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8 Min. LesezeitSanoLabs Editorial

Wechseljahre: Herzrasen, Panik und Blutdruck festhalten

Herzrasen, Panikattacken und Blutdruck in den Wechseljahren: was Studien zeigen, was die Ärztin abklärt und wie du Episoden, Puls und Schlaf notierst.

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Nachts rast dein Herz, du wachst gegen drei Uhr auf und fragst dich: Herz, Panik oder Wechseljahre? Laut Studien ist Herzklopfen in dieser Lebensphase häufig, es kann aber auch andere Ursachen haben. Hier steht, was deine Ärztin abklärt. Zwei Wochen lang kannst du festhalten, was passiert: auf Papier oder im Symptomtagebuch von Sam. Dort trägst du Beschwerden wie Herzrasen pro Tag ein, und Schlaf und Ruhepuls aus Apple Health liegen in derselben App.

Das ist allgemeine Information und ersetzt keine Untersuchung. Herzrasen gehört ärztlich abgeklärt, auch wenn die Wechseljahre als Ursache naheliegen. Ob es Herz, Hormone, Schilddrüse oder Angst ist, entscheidet die Untersuchung, nicht dieser Text und nicht dein Protokoll.

Kommt Herzrasen in den Wechseljahren häufig vor?

In der Forschung ja. Eine Auswertung der US-Studie SWAN mit 3.276 Frauen fand drei Verläufe von Herzklopfen über die Wechseljahre. Bei 15,9 Prozent war es in der Perimenopause bis zur frühen Postmenopause wahrscheinlich und ließ später nach. Bei 34,3 Prozent war es mäßig wahrscheinlich, bei 49,8 Prozent dauerhaft selten. Eine Übersichtsarbeit über 84 Artikel nennt Herzklopfen in dieser Zeit häufig.

In den Beschwerdelisten von IQWiG (gesundheitsinformation.de) und der britischen Leitlinie NICE steht Herzklopfen dagegen nicht. IQWiG nennt Hitzewallungen und Schweißausbrüche, Veränderungen der Scheide, Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmung, weniger Lust auf Sex und Gewichtszunahme. Die deutsche S3-Leitlinie zu Peri- und Postmenopause (Stand 2020) nennt eine Umfrage unter 1.350 Frauen zwischen 14 und 92 Jahren: Nur Hitzewallungen ließen sich klar den Wechseljahren zuordnen, Herzbeschwerden wurden mit dem Alter stärker.

Die Östrogenbildung sinkt laut IQWiG ab etwa Mitte 40. Die letzte Regel kommt im Schnitt mit 51. Als Faustregel gilt: Blieb die Regel zwölf Monate ganz aus, war die letzte Blutung sehr wahrscheinlich die Menopause. Herzklopfen kann also zu den Wechseljahren passen, aber auch vom Herzen, von der Schilddrüse oder von Medikamenten kommen. Darum gehört es abgeklärt, bevor es den Wechseljahren zugeschrieben wird.

Was zeigen Studien über Schlaf, Stress und Blutdruck?

In der SWAN-Gruppe mit hoher Wahrscheinlichkeit fielen zu Beginn mehrere Dinge auf. Die Frauen waren häufiger in der frühen Perimenopause, hatten Hitzewallungen, mehr Schlafprobleme, mehr Stress, stärkere depressive Symptome und höheren Blutdruck. Die Verläufe hingen nicht mit unbemerkter Gefäßverkalkung an der Halsschlagader oder steiferen Gefäßen zusammen. Das heißt nicht, dass das Herz geprüft ist. Ob diese Dinge Ursache oder Begleiter sind, zeigen die Zahlen nicht.

Die Übersichtsarbeit nennt als wahrscheinliche Zusammenhänge stärkere Hitzewallungen, schlechteren Schlaf, weniger Bewegung und geringere Lebensqualität. Für jeden einzelnen Faktor sind die Belege dünn. Zu Angst und Stress gab es zu wenige Studien für eine Aussage.

Eine kleine Pilotstudie mit je 15 Frauen mit und ohne Herzklopfen, im Mittel um die 55, ging genauer hin. Die Frauen trugen 14 bis 28 Tage ein EKG-Pflaster, drückten bei Beschwerden einen Knopf und führten ein Tagebuch. Die Gruppe mit Herzklopfen hatte eine geringere Herzfrequenzvariabilität und längere Phasen einer Vorhoftachykardie. Das ist ein schneller Herzschlag, der in den Vorhöfen entsteht. Die Beschwerden kamen bei veränderten Rhythmen, aber auch bei normalem Sinusrhythmus, und der Sinusrhythmus schien nachts häufiger. Das Berichten von Herzklopfen hing mit Hitzewallungen und Diabetes zusammen, nicht mit Angst. Das Studienteam wertet das als Hinweise, die eine größere Studie prüfen muss. Es ist ein Gruppenvergleich, kein Maßstab für deine eigene HRV.

Zum Schlaf passt ein Hinweis der Frauenärzte im Netz (Stand 2018): Viele Frauen wachen gegen drei bis vier Uhr morgens auf, teils durch Schweißausbrüche, und schlafen nicht wieder ein.

Was klärt die Ärztin ab, bevor sie "Wechseljahre" sagt?

Erste Anlaufstelle ist laut IQWiG meist die Hausärztin. Herzklopfen, Herzstolpern und Herzrasen können auf Herzrhythmusstörungen hindeuten. Als Ursachen nennt IQWiG unter anderem Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Rauchen, viel Alkohol, eine Schilddrüsenüberfunktion, Nierenerkrankungen, Diabetes und manche Medikamente, etwa Herz- und Blutdruckmittel, Antidepressiva oder Antibiotika. Setz ein Medikament deshalb nicht selbst ab, sondern sprich vorher mit deiner Ärztin.

Das EKG zeigt, ob gerade eine Rhythmusstörung vorliegt. Ist es unauffällig und die Beschwerden bleiben, kann ein Langzeit-EKG oder ein Belastungs-EKG folgen. Die Störung tritt manchmal nur selten oder bei Anstrengung auf.

Die S3-Leitlinie zu Angststörungen nennt für den Ausschluss körperlicher Ursachen mindestens diese Schritte:

  1. ausführliches Gespräch zur Vorgeschichte und körperliche Untersuchung
  2. Blutbild, Blutzucker und Elektrolyte wie Kalium und Calcium
  3. Schilddrüsenwert TSH
  4. EKG mit Rhythmusstreifen

Bei Bedarf kommen etwa ein 24-Stunden-EKG und eine 24-Stunden-Blutdruckmessung dazu. Das ist die Liste für den Verdacht auf eine Angststörung, keine Vorgabe für Wechseljahre. Sie zeigt, welche körperlichen Ursachen geprüft werden sollten, bevor Herzrasen als Angst gilt. Welche Untersuchungen du brauchst, entscheidet deine Ärztin. Einen Hormontest enthält die Liste nicht. Laut NICE wird die Perimenopause ab 45 ohne Labortests festgestellt, wenn Hitzewallungen neu auftreten und sich der Zyklus ändert. Laut IQWiG hat die Bestimmung des Hormonspiegels keinen praktischen Wert.

Eine Frage für den Termin: "Welche Untersuchungen sind nötig, bevor wir es den Wechseljahren zuschreiben?"

Panikattacke oder Herzproblem: Kannst du das selbst unterscheiden?

Nein, die Beschwerden überlappen sich. Die S3-Leitlinie beschreibt Panikattacken als plötzliche Angstanfälle mit Herzrasen und unregelmäßigem Herzschlag, Schwitzen, Atemnot, Enge in der Brust und auch Hitzewallungen oder Kälteschauern. Sie nehmen in etwa zehn Minuten zu. Dazu kann die Angst kommen, zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren. Zugleich führt die Leitlinie Herzerkrankungen, Rhythmusstörungen, Schilddrüsenüberfunktion und Lungenerkrankungen als häufige körperliche Gegenstücke auf. IQWiG nennt bei Rhythmusstörungen Schwindel, Ohnmacht, Brustschmerz und Atemnot.

Der Gedanke "Das ist bestimmt nur Panik" ist deshalb kein Befund. Eine Panikstörung stellen Ärztin oder Psychotherapeutin fest, nachdem körperliche Ursachen geprüft sind. Wie du Attacken für diesen Termin festhältst, steht im Beitrag Panikattacken-Tagebuch: Was du für den Arzt festhältst. Hat deine Ärztin eine Panikstörung festgestellt, kannst du in Sam ein Programm für Panikstörung starten, also ein eigenes Tagebuch mit Arztbericht und monatlichem Fragebogen.

Dauern psychische Beschwerden an und belasten den Alltag, ist laut Frauenärzten im Netz professionelle Hilfe sinnvoll. Der Einstieg kann bei der Frauenärztin liegen.

Schwankt der Blutdruck in den Wechseljahren, und wie misst du richtig?

Dass die Wechseljahre den Blutdruck stärker schwanken lassen, ist in den genannten Leitlinien und Studien nicht belegt. Laut Deutscher Hochdruckliga schwankt er im Lauf des Tages und je nach Aktivität, und das ist normal. Sie nennt eine frühe Menopause unter den Risikofaktoren für Bluthochdruck. Die SWAN-Gruppe mit viel Herzklopfen hatte zu Beginn höheren Blutdruck. Nach den Wechseljahren ist das Herzinfarktrisiko höher als vorher. Laut IQWiG liegt das aber wahrscheinlich am zunehmenden Alter. Dass die Wechseljahre selbst das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen, ist bisher nicht belegt.

Wenn du messen willst, dann nach der Methode der Nationalen Versorgungsleitlinie Hypertonie:

  • fünf Minuten ruhig sitzen
  • am Oberarm zweimal hintereinander messen, im Abstand von ein bis zwei Minuten
  • morgens und abends, sieben Tage lang
  • aus allen Werten den Mittelwert bilden

Die Leitlinie nennt diese Methode für einen regelmäßigen Puls. Stolpert dein Herz oft, frag deine Praxis, wie du messen sollst. Der Grenzwert für den Mittelwert zu Hause liegt bei 135/85 mmHg. Zum Bestätigen eines Bluthochdrucks ist die 24-Stunden-Messung laut Leitlinie die erste Wahl. Was ein Wert für dich bedeutet, sagt deine Ärztin. Eine Messung mitten in einer Episode folgt nicht der Ruheregel. Trag sie getrennt von der Messwoche ein. Was du in einer Messwoche notierst, erklärt der Beitrag Messwoche oder 24-Stunden-Messung: was notieren?.

Wann ist Herzrasen ein Notfall?

Ruf sofort die 112, wenn du eines dieser Anzeichen hast. Sie gelten laut IQWiG für einen Herzinfarkt:

  • Druck oder Enge in der Brust, meist länger als fünf Minuten und in Ruhe nicht besser
  • Schmerz, der in Arm, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch zieht
  • Atemnot, Übelkeit, kalter Schweiß, Schwäche, Schwindel oder Ohnmacht

Frauen haben öfter Atemnot oder Übelkeit statt der typischen Brustschmerzen. Warte nicht ab, auch nachts nicht und auch nicht, wenn du unsicher bist. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du bei Beschwerden ohne Notfall den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

Wie führst du zwei Wochen lang ein Episoden-Protokoll?

Das Protokoll ersetzt kein EKG. Es gibt deiner Ärztin aber Daten statt Erinnerung. In der Pilotstudie liefen Gerät, Knopf und Tagebuch zusammen. Du brauchst nur den Alltagsteil davon. Schreib bei jeder Episode:

  1. Datum, Uhrzeit, Dauer und was du spürst: rasend, stolpernd oder pochend. Ob es plötzlich kam oder über Minuten wuchs.
  2. Puls, wenn du ihn messen kannst. Blutdruck nach fünf Minuten Sitzen, wenn du dabei nicht in Not bist.
  3. Was davor oder danach war: Hitzewallung, Nachtschweiß, Aufwachen, Kaffee oder Alkohol in den letzten Stunden, Stress, Anstrengung, ein neues Medikament.
  4. Schlaf: Bettzeit, wann du nachts wach warst, wie erholt du morgens warst.
  5. Angst von 0 bis 10 und ob der Gedanke da war, du könntest sterben oder die Kontrolle verlieren.
  6. Zyklus: wie oft und wie stark du in den letzten Monaten geblutet hast.
  7. Eine Messwoche, falls deine Praxis damit einverstanden ist.

Zum Termin nimmst du alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel mit, dazu Herzerkrankungen in der Familie, das Protokoll und deine Frage von oben. Für Menschen, die dich begleiten, gibt es die Seite Für Familie und Angehörige.

Herzklopfen, Schlaf und Beschwerden für die Ärztin zusammenstellen

Du bringst einen Verlauf aus zwei Wochen mit statt der Erinnerung an schlechte Nächte. Der Einstieg ist das Symptomtagebuch in Sam, das ohne Diagnose funktioniert.

  • Statt Zettel: Du hältst pro Tag fest, welche Beschwerden du hattest und wie stark, etwa Herzrasen, Hitzewallungen, Nachtschweiß oder Angst.
  • Statt Apple Health allein: Schlaf, Ruhepuls und Herzfrequenzvariabilität aus Apple Health liegen in derselben App, wenige Taps von deinen Beschwerdetagen entfernt.
  • Statt Erinnerung im Wartezimmer: Der Monatsbericht zeigt deine Beschwerdetage im Kalender und deine häufigsten Beschwerden.
  • Statt loser Papiere: EKG-Befunde, Arztbriefe und Blutwerte legst du in den Medizinischen Dokumenten ab.

Sam misst keinen Blutdruck und sagt dir nicht, ob Herz, Hormone oder Angst dahinterstecken. Das klärt deine Ärztin.

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Sam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.

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Quellen

Stand: Oktober 2026

Häufige Fragen

Kann Herzrasen von den Wechseljahren kommen?+

In einer US-Studie mit 3.276 Frauen war die Wahrscheinlichkeit für Herzklopfen in der Perimenopause bis zur frühen Postmenopause bei 15,9 Prozent hoch und bei 34,3 Prozent mäßig. Bei 49,8 Prozent blieb sie dauerhaft niedrig. In den Beschwerdelisten von IQWiG und NICE steht Herzklopfen nicht, und es kann auch vom Herzen, der Schilddrüse oder von Medikamenten kommen, deshalb gehört es ärztlich abgeklärt.

Ist Herzrasen in der Perimenopause gefährlich?+

Ob Herzrasen gefährlich ist, klärt die Untersuchung mit EKG. Die SWAN-Auswertung fand keinen Zusammenhang mit unbemerkter Gefäßverkalkung an der Halsschlagader oder steiferen Gefäßen, das heißt aber nicht, dass dein Herz geprüft ist. Bei Brustschmerz, Atemnot oder Ohnmacht ruf sofort die 112.

Welche Untersuchungen sind bei Herzrasen sinnvoll?+

Laut IQWiG kann ein EKG eine Herzrhythmusstörung zeigen; ist es unauffällig und bleiben die Beschwerden, kann ein Langzeit- oder Belastungs-EKG folgen. Steht eine Angststörung im Raum, nennt die S3-Leitlinie zu Angststörungen als Minimum Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutbild, Blutzucker, Elektrolyte, TSH und ein EKG mit Rhythmusstreifen. Welche Untersuchungen nötig sind, entscheidet deine Ärztin.

Woran erkenne ich eine Panikattacke?+

Die S3-Leitlinie zu Angststörungen beschreibt plötzliche Angstanfälle mit Herzrasen, Schwitzen, Atemnot und Enge in der Brust, die in etwa zehn Minuten zunehmen. Die gleichen Beschwerden kann auch eine körperliche Ursache haben. Ob es eine Panikstörung ist, stellen Ärztin oder Psychotherapeutin fest.

Brauche ich in den Wechseljahren einen Hormontest?+

Laut NICE wird die Perimenopause ab 45 ohne Labortests festgestellt, wenn Hitzewallungen neu auftreten und sich der Zyklus ändert. Laut IQWiG hat die Bestimmung des Hormonspiegels keinen praktischen Wert. Was bei dir untersucht wird, entscheidet deine Ärztin.

Wie messe ich meinen Blutdruck zu Hause richtig?+

Setz dich und ruh fünf Minuten aus, dann miss am Oberarm zweimal im Abstand von ein bis zwei Minuten, morgens und abends, sieben Tage lang. So beschreibt es die Nationale VersorgungsLeitlinie für einen regelmäßigen Puls, und der Grenzwert für den Mittelwert liegt bei 135/85 mmHg. Was dein Wert bedeutet, klärt deine Ärztin.

Wann rufe ich bei Herzrasen die 112?+

Ruf die 112 bei Druck oder Schmerz in der Brust, der länger als fünf Minuten anhält und in Ruhe nicht nachlässt, bei Schmerz in Arm, Kiefer oder Rücken, bei Atemnot, kaltem Schweiß oder einer Ohnmacht mit Brustschmerz oder Herzrasen. Frauen haben laut IQWiG häufiger Atemnot oder Übelkeit statt typischer Schmerzen. Im Zweifel: sofort 112.