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7 Min. LesezeitSanoLabs Editorial

App für chronisch Kranke: Was sie leisten kann, was nicht und worauf du vor dem Download achtest

App für chronisch Kranke: Welche Aufgaben sie übernimmt, was sie nicht kann und fünf Fragen vor dem Download, von PDF-Export bis DiGA und Datenschutz.

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Eine App kann dir beim Erinnern, Aufschreiben, Ablegen und Berichten helfen. Sie ersetzt weder die Praxis noch die Entscheidung deiner Ärztin oder deines Arztes. Sam ist so eine App: ein Tagebuch aus deinen eigenen Einträgen und dem, was Apple Health schon aufzeichnet, etwa Schlaf, Puls und Aktivität.

Dieser Text nennt fünf Aufgaben, die eine App übernehmen kann, und ihre Grenzen. Danach folgen fünf Fragen, die du vor dem Download klärst. Am Ende steht kurz, was Sam davon übernimmt.

Fünf Aufgaben, die eine App übernehmen kann

Entscheide zuerst, welche Aufgabe du abgeben willst. Apps unterscheiden sich weniger im Aussehen als darin, was sie übernehmen.

  • Erinnern: Ein Signal zur Einnahme oder zum Termin statt des Zettels am Kühlschrank. Was du wann einnimmst, legt deine Praxis fest. Die App erinnert nur. In Sam gibt es Einnahme-Erinnerungen in mehreren Programmen.
  • Aufschreiben: Beschwerden, Messwerte oder Anfälle mit Datum und Stärke, gleich im Moment statt abends aus dem Gedächtnis. In Sam hältst du Symptome mit Datum fest, in den Programmen auch Anfälle und Medikamenteneinnahme. Schlaf, Puls und Aktivität kommen aus Apple Health dazu.
  • Messen mit Geräten: Meist misst nicht die App, sondern ein Gerät: eine Manschette, ein Sensor, eine Uhr. Die App zeigt, was ankommt. Sam misst selbst nichts, es liest, was Apple Health ablegt. Eine Apple Watch misst keinen Blutdruck. Wie Apple Health und andere Apps zusammenspielen, steht in Apple Health vs. Drittanbieter-Apps.
  • Briefe ablegen: Arztbriefe, Befunde und Medikationsplan als Foto oder PDF, sortiert und unterwegs griffbereit. In Sam gehört das zu den medizinischen Dokumenten.
  • Berichten: Aus deinen Einträgen wird ein Verlauf mit Zeitraum und Zahlen, den du ausdruckst oder am Handy zeigst. In Sam ist das der Arztbericht als PDF, pro Programm einer. Was hineingehört, steht in Was gehört in einen Bericht für den Arzt?.

Alle fünf in einer App brauchst du nicht. Oft reicht eine Aufgabe, die zu deinem Alltag passt.

Was eine App nicht kann

Das gilt für Wellness-Apps, also Apps ohne medizinischen Zweck. Zu DiGA kommt weiter unten ein eigener Abschnitt.

  • Sie stellt keine Diagnose. Ein eingetragenes Symptom klärt nicht, woher es kommt.
  • Sie ändert keine Therapie. Medikamente und Dosis bestimmt deine Praxis.
  • Sie ersetzt keinen Termin. Auch ein gutes Tagebuch bleibt Gesprächsstoff, kein Befund.
  • Sie weiß nur, was du einträgst oder was ein verbundenes Gerät liefert. Ein leerer Tag heißt: keine Daten. Nicht: nichts passiert.
  • Sie hilft nur, wenn du sie nutzt. Drei Einträge im Monat ergeben meist noch keinen Verlauf.

Der Gewinn ist bescheiden: Du kommst mit Aufzeichnungen statt mit Erinnerungslücken zum Termin. Was das im Gespräch ändern kann, steht in Was Dokumentation wirklich ändert.

Krankheitsmanagement: Du managst, die App hält fest

Das Wort klingt nach einem Programm. Im Alltag sind es viele kleine Aufgaben: Rezepte besorgen, Termine halten, Beschwerden notieren, Fragen sammeln, Briefe aufheben. Das erledigst du. Eine App kann dir den Zettelkram abnehmen, entscheiden kann sie nicht.

Verwechsle das nicht mit dem DMP. Ein Disease-Management-Programm ist ein strukturiertes Behandlungsprogramm für eine chronische Erkrankung. Deine Krankenkasse bietet es an, umgesetzt wird es in Praxen, die daran teilnehmen. Eine App ist kein DMP. Wie so ein Termin abläuft, steht im Überblick zum DMP-Quartalstermin. Laut DAK sind im DMP Arzttermine quartalsweise oder mindestens halbjährlich vorgesehen. Anträge und Zuzahlungsfragen klärst du bei deiner Krankenkasse.

DiGA oder Wellness-App: zwei verschiedene Dinge

Eine DiGA ist eine digitale Gesundheitsanwendung. Sie ist ein CE-gekennzeichnetes Medizinprodukt. Es soll bei der Behandlung, Überwachung oder Linderung von Erkrankungen unterstützen. Du findest sie im DiGA-Verzeichnis des BfArM. Der Hersteller muss dafür unter anderem Anforderungen an Datenschutz und Informationssicherheit erfüllen und positive Versorgungseffekte belegen. Bei einer vorläufigen Aufnahme zur Erprobung steht dieser Nachweis noch aus.

Deine Ärztin oder dein Arzt kann eine DiGA verschreiben. Du kannst sie auch bei deiner Krankenkasse beantragen, wenn du ein Dokument mit deiner aktuellen Diagnose vorlegst, etwa einen Arztbrief. Die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten. Laut gesund.bund.de gibt es DiGA unter anderem bei Migräne, Rückenschmerzen und Diabetes mellitus.

Eine Wellness-App verfolgt keinen medizinischen Zweck. Sie steht nicht im Verzeichnis, und du bekommst sie nicht auf Rezept. Fitness- und Präventions-Apps zählen laut gesund.bund.de nicht zu den DiGA.

Eine DiGA ergänzt eine Behandlung, über die du mit deiner Praxis sprichst. Eine Wellness-App ist dein eigenes Werkzeug zum Festhalten. Ob eine App ein Medizinprodukt ist, entscheidet der Zweck, den der Hersteller in Kennzeichnung, Anleitung oder Werbung nennt. So legt es die EU-Leitlinie MDCG 2019-11 aus. Mehr dazu in Wellness-App oder Medizinprodukt?.

Fünf Fragen vor dem Download

Die Techniker Krankenkasse schreibt, dass sich Gesundheits-Apps in Nutzen und Qualität oft stark unterscheiden. Mit diesen fünf Fragen prüfst du eine App, bevor du ihr Daten gibst.

  1. Passt sie zu deiner Erkrankung, und verlangt sie einen Nachweis? Manche Apps sind für eine Erkrankung gebaut, andere für mehrere. Das zählt, wenn du mehrere Erkrankungen hast. Eine Übersichtsarbeit in JAMA Network Open (2025) suchte für eine fiktive Patientin mit fünf Erkrankungen nach digitalen Gesundheitstechnologien. Unter den 148 Treffern aus FDA-Datenbanken und der ORCHA-Bibliothek waren Geräte und Apps. Nur 5 (3,4 Prozent) waren für zwei oder mehr Erkrankungen gedacht. Über den deutschen Markt sagt das wenig. Manche Programme fragen beim Start, ob eine Ärztin oder ein Arzt die Erkrankung festgestellt hat. Ohne ärztliche Feststellung passt eher eine App mit allgemeinem Symptomtagebuch. Beschwerden ohne Diagnose klärst du zuerst mit deiner Praxis.
  2. Hält sie fest, oder ordnet sie ein? Manche Apps zeigen nur deine Einträge. Andere ordnen sie ein, mit Punktzahlen, Ampelfarben oder Hinweisen. Beides kann nützlich sein. Du solltest wissen, was du bekommst und wer für eine Einordnung geradesteht. Lies, welchen Zweck der Anbieter nennt. Macht er medizinische Aussagen, frag nach der CE-Kennzeichnung.
  3. Kannst du etwas zum Arzttermin mitnehmen? Ein PDF, einen Ausdruck oder eine Ansicht, die du am Handy zeigst. Teste das mit drei erfundenen Probeeinträgen, bevor du dich an die App gewöhnst. Steht der Zeitraum oben? Haben die Zahlen ein Zeitfenster? Frag deine Praxis, was sie sehen möchte.
  4. Was kostet sie, und was ist kostenlos? Schau in den Store-Eintrag. Was schaltet die Bezahlversion frei, was begrenzt die kostenlose: Einträge, Dokumente, Programme, Export? Ein Probemonat ist keine kostenlose App. Kläre auch, was mit deinen Einträgen passiert, wenn du nicht weiterzahlst.
  5. Wer steht dahinter, und was sagt die Datenschutzerklärung? Finde den Anbieter und prüfe, ob er erreichbar ist. Prüfe, ob es eine DiGA oder eine Wellness-App ist, siehe oben. Lies die Datenschutzerklärung, bevor du Gesundheitsdaten eingibst. Nach Art. 13 DSGVO muss sie unter anderem nennen, wer verantwortlich ist, wofür die Daten verarbeitet werden, wie lange sie gespeichert werden und welche Rechte du hast. Eine Liste mit sieben Punkten steht in Sind Gesundheits-Apps DSGVO-konform?. Fehlt etwas, frag den Anbieter.

Ein Beispiel, erfunden: Du hast seit zwei Jahren Bluthochdruck und willst deine Werte zum Quartalstermin zeigen. Du lädst eine App, trägst drei erfundene Werte ein und suchst den Export. Nach fünf Minuten weißt du, ob die App für diesen Zweck taugt.

Zum Gegenprüfen bietet die TK das interaktive Tool "Check die App" an. Laut TK hilft es, die Qualität einer Gesundheits-App zu bewerten.

Einträge, Dokumente und Arztbericht in Sam an einem Ort führen

Du kommst mit einem Verlauf und einem Arztbericht (PDF) in den Termin, statt aus dem Gedächtnis zu berichten.

  • Symptome trägst du in Sam mit Datum ein, in den Programmen auch Anfälle und Medikamenteneinnahme. Schlaf, Puls und Aktivität kommen aus Apple Health dazu. Statt Notizen-App und Zettel steht alles an einem Ort.
  • Arztbriefe und Befunde legst du als Foto oder PDF bei den medizinischen Dokumenten ab, statt sie in Screenshots zu suchen.
  • Pro Programm gibt es einen Arztbericht als PDF, den du ausdruckst oder am Handy zeigst. Für acht Erkrankungen gibt es ein Programm, ohne ärztliche Feststellung bleibt das Symptomtagebuch.

Sam ist keine DiGA und nicht verschreibbar, und für Diabetes, Vorhofflimmern oder Herzschwäche gibt es kein eigenes Programm.

Sam kostenlos ausprobieren

Sam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.

Quellen

Stand: Oktober 2026

Häufige Fragen

Sind Gesundheits-Apps bei chronischer Erkrankung sinnvoll?+

Sie können beim Erinnern, Aufschreiben, Ablegen und Berichten helfen, wenn du sie regelmäßig nutzt. Sie ersetzen keine Praxis. Prüfe vor dem Download, welche Aufgabe die App übernimmt, was du zum Arzttermin mitnehmen kannst, was sie kostet und wer dahintersteht.

Welche App für chronisch Kranke passt zu mir?+

Das hängt von der Aufgabe ab, die du abgeben willst: erinnern, aufschreiben, Messwerte sammeln, Briefe ablegen oder berichten. Prüfe dann fünf Dinge: Passt sie zu deiner Erkrankung, hält sie fest oder ordnet sie ein, gibt es ein PDF für den Termin, was kostet sie, wer steht dahinter. Drei erfundene Probeeinträge und ein Test-Export zeigen schnell, ob sie passt.

Was kann eine App bei chronischer Erkrankung nicht?+

Eine Wellness-App stellt keine Diagnose, ändert keine Therapie und ersetzt keinen Arzttermin. Sie kennt nur, was du einträgst oder was ein verbundenes Gerät liefert: Ein leerer Tag heißt keine Daten, nicht dass nichts passiert ist. Einordnen und entscheiden bleibt bei deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Was ist der Unterschied zwischen einer DiGA und einer Wellness-App?+

Eine DiGA ist ein CE-gekennzeichnetes Medizinprodukt, steht im DiGA-Verzeichnis des BfArM und kann verschrieben werden. Die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten. Eine Wellness-App hat keinen medizinischen Zweck, steht nicht im Verzeichnis und gibt es nicht auf Rezept.

Was bedeutet Krankheitsmanagement im Alltag?+

Es sind viele kleine Aufgaben, die du selbst erledigst: Rezepte, Termine, Beschwerden notieren, Fragen sammeln, Briefe aufheben. Du managst, eine App hilft dir beim Festhalten und Mitbringen. Nicht gemeint ist das DMP, ein strukturiertes Behandlungsprogramm, das deine Krankenkasse anbietet.

Wie prüfe ich den Datenschutz einer Gesundheits-App?+

Lies die Datenschutzerklärung, bevor du Gesundheitsdaten eingibst. Nach Art. 13 DSGVO muss sie unter anderem nennen, wer verantwortlich ist, wofür die Daten verarbeitet werden, wie lange sie gespeichert werden und welche Rechte du hast. Fehlt etwas, frag den Anbieter.

Wie kommt der Verlauf aus der App zum Arzttermin?+

Über ein PDF, einen Ausdruck oder eine Ansicht, die du am Handy zeigst. Teste das vor dem Download mit drei erfundenen Probeeinträgen und achte darauf, dass der Zeitraum oben steht. In Sam entsteht pro Programm ein Arztbericht als PDF. Frag deine Praxis, was sie sehen möchte.

Brauche ich für eine Gesundheits-App eine Apple Watch?+

Das hängt von der App ab. Ein Tagebuch oder eine Erinnerung kommt ohne Uhr aus. Manche Apps lesen Werte aus Apple Health. Sam braucht ein iPhone mit Apple Health und liest, was deine Apple Watch oder ein anderes Wearable dort ablegt. Welche Werte ankommen, hängt vom Gerät ab. Eine Apple Watch misst keinen Blutdruck.