Rückenschmerzen: Welcher Arzt hilft wann? Hausarzt, Orthopädie, Neurologie, Rheumatologie und Schmerztherapie
Rückenschmerzen, welcher Arzt? Meist zuerst die Hausarztpraxis, dann je nach Befund eine Fachrichtung. Welche Zeichen nicht warten, steht hier.
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Der Rücken schmerzt seit Wochen, und du weißt nicht, ob du in die Hausarztpraxis, in die Orthopädie oder gleich zur Schmerztherapie gehst. Meist führt der erste Weg in die Hausarztpraxis, Fachärztinnen und Fachärzte kommen je nach Befund dazu. Bis zum Termin hältst du Schmerzen im unteren Rücken für jeden Tag im Symptomtagebuch von Sam fest, und daraus kannst du selbst einen Monatsbericht mit deinen Symptomtagen und häufigsten Symptomen als PDF erstellen (dafür gelten Voraussetzungen, siehe unten).
Dieser Beitrag ordnet, wer wann zuständig ist, wie du an Termine kommst und was du mitbringst. Ab wann Rückenschmerzen chronisch sind und was in ein Rückenschmerz-Tagebuch gehört, steht im Beitrag Chronische Rückenschmerzen: Ab wann, was festhalten. Was Sam bei Rückenschmerzen festhält, zeigt die Übersicht zu chronischen Rückenschmerzen.
Zu welchem Arzt gehst du zuerst mit Rückenschmerzen?
Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, schreibt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Hausärztinnen und Hausärzte haben laut gesund.bund.de eine Lotsenfunktion: Sie kennen deine Vorgeschichte und überweisen, wenn nötig.
Du musst aber nicht dort anfangen. Die freie Arztwahl gilt auch für Fachärztinnen und Fachärzte, du kannst also direkt in eine orthopädische Praxis gehen. Das IQWiG beschreibt für beide Wege denselben Anfang: Die Hausärztin oder der Orthopäde stellt zunächst Fragen und untersucht dich. Hast du mit deiner Kasse einen Hausarzttarif abgeschlossen, kann das die freie Wahl einschränken.
Wichtiger als die Fachrichtung ist ein fester Ansprechpartner. Die Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz rät, dass eine Ärztin oder ein Arzt die Rolle eines Lotsen übernimmt. Diese Person behält den Überblick, veranlasst Untersuchungen, überweist in Facharztpraxen oder ins Krankenhaus und erfährt alle Ergebnisse. Das kann deine Hausarztpraxis sein oder eine Facharztpraxis, die dich betreut. Die Patientenleitlinie stammt von 2017 und ist laut NVL-Programm nicht mehr gültig.
Wie untersucht die Praxis deinen Rücken?
Am Anfang stehen Gespräch und körperliche Untersuchung. Welche Fragen typisch sind, steht im Beitrag zu chronischen Rückenschmerzen. Bei der Untersuchung achtet die Ärztin oder der Arzt laut Patientenleitlinie auf Haltung und Form der Wirbelsäule. Dazu tastet sie oder er die Rückenmuskeln ab und prüft, wie beweglich Wirbelsäule und Becken sind.
Strahlen die Schmerzen ins Bein aus, gehört eine neurologische Untersuchung dazu. Geprüft werden Muskelkraft, Gefühl und Reflexe der Beine. Bei einem Test wird dein gestrecktes Bein im Liegen angehoben. Ein scharfer Schmerz bis in den Fuß kann auf gereizte Nervenwurzeln hinweisen. Das IQWiG beschreibt dasselbe: Die Ärztin oder der Arzt dehnt den Ischiasnerv und prüft die Reflexe an Knien und Füßen.
Ergeben Gespräch und Untersuchung keine Hinweise auf eine ernste Ursache, sollen laut Leitlinie zunächst keine weiteren Untersuchungen folgen, auch kein Röntgen und kein MRT. Wann ein Bild doch nötig wird, erklärt der verlinkte Beitrag oben. Für ein MRT brauchst du eine Überweisung, denn die Radiologie arbeitet laut gesund.bund.de nur auf Überweisung.
Was passiert bei Hinweisen auf gereizte Nerven?
Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen, Gefühlsstörungen oder Lähmungen zählen laut Patientenleitlinie (Fassung von 2017, nicht mehr gültig) zu den Hinweisen auf eine Nervenschädigung. Findet die Praxis solche Hinweise, soll sie je nach Dringlichkeit und Verdacht weitere Untersuchungen veranlassen oder in eine Facharztpraxis überweisen. Die Neurologie nennt die Leitlinie unter den Fachrichtungen, die an der Versorgung von Kreuzschmerzen beteiligt sein können. In welche Facharztpraxis du kommst, entscheidet deine Praxis nach dem Befund.
Die Dringlichkeit entscheidet über den Weg, nicht der nächste freie Termin. Starke Beschwerden oder gar Lähmungserscheinungen im Bein sollten laut IQWiG sofort ärztlich abgeklärt werden. Dann wartest du nicht auf eine Überweisung, sondern holst dir sofort ärztliche Hilfe. Bei Taubheit oder Schwäche in beiden Beinen und bei Problemen mit Blase oder Darm wählst du die 112. Die Zeichen dafür stehen im Abschnitt zur Notaufnahme weiter unten.
Wann kommt die Rheumatologie dazu?
Hinter manchen lange anhaltenden Rückenschmerzen steckt eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die axiale Spondyloarthritis. Die Patientenleitlinie nennt Hinweise, auf die Ärztinnen und Ärzte achten:
- Kreuzschmerzen, die länger als zwölf Wochen anhalten.
- Ein schleichender Beginn.
- Morgensteifigkeit, Besserung bei Bewegung, Verschlimmerung in Ruhe.
- Begleiterkrankungen wie Schuppenflechte, eine entzündliche Darmerkrankung, Gelenk- oder Sehnenentzündungen oder eine Entzündung der mittleren Augenhaut.
Ein einzelnes Zeichen hat laut Leitlinie eine geringe Aussagekraft, nur das Gesamtbild zählt. Diese Liste ist kein Test, den du an dir selbst machst. Fehlt ein Punkt, heißt das nicht, dass alles in Ordnung ist. Die britische Leitlinie NICE NG65 nennt für die Überweisung in die Rheumatologie eigene Kriterien, darunter Rückenschmerzen, die vor dem 45. Lebensjahr begannen und länger als drei Monate bestehen, zusammen mit weiteren Merkmalen.
Die S3-Leitlinie zur axialen Spondyloarthritis (Stand 2019) empfiehlt laut Deutschem Ärzteblatt, die Diagnose immer rheumatologisch zu sichern. Ob eine Überweisung dorthin sinnvoll ist, entscheidest du mit deiner Praxis. Für das Gespräch hilft es, die Minuten deiner Morgensteifigkeit zu notieren und ob Bewegung sie bessert.
Wann ist eine Schmerztherapie der nächste Schritt?
Laut Patientenleitlinie (Fassung von 2017, nicht mehr gültig) kann eine Schmerztherapie angebracht sein, wenn sich die Beschwerden in den letzten sechs Monaten verschlechtert haben oder du immer mehr Medikamente gegen die Schmerzen brauchst. Auch bei seelischen Belastungen und dem Bedarf an enger ärztlicher Betreuung kommt sie infrage.
Mehrere Fachleute sollen dich gemeinsam untersuchen und die Behandlung planen, etwa aus Schmerztherapie, Psychologie oder Psychiatrie und Physiotherapie. Das gilt laut Leitlinie in drei Fällen:
- Heftige, einschränkende Schmerzen halten trotz Behandlung über sechs Wochen an, und es kommen seelische oder arbeitsplatzbezogene Belastungen dazu.
- Heftige, einschränkende Schmerzen halten trotz Behandlung über zwölf Wochen an.
- Chronische Kreuzschmerzen werden schlimmer.
Reichen weniger intensive Behandlungen nicht aus, sieht die Leitlinie eine multimodale Schmerzbehandlung vor. Sie kombiniert Bewegung, psychologische Angebote, Schulungen und anderes und dauert mehrere Wochen, meist in kleinen Gruppen. Laut IQWiG läuft sie meist ambulant, manchmal teil- oder vollstationär in spezialisierten Kliniken. Dafür ist dann eine Einweisung ins Krankenhaus nötig. Eine Rehabilitation wird laut IQWiG über die Hausarztpraxis beantragt. Bist du länger als zwei Wochen arbeitsunfähig, sollte die Praxis laut Leitlinie prüfen, ob weitere Fachleute dazukommen.
Wer verordnet Physiotherapie?
Physiotherapie gehört zu den Heilmitteln. Damit die Krankenkasse sie bezahlt, brauchst du laut gesund.bund.de eine Verordnung. Die stellt üblicherweise eine Ärztin oder ein Arzt aus, also zum Beispiel deine Hausarzt- oder Orthopädiepraxis. Welche Bewegung und wie viel zu dir passt, klärst du dort und in der Physiotherapie. Das Symptomtagebuch gibt keine Übungen für den Rücken vor.
Wie kommst du an einen Facharzttermin?
Du kannst direkt bei einer Facharztpraxis anrufen, dich von deiner Hausarztpraxis überweisen lassen oder die Terminservicestelle unter 116 117 nutzen. Für die Terminservicestelle brauchst du für die meisten Fachrichtungen eine Überweisung mit Vermittlungscode, auch für Orthopädie und Neurologie. Ausgenommen sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung unter anderem Haus-, Augen- und Frauenarztpraxen. Die codierte Überweisung stellt laut Verbraucherzentrale deine Hausarztpraxis aus, wenn sie den Termin für dringlich hält.
Laut gesund.bund.de (Stand Dezember 2023) hat die Terminservicestelle mit Code bis zu einer Woche Zeit, dir einen Termin innerhalb von vier Wochen zu vermitteln. Fristen und Ausnahmen können sich ändern, aktuelle Angaben nennt die Terminservicestelle unter 116 117. Wie das genau läuft, steht im Ratgeber Facharzttermin bekommen. Werden die Beschwerden bis zum Termin deutlich stärker oder kommen neue dazu, meldest du dich in deiner Hausarztpraxis, ohne auf den Facharzttermin zu warten. Bei den Zeichen im Abschnitt zur Notaufnahme wartest du nicht.
Was gehört zum ersten Facharzttermin in die Tasche?
Gesund.bund.de rät, den Arztbesuch vorzubereiten. Für Rückenschmerzen heißt das:
- Versichertenkarte und, falls nötig, die Überweisung.
- Alle Befunde zu deinen Rückenschmerzen, etwa frühere Bildbefunde und Arztbriefe. Wie du Kopien bekommst, steht in Patientenakte anfordern.
- Eine Liste aller Medikamente mit genauer Dosis, auch was du nur bei Bedarf nimmst. Was draufgehört, steht in Medikamentenliste für den Arzt.
- Deine bisherigen Behandlungen, etwa Physiotherapie, und ob es danach besser, schlechter oder gleich war.
- Dein Verlauf der letzten Wochen: an wie vielen Tagen, wie stark, was im Alltag nicht ging.
- Deine Fragen auf einem Zettel, zum Beispiel: Was passiert, wenn ich nichts mache?
Die Patientenleitlinie rät, im Gespräch mitzuschreiben, um schriftliche Informationen zu bitten und Sorgen offen anzusprechen. Frag nach, wenn du einen Fachausdruck nicht verstehst. Die ganze Vorbereitung findest du in der Checkliste für den Arzttermin bei chronischer Erkrankung.
Notaufnahme, Bereitschaftsdienst oder Praxis: Wohin bei welchen Zeichen?
Rückenschmerzen haben nur selten eine ernste Ursache. Manche Zeichen gehören trotzdem nicht in eine Facharztpraxis, sondern sofort in ärztliche Hände. Die Stufen folgen dem britischen Gesundheitsdienst NHS, dem IQWiG, der Patientenleitlinie (Tabelle 2; Fassung von 2017, nicht mehr gültig) und der Patienteninformation zur Leitlinie.
Wähle sofort die 112 oder geh in die Notaufnahme, wenn zu Rückenschmerzen eines davon kommt:
- Schmerzen, Kribbeln, Schwäche oder Taubheit in beiden Beinen.
- Taubheit im Gesäß-, Genital- oder Analbereich.
- Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang oder Kontrollverlust über Blase oder Darm.
- Ein verändertes Gefühl an Penis oder Scheide beim Sex, Erektionsprobleme oder kein Orgasmus mehr.
- Brustschmerzen.
- Schmerzen nach einem schweren Unfall, etwa einem Autounfall.
Fahr in diesen Fällen nicht selbst. Lass dich fahren oder ruf über die 112 den Rettungsdienst.
Hol dir sofort ärztliche Hilfe und warte nicht auf deinen nächsten Termin, wenn eines davon auftritt. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
- Lähmungserscheinungen, starke Beschwerden, neue Taubheit oder zunehmende Schwäche in einem Bein.
- Fieber, Schüttelfrost, Nachtschweiß oder ein allgemeines Krankheitsgefühl.
- Sehr starke Schmerzen, die plötzlich beginnen oder schnell zunehmen.
Lass es ärztlich abklären, wenn eines davon zutrifft:
- Ungewollter Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit oder ein Gefühl allgemeiner körperlicher Schwäche.
- Eine frühere Krebserkrankung.
- Starke Schmerzen nachts oder in Ruhe.
- Schmerzen, die nachts schlimmer werden, in Rückenlage zunehmen oder sich in Ruhe nicht bessern.
- Schmerzen nach einem Sturz oder, bei Osteoporose, nach schwerem Heben oder einer unglücklichen Drehung der Wirbelsäule.
- Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen, besonders über das Knie hinaus oder bis in den Fuß, auch mit Taubheit, Kribbeln oder Schwäche.
- Mehrere Hinweise auf einen entzündlichen Rückenschmerz zusammen: Schmerzen über mehr als zwölf Wochen, schleichender Beginn, Morgensteifigkeit mit Besserung bei Bewegung und Verschlimmerung in Ruhe.
- Rückenschmerzen zusammen mit Schuppenflechte, einer entzündlichen Darmerkrankung, Gelenk- oder Sehnenentzündungen oder einer Entzündung der mittleren Augenhaut.
- Eine Beule oder Schwellung am Rücken, oder der Rücken hat seine Form verändert.
- Schmerzen, die beim Niesen, Husten oder Stuhlgang schlimmer werden.
- Schmerzen oben zwischen den Schulterblättern statt im unteren Rücken.
- Rückenschmerzen, die nach einigen Wochen Behandlung zu Hause nicht besser werden, dich bei alltäglichen Dingen stoppen oder dir Sorgen machen.
Bei den Zeichen der ersten beiden Gruppen wartest du nicht ab, ob es vorbeigeht. Auch bei der dritten Gruppe ersetzt ein Eintrag im Tagebuch die ärztliche Abklärung nicht.
Was hältst du in Sam fest?
Im Symptomtagebuch von Sam trägst du Schmerzen im unteren Rücken und Morgensteifigkeit für jeden Tag als leicht, mittel oder stark ein. Auch Muskelschwäche, Taubheit und Kribbeln lassen sich eintragen, dort tippst du eine grobe Körperregion an, etwa den linken Unterschenkel. Neue Taubheit oder zunehmende Schwäche in einem Bein trägst du nicht nur ein: Sie brauchen sofort ärztliche Hilfe, siehe den Abschnitt zur Notaufnahme. Eine Skala von 0 bis 10, Uhrzeiten und Notizen gibt es nicht, die bleiben auf Papier. Sam gibt zu deinen Einträgen keine medizinische Einschätzung ab.
Den Monatsbericht erstellst du selbst. Auf der verlinkten Seite steht auch der Arztbericht; den gibt es nur in den Tagebüchern bestimmter Erkrankungen, für Rückenschmerzen nicht. Der Monatsbericht braucht erlaubte Mitteilungen, den Zugriff auf Apple Health und eine Antwort auf die Frage nach chronischen Erkrankungen. Ab dem zweiten Bericht musst du außerdem an mindestens 15 der letzten 30 Tage festgehalten haben, wie es dir ging: gut, etwas angeschlagen oder krank. Symptomeinträge zählen dafür nicht. Befunde wie einen bildgebenden Befund oder einen Arztbrief legst du in den Medizinischen Dokumenten ab. Schmerzmittel, die du nur bei Bedarf nimmst, trägst du in deiner Medikamentenliste ein und hakst jede Einnahme ab; eine Erinnerung gibt es dafür nicht. Mehr in der Übersicht zu chronischen Rückenschmerzen.
Rückentage bis zum Facharzttermin in Sam festhalten
Du kommst mit gezählten Symptomtagen und deinen Befunden an einem Ort zum Termin, statt Wochen aus dem Gedächtnis zu schätzen.
- Statt Zettel in der Jackentasche: Schmerzen im unteren Rücken trägst du am Handy für jeden Tag als leicht, mittel oder stark ein.
- Statt Strichliste: Den Monatsbericht erstellst du selbst; das PDF zeigt deine Symptomtage im Kalender und deine fünf häufigsten Symptome.
- Statt Mappe mit losen Blättern: Bildbefunde und Arztbriefe legst du in den Medizinischen Dokumenten ab und öffnest sie im Sprechzimmer.
Eine Skala von 0 bis 10, Uhrzeiten und Notizen hält das Symptomtagebuch nicht fest, und für den Monatsbericht gelten die Voraussetzungen oben. Neue Taubheit oder zunehmende Schwäche in einem Bein gehört sofort zur Ärztin oder zum Arzt, nicht nur ins Tagebuch. Mehr in der Übersicht zu chronischen Rückenschmerzen.
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- Chronische Rückenschmerzen: Ab wann, was festhalten
- Rückenschmerzen ohne Befund: Was das MRT nicht zeigt
- Facharzttermin bekommen: 116 117, Überweisung, Code
- Arzttermin bei chronischer Erkrankung: Checkliste für dich
- Welcher Arzt bei Fibromyalgie? Diagnose und Abklärung
- Medikamentenliste für den Arzt: Was drauf gehört
Quellen
Stand: Oktober 2026
- Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF): Patientenleitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage (PDF) (2017; Kapitel 6, 7 und 9; laut Themenseite nicht mehr gültig)
- Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin: Patienteninformation "Aktiv gegen dauerhafte Kreuzschmerzen" (PDF) (4. Auflage 2018)
- IQWiG (gesundheitsinformation.de): Rücken- und Kreuzschmerzen (aktualisiert 20. August 2025)
- IQWiG (gesundheitsinformation.de): Rückenschmerzen: Wann zur Ärztin oder zum Arzt? (aktualisiert 20. August 2025)
- Bundesministerium für Gesundheit (gesund.bund.de): Arztwahl und Terminsuche (Stand 08.12.2023)
- Bundesministerium für Gesundheit (gesund.bund.de): Heilmittel: Kostenübernahme durch die Krankenkasse (Stand 19.08.2026)
- Bundesministerium für Gesundheit (gesund.bund.de): Arztbesuch: So können Sie sich vorbereiten (Stand 08.04.2024)
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Terminvermittlung
- Verbraucherzentrale: Termin beim Facharzt nach 4 Wochen: So vermittelt die Nummer 116 117 (Stand 01.10.2024)
- Deutsches Ärzteblatt: Rheumatologen aktualisieren S3-Leitlinie zu Morbus Bechterew (9. September 2019; betrifft die S3-Leitlinie von 2019, AWMF 060-003)
- NICE: Spondyloarthritis in over 16s: diagnosis and management (NG65), Recommendations (2017, englisch)
- NHS: Back pain (geprüft 5. März 2026, englisch)
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117
Mehr zu Chronische Rückenschmerzen
Häufige Fragen
Welcher Arzt ist bei chronischen Rückenschmerzen zuständig?+
Meist zuerst die Hausarztpraxis, laut IQWiG die übliche erste Anlaufstelle. Du kannst auch direkt in eine orthopädische Praxis gehen, denn die freie Arztwahl gilt auch für Fachärzte. Die Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz (Fassung von 2017, nicht mehr gültig) rät zu einem festen Ansprechpartner, der Untersuchungen und Überweisungen im Blick behält. Das kann die Hausarztpraxis oder eine Facharztpraxis sein.
Kann ich mit Rückenschmerzen ohne Überweisung zum Orthopäden?+
In der Regel ja. Laut gesund.bund.de gilt die freie Arztwahl auch für Fachärztinnen und Fachärzte; nur wenige Fächer wie die Radiologie arbeiten ausschließlich auf Überweisung. Ein Hausarzttarif deiner Krankenkasse kann die freie Wahl einschränken. Willst du einen Termin über die Terminservicestelle 116 117, brauchst du für die Orthopädie eine Überweisung mit Vermittlungscode.
Was passiert bei Rückenschmerzen mit Hinweisen auf gereizte Nerven?+
Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen, Gefühlsstörungen oder Lähmungen zählen laut Patientenleitlinie (Fassung von 2017, nicht mehr gültig) zu den Hinweisen auf eine Nervenschädigung. Dann soll die Praxis je nach Dringlichkeit weitere Untersuchungen veranlassen oder in eine Facharztpraxis überweisen. Welche Fachrichtung passt, entscheidet die Praxis, das ist kein Selbsttest. Lähmungserscheinungen, neue Taubheit oder zunehmende Schwäche in einem Bein brauchen sofort ärztliche Hilfe, nicht erst einen Facharzttermin. Die Zeichen für die 112 stehen in der Frage zur Notaufnahme.
Wann kommt bei Rückenschmerzen ein Rheumatologe infrage?+
Wenn es Hinweise auf einen entzündlich-rheumatischen Rückenschmerz gibt, die axiale Spondyloarthritis. Die Patientenleitlinie (Fassung von 2017, nicht mehr gültig) nennt unter anderem Schmerzen über mehr als zwölf Wochen, einen schleichenden Beginn, Morgensteifigkeit, Besserung bei Bewegung und Verschlimmerung in Ruhe. Ein einzelnes Zeichen sagt laut Leitlinie wenig. Das ist, worauf Ärztinnen und Ärzte achten, kein Test für dich selbst. Gesichert werden sollte die Diagnose laut S3-Leitlinie von 2019 in der Rheumatologie.
Wann überweist die Praxis zur Schmerztherapie?+
Laut Patientenleitlinie (Fassung von 2017, nicht mehr gültig) kann eine Schmerztherapie angebracht sein, wenn sich die Beschwerden in den letzten sechs Monaten verschlechtert haben, du immer mehr Medikamente gegen die Schmerzen brauchst oder seelische Belastungen und der Bedarf an enger ärztlicher Betreuung dazukommen. Halten heftige, einschränkende Schmerzen trotz Behandlung länger als zwölf Wochen an, sollen dich mehrere Fachleute gemeinsam untersuchen, etwa aus Schmerztherapie, Psychologie und Physiotherapie.
Wer verordnet Physiotherapie bei Rückenschmerzen?+
Damit die Krankenkasse Physiotherapie bezahlt, brauchst du eine Verordnung. Die stellt laut gesund.bund.de üblicherweise eine Ärztin oder ein Arzt aus, etwa in der Hausarzt- oder der Orthopädiepraxis. Welche Bewegung und wie viel zu dir passt, klärst du dort und in der Physiotherapie.
Was bringe ich zum ersten Facharzttermin wegen Rückenschmerzen mit?+
Laut gesund.bund.de die Versichertenkarte, falls nötig die Überweisung, alle Befunde zu deinen Rückenschmerzen und eine Liste deiner Medikamente mit genauer Dosis. Dazu gehören frühere Bildbefunde und Arztbriefe, deine bisherigen Behandlungen mit dem, was sie gebracht haben, dein Verlauf der letzten Wochen und deine Fragen auf einem Zettel.
Wann gehe ich mit Rückenschmerzen in die Notaufnahme statt zum Facharzt?+
Sofort 112 oder Notaufnahme bei Schmerzen, Kribbeln, Schwäche oder Taubheit in beiden Beinen, Taubheit im Gesäß-, Genital- oder Analbereich, Problemen beim Wasserlassen oder Stuhlgang oder Kontrollverlust über Blase oder Darm, einem veränderten Gefühl an Penis oder Scheide beim Sex, Erektionsproblemen oder ausbleibendem Orgasmus, Brustschmerzen oder Schmerzen nach einem schweren Unfall. Sofort ärztliche Hilfe, ohne auf einen Termin zu warten, in Deutschland außerhalb der Sprechzeiten über 116 117, bei Lähmungserscheinungen, starken Beschwerden, neuer Taubheit oder zunehmender Schwäche in einem Bein, Fieber, Schüttelfrost, Nachtschweiß oder allgemeinem Krankheitsgefühl und bei sehr starken Schmerzen, die plötzlich beginnen oder schnell zunehmen. Ärztlich abklären lassen: ungewollter Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit oder ein Gefühl allgemeiner körperlicher Schwäche, eine frühere Krebserkrankung, starke Schmerzen nachts oder in Ruhe, Schmerzen, die nachts schlimmer werden oder in Rückenlage zunehmen, Schmerzen, die sich in Ruhe nicht bessern, Schmerzen nach einem Sturz oder, bei Osteoporose, nach schwerem Heben oder einer unglücklichen Drehung der Wirbelsäule, ins Bein ausstrahlende Schmerzen, besonders über das Knie hinaus oder bis in den Fuß, auch mit Taubheit, Kribbeln oder Schwäche, mehrere Hinweise auf einen entzündlichen Rückenschmerz zusammen (Schmerzen über mehr als zwölf Wochen, schleichender Beginn, Morgensteifigkeit mit Besserung bei Bewegung und Verschlimmerung in Ruhe), Rückenschmerzen zusammen mit Schuppenflechte, einer entzündlichen Darmerkrankung, Gelenk- oder Sehnenentzündungen oder einer Entzündung der mittleren Augenhaut, eine Beule, Schwellung oder Formveränderung am Rücken, Schmerzen, die beim Niesen, Husten oder Stuhlgang zunehmen, Schmerzen oben zwischen den Schulterblättern sowie Rückenschmerzen, die nach einigen Wochen Behandlung zu Hause nicht besser werden, dich bei alltäglichen Dingen stoppen oder dir Sorgen machen.