Migräne und Epilepsie: Was Studien zum gemeinsamen Vorkommen sagen und was du zum Termin mitbringst
Kommen Migräne und Epilepsie zusammen vor? Was eine Metaanalyse mit 1,5 Millionen Menschen zeigt, was sie nicht zeigt und was du zu welchem Termin mitbringst.
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Ja, Migräne und Epilepsie kommen häufiger zusammen vor als bei Menschen ohne die jeweils andere Erkrankung. Eine Metaanalyse von 2015 mit 1.548.967 Menschen fand Migräne bei Menschen mit Epilepsie um 52 Prozent häufiger und Epilepsie bei Menschen mit Migräne um 79 Prozent häufiger. Das beschreibt ein gemeinsames Vorkommen, keine Ursache. Wenn du beides hast, hältst du am besten zwei getrennte Verläufe fest, zum Beispiel in Sam, wo jedes Programm seinen eigenen Verlauf hat. Wie du beide Programme in Sam führst, steht auf der Seite Migräne und Epilepsie: zwei Verläufe, zwei Berichte.
Dieser Text nennt die Zahlen und ihre Grenzen. Danach geht es um das, was du für jede Erkrankung aufschreibst und zu welchem Termin du es mitnimmst. Er hilft dir nicht dabei, eine Aura von einem Anfall zu unterscheiden. Das ordnet deine Neurologin oder dein Neurologe ein.
Was Studien zum gemeinsamen Vorkommen beschreiben
Eine Metaanalyse im European Journal of Neurology von 2015 wertete zehn Bevölkerungsstudien aus. Zusammen umfassten sie 1.548.967 Menschen. Verglichen wurde, wie häufig Migräne bei Menschen mit Epilepsie vorkommt und Epilepsie bei Menschen mit Migräne. Gemeint ist die Häufigkeit über das ganze Leben.
- Migräne war bei Menschen mit Epilepsie um 52 Prozent häufiger als bei Menschen ohne Epilepsie (Verhältnis 1,52; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,29 bis 1,79).
- Epilepsie war bei Menschen mit Migräne um 79 Prozent häufiger als bei Menschen ohne Migräne (Verhältnis 1,79; Konfidenzintervall 1,43 bis 2,25).
Das beschreibt ein gemeinsames Vorkommen. Über Ursache und Wirkung sagt es nichts. Die Autoren nennen außerdem Schwächen. Nur wenige Studien nutzten geprüfte Verfahren, um die Erkrankungen festzustellen. Andere Einflüsse wurden uneinheitlich berücksichtigt. Sie fordern bessere Studien.
Eine Übersichtsarbeit von 2018 fragt schon im Titel, ob beide Erkrankungen Komorbiditäten sind. Sie nennt Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Zur Einordnung: Nach gesundheitsinformation.de hat statistisch knapp 1 von 100 Menschen eine Epilepsie. Wiederkehrende Migräneattacken haben etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern. Was diese Zahlen für dich bedeuten, kann keine Studie sagen.
Warum die Einordnung bei der Neurologie bleibt
Beide Erkrankungen gehören zur Neurologie, und im Erleben können sie sich überschneiden. Eine Übersichtsarbeit in der Revue Neurologique (2021) beschreibt, dass die Einordnung dadurch schwierig werden kann. Das gelte besonders für eine Aura mit Sehstörungen. Kopfschmerz nach einem Anfall nennt die Arbeit häufig.
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft beschreibt in ihrer Klassifikation zudem ein seltenes Ereignis: Ein epileptischer Anfall tritt während oder kurz nach einer Migräneattacke mit Aura auf.
Für dich heißt das: Du musst das nicht entscheiden, und dein Protokoll entscheidet es auch nicht. Schreib auf, was du erlebt hast. Wann es war, wie lange es dauerte und in welcher Reihenfolge es ablief. Ob du bei Bewusstsein warst und was andere gesehen haben. Bist du nicht sicher, was es war, schreib auch das dazu. Frag deine Praxis, wie sie solche Ereignisse in deinem Protokoll geführt haben möchte. Kopfschmerzen nach einem Anfall notierst du beim Anfall und sprichst sie an.
Warum zwei Verläufe statt einer Liste
Im Alltag heißen beide Ereignisse "Anfall". Im Protokoll brauchen sie zum Teil verschiedene Angaben.
Für die Migräne beschreibt das IQWiG ein Tagebuch. Darin hält man zum Beispiel fest, wie schwer und lang eine Attacke war, was dabei geschah, was man davor gegessen oder getrunken hat und welche Medikamente man genommen hat. Der Fragebogen der Deutschen Epilepsievereinigung zum Anfall fragt nach der Tageszeit, der Dauer und danach, was davor, währenddessen und danach geschah. Er weist darauf hin, dass eine Person, die den Anfall gesehen hat, bei den Antworten helfen kann.
Schreibst du beides in eine Spalte, sind die Monatszahlen schwer lesbar. Fünf Migränetage und ein Anfall sind zwei verschiedene Aussagen. Getrennte Verläufe lassen jede Zahl für sich stehen. Ob dieselbe Praxis beides betreut oder zwei Praxen, ändert daran nichts.
Was du für jede Erkrankung festhältst
Migräne
- Beginn und Dauer der Attacke, auch grob: unter vier Stunden, bis zu einem Tag, mehrere Tage.
- Die Stärke: leicht, mittel oder stark.
- Begleitbeschwerden wie Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit.
- Ob eine Aura vorausging.
- Ob du ein Akutmedikament genommen hast, mit Name oder Wirkstoffklasse.
- Ein Satz dazu, was davor war. Das ist deine Vermutung, kein Beleg.
Einmal im Monat lohnt ein Blick auf die Einschränkung. Der Fragebogen MIDAS zählt, an wie vielen Tagen der letzten drei Monate Migräne Arbeit, Haushalt oder Freizeit beeinträchtigt hat. Du kannst ihn im MIDAS-Rechner ausfüllen. Was in einen Kalender gehört, steht in Kopfschmerzkalender: Vorlage oder App?.
Epilepsie
- Wann der Anfall war: Datum, Uhrzeit, Tag oder Nacht.
- Welche Art von Anfall es war, so wie deine Neurologin oder dein Neurologe sie benannt hat. Weißt du es nicht, schreib "unsicher".
- Wie lange der Anfall dauerte, grob.
- Ob du das Bewusstsein verloren hast und ob du dich verletzt hast.
- Ob jemand den Anfall gesehen hat. Manche Menschen erinnern sich nicht an den Anfall selbst. Dann kann eine andere Person beschreiben, was passiert ist.
- Ein vermuteter Auslöser, zum Beispiel wenig Schlaf. Auch das ist eine Vermutung.
- Bei festen täglichen Einnahmen: ob du sie genommen hast.
In Sam hat jede Erkrankung ihr eigenes Programm. Im Migräne-Programm stehen Beginn, Stärke, Dauer, Begleitbeschwerden, Aura und Notiz im Eintrag, im Epilepsie-Programm Art, Bewusstsein, Verletzung, Zeugen, vermuteter Auslöser und Notiz. Schlaf und Herzfrequenzvariabilität kommen bei Einträgen für heute aus Apple Health dazu, bei der Epilepsie auch der Ruhepuls. Tägliche Einnahmen hakst du im Epilepsie-Programm ab.
Mehr dazu steht im Epilepsie-Anfallsprotokoll: Daten zur Arztvisite nutzen und in Epilepsie: die ersten Wochen.
Für beide Verläufe gelten dieselben zwei Gewohnheiten. Trag am selben Tag ein, nicht drei Wochen später. Und nutze immer dieselben Felder.
Zwei Termine, zwei Berichte
Die Praxis für deine Migräne fragt typischerweise, an wie vielen Tagen du Migräne hattest und an wie vielen davon du ein Akutmedikament genommen hast. Dazu kommen die Dauer der Attacken und die Frage, wie stark sie dich eingeschränkt haben. Die Praxis für deine Epilepsie fragt typischerweise nach der Zahl der Anfälle, ihrer Art und danach, ob sie nachts oder tagsüber auftraten. Bei fester täglicher Einnahme kommt dazu, wie sie lief.
Ein Beispiel mit erfundenen Zahlen, vier Wochen im Herbst:
- Zur Migräne: "An 6 von 28 Tagen Migräne, an 4 davon ein Akutmedikament. Zwei Attacken dauerten länger als einen Tag."
- Zur Epilepsie: "Ein Anfall, nachts, jemand hat ihn gesehen. Von 28 Dosen habe ich 27 abgehakt."
Du liest vor, statt dich zu erinnern. In Sam kommt jeder Bericht als PDF aus dem jeweiligen Programm. Betreut eine Praxis beides, zeigst du beide Verläufe. Zu beiden Terminen gehört deine vollständige Medikamentenliste. Welche Mittel du wofür nimmst, legt deine Praxis fest. Was sonst in die Mappe gehört, steht in der Checkliste für den Arzttermin. Wie ein Bericht aus einer App aufgebaut sein sollte, zeigt Was gehört in einen Bericht für den Arzt?.
Notfall, Führerschein, Erste Hilfe: wo es verlässlich steht
Dafür gibt dieser Text keine Regeln vor. Verlässliche Seiten sind:
- gesundheitsinformation.de: "Was tun, wenn jemand einen epileptischen Anfall hat?"
- Deutsche Epilepsievereinigung: Erste Hilfe, Epilepsie und Führerschein, kostenloses Beratungstelefon.
Fragen zur Fahreignung besprichst du mit deiner behandelnden Ärztin oder deinem behandelnden Arzt. Den Notruf 112 wählst du laut IQWiG unter anderem, wenn ein Anfall länger als fünf Minuten dauert, mehrere Anfälle hintereinander kommen, Atemprobleme oder Verletzungen auftreten, die Person nicht wieder zu sich kommt oder es der erste Anfall ist. Plötzliche Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehprobleme sind laut gesund.bund.de typische Anzeichen eines Schlaganfalls und ebenfalls ein Fall für die 112. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Das gilt für Beschwerden, die nicht lebensbedrohlich sind und nicht bis zum nächsten Tag warten können.
Verläufe in Sam getrennt festhalten und je einen Bericht mitnehmen
Jedes Programm liefert dir einen eigenen PDF-Bericht für den Termin: den Migräneverlauf aus dem Migräne-Programm für die eine Praxis, den Anfallsverlauf aus dem Epilepsie-Programm für die andere.
- Statt einer gemeinsamen Liste auf Papier oder in der Notizen-App: Jede Erkrankung hat eigene Felder, die Monatszahlen bleiben getrennt lesbar.
- Statt Apple Health allein: Schlaf und Herzfrequenzvariabilität stehen bei neuen Einträgen neben deinem Eintrag, bei der Epilepsie auch der Ruhepuls.
- Statt Erinnerung aus dem Kopf: Die Berichte nennen Migränetage, Anfälle nach Art und davon nachts.
Einen gemeinsamen Bericht gibt es nicht, und jedes Programm setzt voraus, dass eine Ärztin oder ein Arzt die Erkrankung festgestellt hat.
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Quellen
Stand: Oktober 2026
- Keezer et al.: The comorbid relationship between migraine and epilepsy: a systematic review and meta-analysis. European Journal of Neurology 2015;22(7):1038-47
- Relationships between migraine and epilepsy: Pathophysiological mechanisms and clinical implications. Revue Neurologique 2021;177(7):791-800
- Epilepsy and migraine: Are they comorbidity? Genes & Diseases 2018;5(2):112-118
- International Headache Society: ICHD-3, 1.4.4 Migraine aura-triggered seizure
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Epilepsie (aktualisiert am 5. April 2023)
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Migräne (aktualisiert am 13. Juli 2022)
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Was tun, wenn jemand einen epileptischen Anfall hat? (aktualisiert am 5. April 2023)
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Kopfschmerzkalender (PDF)
- Stewart et al.: Development and testing of the Migraine Disability Assessment (MIDAS) Questionnaire. Neurology 2001;56(6 Suppl 1):S20-8
- Deutsche Epilepsievereinigung: Fragebogen zu Ihrem Anfall (PDF in Leichter Sprache, 2019)
- Deutsche Epilepsievereinigung: Erste Hilfe
- Deutsche Epilepsievereinigung: Epilepsie und Führerschein
- Deutsche Epilepsievereinigung: Kostenloses Beratungstelefon
- gesund.bund.de: Schlaganfall (Stand 16.12.2022)
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117
Mehr zum Festhalten und Mitnehmen
Häufige Fragen
Wie häufig kommen Migräne und Epilepsie zusammen vor?+
Eine Metaanalyse von zehn Bevölkerungsstudien mit 1.548.967 Menschen (2015) fand Migräne bei Menschen mit Epilepsie um 52 Prozent häufiger und Epilepsie bei Menschen mit Migräne um 79 Prozent häufiger als bei Menschen ohne die jeweils andere Erkrankung. Die Autoren nennen Schwächen bei der Feststellung der Erkrankungen.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Migräne und Epilepsie?+
Studien beschreiben ein gemeinsames Vorkommen, keine Ursache. Eine Übersichtsarbeit von 2018 fragt schon im Titel, ob es Komorbiditäten sind. Eine Übersichtsarbeit von 2021 nennt die Beziehung vielschichtig. Was das für dich bedeutet, kann kein Tagebuch klären. Das besprichst du mit deiner Neurologin oder deinem Neurologen.
Kann ich Migräne und Epilepsie in einem Tagebuch festhalten?+
Am selben Ort ja, in derselben Liste besser nicht. Deine Praxis fragt bei beiden zum Teil Verschiedenes. Führe zwei Verläufe: für Migräneattacken Beginn, Stärke, Dauer und Akutmedikament, für Anfälle zum Beispiel Art, Bewusstsein, Zeugen und Tageszeit.
Kann eine App klären, ob es Migräne oder ein epileptischer Anfall war?+
Nein. Sam stellt keine Diagnose. Die Einträge zeigen, was du erlebt hast. Die Zuordnung trifft deine Neurologin oder dein Neurologe. Hilfreich für sie: wann es war, wie lange es dauerte, was vorausging und ob jemand es gesehen hat.
Welchen Bericht nehme ich zu welchem Arzttermin mit?+
Zur Praxis für die Migräne den Migräne-Verlauf mit Migränetagen und Dauer. Zur Praxis für die Epilepsie den Anfallsverlauf mit Anfällen nach Art und davon nachts, dazu die Einnahmen laut Plan, wenn du sie abgehakt hast. Betreut eine Praxis beides, zeigst du beide. In Sam hat jedes Programm seinen eigenen Arztbericht als PDF, einen gemeinsamen Bericht gibt es nicht.
Wie halte ich Migräne und Epilepsie in Sam getrennt fest?+
Jede Erkrankung hat in Sam ein eigenes Programm mit eigenem Verlauf und eigenem Arztbericht als PDF. Beim Start eines Programms bestätigst du, dass eine Ärztin oder ein Arzt die Erkrankung festgestellt hat. Einen gemeinsamen Bericht gibt es nicht.
Wo steht, was bei einem epileptischen Anfall zu tun ist und ob ich Auto fahren darf?+
Dafür gibt dieser Text keine Regeln vor. Verlässlich stehen sie bei gesundheitsinformation.de und bei der Deutschen Epilepsievereinigung (Erste Hilfe, Führerschein, Beratungstelefon). Fragen zur Fahreignung besprichst du mit deiner behandelnden Ärztin oder deinem behandelnden Arzt. Den Notruf 112 wählst du laut IQWiG unter anderem, wenn ein Anfall länger als fünf Minuten dauert, mehrere Anfälle hintereinander kommen, Atemprobleme oder Verletzungen auftreten, die Person nicht wieder zu sich kommt oder es der erste Anfall ist.