Teil der Reihe: Leben mit Gicht →
5 Min. LesezeitSanoLabs Editorial

Welcher Arzt bei Gicht? Zuständigkeit, Diagnoseweg und erste Abklärung

Welcher Arzt bei Gicht: Hausarzt oder Rheumatologe, und wie die Diagnose abläuft - Harnsäurewert, Gelenkpunktion und Bildgebung. Plus: Ist Gicht chronisch?

gichtwelcher-arztrheumatologehausarztharnsäuregichtanfalldiagnose
Auf dieser Seite

Bei Verdacht auf Gicht stellt sich zuerst die Frage, wer zuständig ist: Meist beginnt die Abklärung in der Hausarztpraxis, der Rheumatologe kommt bei unklaren oder komplizierten Fällen dazu. Was du dabei festhältst - Schmerztage und wie stark sie waren - kannst du im Symptomtagebuch von Sam festhalten und ins Gespräch mitnehmen, statt sie aus dem Gedächtnis zu schätzen.

Hausarzt oder Rheumatologe: wer macht was

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle bei Gesundheitsproblemen, schreibt Gesundheitsinformation.de. Die S3-Leitlinie, an der auch die hausärztliche Fachgesellschaft DEGAM mitgewirkt hat, richtet sich ausdrücklich auch an Hausarztpraxen. Im primärärztlichen Bereich wird die Diagnose einer Gicht in der Regel rein klinisch gestellt, so die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh).

Der Facharzt für Rheumatologie kommt ins Spiel, wenn die Diagnose unklar ist. Bei einer unklaren Arthritis, die sich nicht klinisch zweifelsfrei als Gicht einordnen lässt, sind laut S3-Leitlinie weitere Maßnahmen hilfreich, die meist eine fachärztliche Diagnostik erfordern, etwa die Gelenkpunktion mit Kristallnachweis. Auch andere betroffene Gelenke als Zeh oder Fuß, eine nicht ausreichend wirkende Behandlung oder eine langjährige Gicht ohne Remission sind Anlässe für die fachärztliche Mitbehandlung.

Wie wird Gicht diagnostiziert?

Nach der S3-Leitlinie soll die Diagnose unter Berücksichtigung von Anamnese, Befund und Serumharnsäurewert gestellt werden. Die Anamnese fragt nach dem Schmerzmaximum binnen eines Tages ohne Vorzeichen und nach früheren Anfällen. Der Befund prüft Lokalisation, Rötung, Schwellung, Überwärmung und Gichttophi.

Eine Gicht lässt sich häufig schon an den typischen Symptomen erkennen: einem schmerzhaften, geröteten Anfall, oft am Grundgelenk des großen Zehs. Zur Bestätigung kommen der Harnsäurewert und, bei unklaren Fällen, die Gelenkpunktion hinzu.

Der Harnsäurewert: wichtig, aber nicht allein entscheidend

Die Bestimmung der Harnsäure im Blut ist der wichtigste Labortest. Eine Erhöhung über etwa 6,5 mg/dl ist laut Rheuma-Liga ein Hinweis auf Gicht, aber kein Beweis: Nur etwa jeder zehnte Mensch mit erhöhtem Wert entwickelt eine Gicht.

Entscheidend ist außerdem die Einschränkung: Während eines Gichtanfalls kann die Harnsäure im Blut in den Normalbereich absinken. Ein normaler Wert schließt Gicht also nicht aus. Deshalb bestimmt die Praxis den Wert bei Verdacht oft nach zwei bis drei Wochen erneut. Deine Praxis ordnet den Wert mit deiner Krankengeschichte ein.

Die Gelenkpunktion: der eindeutige Nachweis

Um Gicht eindeutig nachzuweisen, ist laut Gesundheitsinformation.de eine Gelenkpunktion erforderlich. Dabei wird mit einer feinen Nadel Gelenkflüssigkeit entnommen und im Labor untersucht. Finden sich nadelförmige Harnsäurekristalle, spricht das sicher für Gicht. Die S3-Leitlinie nennt den mikroskopischen Kristallnachweis als beweisenden Befund.

Eine Punktion ist nicht bei jedem Anfall nötig. Sie kommt vor allem bei unklaren Beschwerden oder um eine Gelenkinfektion auszuschließen infrage. Meist übernimmt sie eine rheumatologische oder orthopädische Fachpraxis.

Bildgebung: Was Ultraschall, Röntgen und CT zeigen

Auch bildgebende Verfahren helfen bei der Abklärung. Im Ultraschall eines betroffenen Gelenks lassen sich laut Rheuma-Liga typische Hinweise auf Gicht erkennen. Gichttophi und Kristallablagerungen kann früher als im Röntgen auch eine spezielle Computertomographie (DECT) sichtbar machen.

Röntgenbilder machen Gicht erst nach einigen Jahren sichtbar, wenn sich Uratablagerungen angesammelt haben. Welche Bildgebung bei dir sinnvoll ist, entscheidet die Praxis anhand des Verlaufs.

Ist Gicht eine chronische Erkrankung?

Gicht kann chronisch werden: Unbehandelt kann die Stoffwechselerkrankung dauerhaft bleiben und die Gelenke schädigen, schreibt Gesundheitsinformation.de. Bei chronischer Gicht bleiben die Gelenke dauerhaft leicht entzündet. Eine akute Gicht wird allerdings nicht bei allen Menschen chronisch.

Deshalb hält die S3-Leitlinie eine langfristige Senkung des Harnsäurespiegels vor allem bei mehr als einem Anfall pro Jahr oder bei Gichttophi für angezeigt. Die Leitlinie nennt dafür als Zielwert unter 6 mg/dl, die hausärztliche Fachgesellschaft befürwortet ein individuelleres Vorgehen. Ob und wann eine solche Behandlung für dich sinnvoll ist, legt deine Praxis fest.

Wann du mit Gelenkschmerzen zum Arzt gehst

Der akute Gichtanfall beginnt oft nachts oder frühmorgens mit plötzlicher, sehr schmerzhafter Schwellung, häufig am Grundgelenk des großen Zehs. Wie du den ersten Anfall für die Praxis festhältst, steht in Erster Gichtanfall: was du für die Praxis festhältst.

Ein schmerzhafter, geröteter Anfall ist ein Anlass für die Hausarztpraxis. Gegenüber einer Selbstbehandlung ist ärztliche Abklärung wichtig. Hast du zusätzlich Fieber, Schüttelfrost oder fühlst du dich schwer krank, lass das Gelenk noch am selben Tag untersuchen, außerhalb der Sprechzeiten über die 116 117 oder in der Notaufnahme, denn eine bakterielle Gelenkinfektion ist ein Notfall. In lebensbedrohlichen Fällen wählst du die 112. Bei unklarer Diagnose überweist die Praxis fachärztlich weiter; wie du an einen Facharzttermin kommst, erklärt der Ratgeber Facharzttermin bekommen. Was Gicht von rheumatoider Arthritis unterscheidet, steht in Gicht oder rheumatoide Arthritis?.

Deinen Verlauf vor der Abklärung in Sam festhalten

Bevor die Praxis nach Häufigkeit und Gelenken fragt, hast du deine Schmerztage im Symptomtagebuch beisammen - das geht schon vor der Diagnose.

  • Statt Zettel: Du trägst Tage mit Gelenkschmerzen mit Stärke und Körperregion ein; Schlaf und Aktivität kommen aus Apple Health dazu.
  • Statt Erinnerung: Ab dem 1. erstellst du den Monatsbericht für den Vormonat selbst, als PDF mit deinen Symptomtagen und häufigsten Symptomen neben Schlaf und Aktivität.
  • Statt dreißig Notizen: Im Gesundheitsverlauf zeigt ein Punkt jeden Tag, an dem du ein Symptom eingetragen hast, so siehst du, wie sich die Tage über den Monat verteilen.

Bestätigst du nach der Abklärung die Diagnose, startest du das Programm für Gicht mit eigenem Tagebuch und Arztbericht als PDF. Ein Programm in Sam ist kein Behandlungsprogramm und kein DMP. Sam stellt keine Diagnose und ersetzt keine ärztliche Abklärung.

Sam kostenlos ausprobieren

Sam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.

Mehr zum Thema

Quellen

Stand: Oktober 2026

  • S3-Leitlinie "Diagnostik und Therapie der Gicht" (DGRh, AWMF-Register 060-005): Leitlinie und Langfassung (PDF) (Version 2.1, Stand 27.08.2024, nächste Überprüfung 08/2029)
  • DEGAM S2e-Leitlinie "Akute Gicht in der hausärztlichen Versorgung" (AWMF 053-032b): DEGAM (abgelaufen, abgelöst durch die S3-Leitlinie 060-005)
  • Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Gicht (aktualisiert 12.01.2022)
  • Bundesministerium für Gesundheit: gesund.bund.de, Gicht (Stand 16.12.2022)
  • Deutsche Rheuma-Liga: Gicht (Stand Juni 2025)
  • Internisten im Netz (BDI): Gicht: Untersuchungen & Diagnose (aktualisiert 25.07.2022)

Häufige Fragen

Welcher Arzt ist bei Gicht zuständig?+

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle und stellt die Diagnose bei typischen Beschwerden häufig rein klinisch. Der Rheumatologe kommt ins Spiel, wenn die Diagnose unklar ist, andere Gelenke als Zeh oder Fuß betroffen sind, die Behandlung nicht ausreichend wirkt oder die Gicht über Jahre nicht zur Ruhe kommt.

Wie wird Gicht diagnostiziert?+

Ärztinnen und Ärzte stellen die Diagnose aus Anamnese, Befund und Harnsäurewert im Blut. Um Gicht eindeutig nachzuweisen, ist laut Gesundheitsinformation.de eine Gelenkpunktion nötig, bei der Harnsäurekristalle in der Gelenkflüssigkeit den Verdacht bestätigen. Welche Untersuchungen bei dir nötig sind, entscheidet die Praxis.

Wie zuverlässig ist der Harnsäurewert im Blut?+

Ein erhöhter Harnsäurewert ist ein Hinweis auf Gicht, aber kein Beweis - nur etwa ein Zehntel der Menschen mit erhöhtem Wert entwickelt eine Gicht. Wichtig: Während eines Gichtanfalls kann die Harnsäure im Blut in den Normalbereich absinken. Ein unauffälliger Wert schließt Gicht also nicht aus.

Ist Gicht eine chronische Erkrankung?+

Gicht kann chronisch werden: Unbehandelt kann die Stoffwechselerkrankung dauerhaft bleiben und die Gelenke schädigen. Eine akute Gicht wird nicht bei allen Menschen chronisch. Bei wiederholten Anfällen oder Gichttophi sieht die S3-Leitlinie eine langfristige Senkung des Harnsäurespiegels vor.

Was ist der erste Gichtanfall, und was deutet auf Gicht hin?+

Typisch ist eine plötzliche, sehr schmerzhafte Schwellung, oft nachts am Grundgelenk des großen Zehs, und was du dazu festhältst, steht in Erster Gichtanfall: Was du für die Arztpraxis festhältst.

Wann sollte ich wegen Gicht zum Arzt gehen?+

Ein schmerzhafter, geröteter Anfall am Großzehengrundgelenk oder ein anderes verdächtiges Gelenk ist ein Anlass, zur Hausarztpraxis zu gehen. Bei unklarer Diagnose oder zur Gelenkflüssigkeitsuntersuchung überweist sie an eine Fachpraxis. Kommen Fieber, Schüttelfrost oder ein deutlich schlechteres Allgemeinbefinden dazu, lass dich noch am selben Tag untersuchen, außerhalb der Sprechzeiten über die 116 117 oder in der Notaufnahme.

Hilft ein Tagebuch bei der Gicht-Abklärung?+

Zu Beginn der Abklärung hilft ein Tagebuch, Anfallstage, betroffene Gelenke und mögliche Auslöser festzuhalten. Das unterstützt das Gespräch mit der Praxis, ersetzt aber keine ärztliche Diagnostik. Mehr dazu steht in Erster Gichtanfall: was du für die Praxis festhältst.