: Anfall, Kopfschmerztag, Atemnot und Spraynutzung, Blutdruckwert mit Uhrzeit
- Fasten unterbrochen: ja oder nein, und der Grund
- Besonderes: wenig getrunken, Reise, Infekt
Zähle Ramadan später in Blöcken von zehn Tagen. Dann siehst du, ob sich die ersten Tage von den übrigen unterscheiden.
Für Blutdruck sieht das Protokoll der Hochdruckliga sieben Tage mit je zwei Messungen morgens und abends vor, im Abstand von mindestens einer Minute. Beide Werte werden notiert. Schreib neben jeden Wert die Uhrzeit deiner letzten Tablette. Wie du die Messungen in Ramadan zeitlich legst und ob ein Wert hoch ist, beurteilt deine Praxis.
In Sam geht das so: Im Einnahme-Log hältst du fest, wann du ein Medikament genommen hast. Beschwerden trägst du im Symptomtagebuch ein. Für Asthma, Bluthochdruck, Epilepsie und Migräne hat Sam je ein Programm, also ein eigenes Tagebuch mit Arztbericht und monatlichem Fragebogen. Es startet, nachdem du die Diagnose deiner Ärztin oder deines Arztes bestätigt hast.
Welche Fragen bringst du in die Praxis mit?
Nimm den Verlauf und deine Medikamentenliste mit. Diese Fragen helfen, das Gespräch zu führen:
- Welche meiner Medikamente haben feste Abstände oder müssen vor einer Mahlzeit genommen werden?
- Gibt es eine Form oder einen Rhythmus, der zu meinen Zeiten passt, und wer entscheidet das?
- Spielt es bei einem meiner Medikamente eine Rolle, dass ich tagsüber nichts trinke?
- Was mache ich, wenn ich eine Einnahme verpasst habe?
- Was ist ein Grund, in der Praxis anzurufen?
- Was machen wir, wenn ich das Fasten unterbreche?
Nimmst du wegen mehrerer Erkrankungen Medikamente, hilft der Beitrag zu Arztterminen und Berichten bei mehreren Erkrankungen.
Bei einem Notfall, etwa einem Anfall, der nicht von selbst aufhört, starker Atemnot, Druck oder Schmerzen in der Brust oder plötzlichen Lähmungen oder Sprachstörungen, rufst du die 112. Für nicht dringende medizinische Fragen erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Beschwerden und Einnahme vor und während Ramadan in Sam festhalten
Du kommst mit einem Verlauf aus Wochen in die Praxis statt mit dem, was dir im Termin einfällt. Das gilt auch für den Monat vor Ramadan.
- Statt Zettel: Im Einnahme-Log steht, wann du ein Medikament genommen hast. Einträge im Programm für Epilepsie oder Migräne, die du am selben Tag anlegst, bekommen den Schlaf der Nacht aus Apple Health dazu, wenn Daten vorliegen.
- Statt Notizen-App: Beschwerden außerhalb eines Programms trägst du im Symptomtagebuch ein, mit Datum und Verlauf.
- Statt Erinnerung im Termin: Der Arztbericht fasst den Zeitraum zusammen, den du wählst, als PDF, in einem Programm für Asthma, Bluthochdruck, Epilepsie oder Migräne.
Sam gibt keine Hinweise zu Einnahmezeiten und ersetzt nicht das Gespräch mit Arzt oder Apotheke.
Sam kostenlos ausprobierenSam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.
- Anfallskalender Epilepsie als PDF: Vorlage, Felder, App
- Migräne-Trigger: Schlaf, Stress, Zeitumstellung, Wetter
- Blutdruckpass ausdrucken: Felder, Vorlage, App
- Wandern in der Höhe mit Bluthochdruck, Asthma, Migräne
Quellen
Stand: Oktober 2026
- aponet.de (ABDA-Pressemitteilung): Ramadan: Apotheken beraten zur Medikamenteneinnahme, 19. Februar 2026
- aponet.de (Apothekerkammer Niedersachsen): Ramadan: Gesund durch die Fastenzeit, 11. März 2024
- Mahdaoui M et al.: Impact of Ramadan Fasting on Patients With Epilepsy: A Systematic Review, Cureus 2025 (englisch)
- International Headache Society: ICHD-3, 10.5 Headache attributed to fasting (englisch)
- Changes in migraine characteristics over 30 days of Ramadan fasting: Studie in Headache, 2021 (englisch, Zusammenfassung)
- Impact of fasting during Ramadan on migraine in the Algerian population: Studie in Neurologia, 2025 (englisch, Zusammenfassung)
- Does Ramadan fasting have effects on sleep, fatigue and blood pressure among patients with hypertension?: Studie in Blood Pressure Monitoring, 2021 (englisch, Zusammenfassung)
- Impact of Ramadan Intermittent Fasting on the Heart Rate Variability and Cardiovascular Parameters of Patients with Controlled Hypertension: Journal of Nutrition and Metabolism, 2021 (englisch)
- How to manage asthma during Ramadan?: La Tunisie medicale, 2019 (englisch, Zusammenfassung)
- Deutsche Hochdruckliga: Patientenleitfaden Bluthochdruck, 2024
Mehr zum Festhalten und Mitnehmen
Häufige Fragen
Kann ich meine Medikamente im Ramadan einfach weglassen?+
Nicht auf eigene Faust. In einer ABDA-Pressemitteilung bittet die Bundesapothekerkammer, eine Dauertherapie nicht ohne Rücksprache zu unterbrechen oder zu verändern. Was für dich gilt, klärst du mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke.
Kann ich Tabletten nachts statt tagsüber nehmen?+
Das hängt vom Medikament ab. Laut ABDA lässt sich nicht jede Medikation problemlos zeitlich anpassen, weil sich die Wirkung unvorhersehbar ändern kann. Die Entscheidung treffen Arztpraxis und Apotheke mit dir.
Sind Asthmasprays im Ramadan erlaubt?+
Laut ABDA verstoßen Dosiersprays und Pulverinhalatoren nicht gegen die Fastenregeln. Ein Fachartikel von 2019 weist darauf hin, dass islamische Gelehrte das unterschiedlich sehen. Bei rezeptpflichtigen Mitteln sprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Wird Epilepsie durch Fasten schlimmer?+
Das ist laut einer Übersicht von 12 Studien sehr unterschiedlich: Manche hatten weniger, andere mehr Anfälle. Als Einflüsse werden Schlafmangel und geänderte Einnahmemuster genannt. Besprich es vorher mit deiner Neurologin oder deinem Neurologen.
Löst Fasten Migräne aus?+
Die Klassifikation ICHD-3 beschreibt einen Kopfschmerz durch Fasten, mit mindestens 8 Stunden Fasten als Kriterium. Bei Menschen mit Kopfschmerzerkrankung tritt er deutlich häufiger auf. In einer ägyptischen Studie stiegen die Attacken in Ramadan, vor allem in den ersten zehn Tagen.
Verändert Fasten den Blutdruck?+
In einer Studie mit 58 Menschen, deren Bluthochdruck gut eingestellt war und die ihre Medikamente einnahmen, blieb der Blutdruck gleich. Eine Querschnittsstudie mit 1.118 Menschen kommt zu keinem eindeutigen Ergebnis. Das ist kein Freibrief, denn Dosis und Zeiten bespricht deine Praxis mit dir.
Wen sollte ich vor Ramadan ansprechen?+
Deine Apotheke und deine Arztpraxis. Die ABDA empfiehlt drei Gruppen ausdrücklich zusätzlich die Arztpraxis: Menschen mit akuten Herz- oder Nierenerkrankungen, mit Insulin oder mit dauerhaft eingenommenen Antiepileptika.