Welcher Arzt bei Fibromyalgie? Zuständigkeit, Diagnosekriterien und Abklärung
Welcher Arzt bei Fibromyalgie: Hausarzt, Rheumatologe oder Schmerztherapeut, und wie die Diagnose gestellt wird - klinisch, ohne beweisenden Test.
Auf dieser Seite
Wer seit Monaten Schmerzen an vielen Stellen hat und erschöpft ist, landet bei Verdacht auf Fibromyalgie meist zuerst beim Hausarzt, oft wird die Diagnose aber erst in einer rheumatologischen oder schmerzmedizinischen Praxis gestellt. Die Diagnose ist klinisch - es gibt keinen Laborwert, der Fibromyalgie bestätigt. Schmerzen mit Stärke und Körperstelle und deine Erschöpfung hältst du im Symptomtagebuch von Sam fest, statt Monate aus dem Gedächtnis zu schätzen; Schlaf und Aktivität aus Apple Health liegen in derselben App.
Hausarzt, Rheumatologe oder Schmerztherapeut: wer macht was
Der wichtigste ärztliche Ansprechpartner bei Fibromyalgie ist in der Regel der Hausarzt, so die AWMF-Leitlinie. Er kennt deine Vorgeschichte, kann die Diagnose mit einschätzen und koordiniert Haus- und Fachärzte, Psychotherapeuten und Physiotherapeuten.
Gleichzeitig wird Fibromyalgie oft erst in einer rheumatologischen oder schmerzmedizinischen Praxis festgestellt, wie Gesundheitsinformation.de und gesund.bund.de schreiben. Der Rheumatologe spielt eine besondere Rolle: Er prüft vor allem, ob eine entzündlich-rheumatische Erkrankung die Beschwerden erklärt. Beides kann auch gleichzeitig vorliegen. Der Schmerztherapeut übernimmt bei starken Beschwerden die eigentliche Schmerzbehandlung, etwa in Form einer multimodalen Schmerztherapie.
Fibromyalgie ist keine Rheumaerkrankung
Fibromyalgie gehört nach Internisten im Netz zum Kreis der nicht-entzündlichen rheumatischen Erkrankungen, ist aber keine entzündlich-rheumatische Krankheit. Die Deutsche Schmerzgesellschaft betont: Es handelt sich weder um eine Erkrankung der Muskeln noch der Gelenke, und in den üblichen Laborwerten oder im Röntgenbild zeigen sich keine typischen Auffälligkeiten.
Deshalb ist die Bezeichnung Weichteilrheuma irreführend, schreibt Gesundheitsinformation.de - die Schmerzen beruhen nicht auf einer rheumatischen Erkrankung. Trotzdem wird die Diagnose häufig in rheumatologischen Praxen gestellt, weil dort entzündlich-rheumatische Ursachen geprüft werden.
Wie die Diagnose gestellt wird: klinische Kriterien
Die Diagnose wird klinisch gestellt, also anhand der Beschwerden, der körperlichen Untersuchung und dem Ausschluss anderer Erkrankungen. Die AWMF-S3-Leitlinie empfiehlt die Diagnose nach den ACR-1990-Kriterien oder den modifizierten ACR-2010-Kriterien.
Grundlage beider sind chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen. Die 1990er-Kriterien verlangen zusätzlich mindestens 11 von 18 druckschmerzhaften Punkten (Tender Points). Die 2010er-Version ersetzt diese durch einen Symptomwert, in den unter anderem Erschöpfung, nicht erholsamer Schlaf und Konzentrationsprobleme eingehen. Die Beschwerden müssen mindestens drei Monate bestehen. Eine reine Fragebogendiagnose ist nicht möglich, wie die Leitlinie festhält.
Welche Untersuchungen zur Abklärung gehören
Weil kein Laborwert Fibromyalgie beweist, dient die Diagnostik vor allem dem Ausschluss anderer Ursachen. Dazu gehören nach der Leitlinie eine körperliche Untersuchung und ein Basislabor, etwa Blutbild, Entzündungswerte, Kreatinkinase, Kalzium, ein Schilddrüsenwert und Vitamin D. Bei typischem Befund und unauffälligem Basislabor ist keine weiterführende Bildgebung nötig.
Ausgeschlossen werden müssen unter anderem entzündlich-rheumatische Erkrankungen, eine Schilddrüsenunterfunktion und Muskelerkrankungen. Viele Betroffene werden laut IQWiG dabei zu oft untersucht, was zu unnötigen Behandlungen führen kann. Frag in der Praxis nach, warum eine Untersuchung konkret sinnvoll ist.
Die Symptome: mehr als Schmerzen
Kernsymptome der Fibromyalgie sind chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen, nicht erholsamer Schlaf und ausgeprägte körperliche oder geistige Erschöpfung. Dazu kommen häufig Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, der sogenannte Fibro-Fog, sowie manchmal Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden.
Die Organe sind laut Gesundheitsinformation.de gesund, und die Erkrankung hat keinen Einfluss auf die Lebenserwartung. Trotzdem kann sie den Alltag stark einschränken. Die Diagnose dauert oft Jahre, weil kein Laborwert sie bestätigt - viele Betroffene fühlen sich in dieser Zeit nicht ernst genommen. Das ist kein Zeichen, dass nichts los ist.
Wann du zum Arzt gehst
Bei chronischen Schmerzen in mehreren Körperbereichen, die zusammen mit Erschöpfung und Schlafstörungen länger als drei Monate bestehen, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Bei überlappenden Beschwerden zu einem anderen Krankheitsbild hilft eine Abgrenzung, siehe Fibromyalgie und ME/CFS im Vergleich.
Eine Medikation oder ein pauschaler Behandlungsplan stehen hier nicht. Deine Praxis erstellt mit dir zusammen einen individuellen Weg - und beteiligt je nach Beschwerden Rheumatologie, Schmerztherapie, Physio- und Psychotherapie. Wie du an einen Facharzttermin kommst, erklärt der Ratgeber Facharzttermin bekommen. Mehr zum Alltag mit der Erkrankung beschreibt der Beitrag Mit Fibromyalgie leben.
Schmerz- und Erschöpfungstage in Sam festhalten
Wenn die Praxis fragt, seit wann und wo es wehtut, zeigst du deine Einträge, statt Monate zu schätzen. Für die Zeit vor der Diagnose ist das Symptomtagebuch da.
- Statt Zettel: Du trägst Schmerzen wie Gelenk- oder Gliederschmerzen mit Stärke und Körperstelle ein, dazu Erschöpfung und Einschlafprobleme; Schlaf, Ruhepuls und Aktivität kommen aus Apple Health dazu.
- Statt Erinnerung: Ab dem 1. erstellst du den Monatsbericht für den Vormonat selbst, als PDF mit deinen Symptomtagen und häufigsten Symptomen neben Schlaf und Aktivität.
- Statt dreißig Notizen: Im Gesundheitsverlauf zeigt ein Punkt jeden Tag, an dem du ein Symptom eingetragen hast, so siehst du, wie sich Symptome über den Monat verteilen.
Die Ratgeberseite zur Fibromyalgie bündelt die Informationen. Sam misst keine Schmerzen.
Sam kostenlos ausprobierenSam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.
Quellen
Stand: Oktober 2026
- AWMF-S3-Leitlinie Fibromyalgiesyndrom (Deutsche Schmerzgesellschaft, Register 145-004, 2. Aktualisierung 2017; Gültigkeit abgelaufen, in Überarbeitung): Register und Langfassung (PDF)
- Bundesministerium für Gesundheit: gesund.bund.de, Fibromyalgie
- Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Fibromyalgie (aktualisiert 20.04.2022)
- Deutsche Rheuma-Liga: Fibromyalgie (Stand Juni 2025)
- Deutsche Schmerzgesellschaft: Fibromyalgie-Syndrom, Patienteninformation
- Internisten im Netz (BDI): Fibromyalgiesyndrom: Untersuchungen & Diagnose (aktualisiert 06.07.2022)
- Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ): Fibromyalgiesyndrom, Kurzinformation
Mehr zu Fibromyalgie
Häufige Fragen
Welcher Arzt ist bei Fibromyalgie zuständig?+
Der wichtigste Ansprechpartner ist in der Regel der Hausarzt, wie die Patientenleitlinie schreibt. Oft wird Fibromyalgie erst in einer rheumatologischen oder schmerzmedizinischen Praxis festgestellt. Der Rheumatologe schließt vor allem entzündlich-rheumatische Erkrankungen aus, der Schmerztherapeut übernimmt bei starken Beschwerden die Behandlung.
Wie wird Fibromyalgie diagnostiziert?+
Die Diagnose wird klinisch gestellt: anhand der Beschwerden, der körperlichen Untersuchung und dem Ausschluss anderer Ursachen. Es gibt keinen Labortest oder bildgebenden Befund, der Fibromyalgie nachweist. Die Diagnosekriterien der Leitlinie beruhen auf chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen und begleitenden Symptomen.
Ist Fibromyalgie eine Rheumaerkrankung?+
Fibromyalgie ist keine entzündlich-rheumatische Erkrankung, auch wenn sie oft mit Rheuma verwechselt wird und viele Betroffene von einem Rheumatologen betreut werden. Die Bezeichnung Weichteilrheuma ist irreführend, da die Schmerzen nicht auf einer rheumatischen Erkrankung beruhen.
Welche Diagnosekriterien gelten bei Fibromyalgie?+
Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt die klinische Diagnose nach den ACR-1990-Kriterien oder den modifizierten ACR-2010-Kriterien. Die modifizierten ACR-2010-Kriterien verlangen Schmerzen in mindestens 7 von 19 Körperregionen und einen Symptomwert von mindestens 5 aus Erschöpfung, nicht erholsamem Schlaf, Konzentrationsproblemen und weiteren Beschwerden. Die ACR-1990-Kriterien verlangen ausgebreitete Schmerzen seit mehr als drei Monaten und mindestens 11 von 18 druckschmerzhaften Punkten.
Welche Untersuchungen laufen bei der Abklärung?+
Zum Ausschluss anderer Erkrankungen gehören eine körperliche Untersuchung und ein Basislabor, etwa Blutbild, Entzündungswerte, Schilddrüsenwert und Vitamin D. Bei typischem Befund ist keine weiterführende Bildgebung nötig. Der Rheumatologe schließt insbesondere entzündlich-rheumatische Krankheiten aus.
Macht Fibromyalgie nur Schmerzen?+
Nein. Kernsymptome sind chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen, nicht erholsamer Schlaf und ausgeprägte Erschöpfung. Dazu kommen häufig Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, der sogenannte Fibro-Fog. Laut Gesundheitsinformation.de (IQWiG) sind die Organe gesund, und die Erkrankung beeinflusst die Lebenserwartung nicht.
Wann sollte ich bei Fibromyalgie-Verdacht zum Arzt gehen?+
Bei chronischen Schmerzen in mehreren Körperbereichen zusammen mit Erschöpfung und Schlafstörungen, die länger als drei Monate bestehen, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Oft dauert der Weg zur Diagnose Jahre, weil kein Laborwert sie bestätigt - lass dich dabei nicht entmutigen.