Reizdarm: welcher Arzt? Darmspiegelung und Blutwerte
Reizdarm: wer zuständig ist, welche Blut- und Stuhltests die S3-Leitlinie nennt und warum sie anders als die ACG-Leitlinie meist eine Spiegelung vorsieht.
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Seit Monaten Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall, und jetzt die Frage: Hausarztpraxis oder gleich Gastroenterologie, und muss es eine Darmspiegelung sein? Die Befunde der Abklärung kannst du in einer Mappe sammeln oder in den Medizinischen Dokumenten von Sam ablegen, die nach deiner Einwilligung Werte wie CRP und Hämoglobin aus dem Laborbericht lesen.
Dieser Beitrag beschreibt den Weg der Abklärung: wer zuständig ist, welche Blut- und Stuhltests dazugehören und wann eine Spiegelung ansteht. Was du vor dem Termin aufschreibst, steht im Beitrag Reizdarm beim Arzt: Beschwerden aufschreiben. Was Sam bei Reizdarm festhält und was nicht, zeigt die Übersicht zum Reizdarmsyndrom.
Hausarztpraxis oder Gastroenterologie: wer macht was?
Der erste Weg führt meist in die Hausarztpraxis. Das IQWiG nennt sie die meist erste Anlaufstelle, wenn du krank bist. Die deutsche S3-Leitlinie zum Reizdarmsyndrom teilt die Aufgaben so auf:
- Hausarztpraxis: Die Basisuntersuchungen kann grundsätzlich die Hausärztin oder der Hausarzt machen. Meist koordiniert die Praxis auch weitere Untersuchungen und Behandlungen.
- Gastroenterologie: Die Spiegelungen, die zur endgültigen Sicherung der Diagnose nötig sind, machen meist Gastroenterologinnen und Gastroenterologen.
- Diagnose: Mitteilen kann sie die Hausarztpraxis, die Gastroenterologie oder beide.
- Längerfristig: Schwerere Verläufe können Hausarztpraxis, Gastroenterologie oder Psychosomatik betreuen, je nach deinem Wunsch, dem Angebot vor Ort und der Erfahrung der Praxis.
Bei Frauen gehört eine Vorstellung in der gynäkologischen Praxis zur Basisdiagnostik. Die Leitlinie nennt gynäkologische Ursachen wie Eierstockzysten oder Entzündungen an Eileitern und Eierstöcken als mögliche Erklärung ähnlicher Beschwerden. Hängen deine Unterleibsschmerzen mit der Periode zusammen, hilft der Beitrag Endometriose: Beschwerden fürs Arztgespräch aufschreiben beim Vorbereiten. Wie du Darmbeschwerden über einen Zyklus aufschreibst, zeigt der Beitrag Reizdarm vor der Periode. Stehen Sodbrennen und Aufstoßen im Vordergrund, beschreibt der Beitrag Welcher Arzt bei Reflux? den Weg. Für Kinder und Jugendliche hat die Leitlinie ein eigenes Kapitel; sprich dann mit der Kinder- und Jugendarztpraxis.
Nach welchen Kriterien Ärztinnen und Ärzte einen Reizdarm einordnen (Rom IV, seit 2026 Rom V), erklärt der Beitrag zum Arzttermin bei Reizdarm. Diese Kriterien sind ein Werkzeug für die Praxis, kein Test, den du an dir selbst machst. Erfüllst du ein Kriterium nicht, ist das keine Entwarnung.
Welche Blutwerte und Stuhltests gehören zur Abklärung?
Vor der Diagnose soll laut S3-Leitlinie eine gründliche Basisdiagnostik stehen, mit Gespräch, Untersuchung, Ultraschall und Labor. Für Blut und Stuhl nennt sie:
- ein Basislabor mit Zöliakie-Antikörpern im Blut,
- Stuhltests auf Entzündungsmarker, etwa Calprotectin,
- Stuhltests auf Erreger, darunter Lamblien, einen Darmparasiten.
Welche Blutwerte das Basislabor bei Erwachsenen sonst umfasst, zählt die Leitlinie nicht einzeln auf. Das legt deine Praxis fest.
Calprotectin im Stuhl: Deutlich erhöhte Werte deuten laut Leitlinie mit beträchtlicher Treffsicherheit auf eine meist entzündliche Ursache im Darm hin. Bei einer Entzündung nur im Dünndarm, etwa bei Morbus Crohn, schlägt der Test aber nur in etwa 70 Prozent der Fälle an. Ein unauffälliger Wert schließt einen Crohn im Dünndarm also nicht sicher aus. Einen Reizdarm beweist er auch nicht.
Zöliakie-Antikörper: Bei mehr als 4 von 100 Menschen mit scheinbar typischem Reizdarm steckt laut Leitlinie eine unerkannte Zöliakie dahinter. Der britische Gesundheitsdienst NHS rät, beim Bluttest weiter glutenhaltig zu essen, weil das Ergebnis sonst ungenau sein kann. Besprich mit der Praxis, bevor du vor dem Test Gluten weglässt.
CRP und Blutbild: Laut Leitlinie sprechen Entzündungszeichen, eine Blutarmut oder andere auffällige Laborwerte zunächst gegen einen Reizdarm, bis sie abgeklärt sind. Die US-Fachgesellschaft AGA rät bei chronischem, wässrigem Durchfall eher davon ab, mit CRP oder Blutsenkung nach einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung zu suchen. Sie schlägt dafür Calprotectin oder Laktoferrin im Stuhl vor.
Einen Bluttest, der einen Reizdarm beweist, gibt es nicht. Solche Marker-Tests empfiehlt die S3-Leitlinie derzeit nicht, und von Analysen der Darmflora im Stuhl rät sie ab. Alle diese Werte liest deine Praxis zusammen mit Gespräch und Untersuchung. Sie sind kein Test, den du selbst auswertest: Ein unauffälliger Wert ist keine Entwarnung.
Den Laborbericht kannst du in den Medizinischen Dokumenten von Sam ablegen, als Foto oder PDF. Nach deiner Einwilligung liest Sam die Werte aus und ordnet rund 33 davon einem festen Namen zu, darunter CRP, Hämoglobin und Leukozyten. Calprotectin und Zöliakie-Antikörper gehören nicht dazu; solche Zeilen bleiben so stehen, wie sie gedruckt sind. Sam kann Zeilen auch dem falschen Namen zuordnen, etwa eine Zeile "Hämoglobin im Stuhl" dem Blutwert Hämoglobin. Ob ein Wert über oder unter dem Referenzbereich liegt, zeigt Sam anhand des Bereichs, den dein Labor auf den Bericht druckt. Druckt der Bericht getrennte Bereiche für Frauen und Männer, übernimmt Sam nur den ersten. Prüf die Werte deshalb immer im Originalbericht.
Brauche ich bei Reizdarm eine Darmspiegelung?
Nach der deutschen S3-Leitlinie meist ja. Auf die Basisdiagnostik sollten in der Regel weitere, einzeln ausgewählte Untersuchungen folgen. Für eine sichere Diagnose hält die Leitlinie meist für nötig:
- eine Darmspiegelung bis in den letzten Abschnitt des Dünndarms, bei Durchfall mit Gewebeproben aus mehreren Abschnitten,
- eine Magenspiegelung mit Gewebeproben aus dem Zwölffingerdarm,
- je nach Verdacht Funktionstests oder bildgebende Untersuchungen.
Steht Durchfall im Vordergrund, soll grundsätzlich umfassend abgeklärt werden, mit Erregersuche im Stuhl und Spiegelung mit Gewebeproben.
Die Begründung: Manche Erkrankungen lassen sich über Beschwerden und Fragen allein nicht sicher abgrenzen. Die Leitlinie nennt unter anderem chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, die mikroskopische Kolitis und die Zöliakie, auch nach Jahren mit Beschwerden. Bei Beschwerden seit weniger als einem Jahr nennt sie auch Darmkrebs. Fehlen Warnzeichen, schließt das solche Ursachen laut Leitlinie nicht zuverlässig aus. Die mikroskopische Kolitis lässt sich nur über Gewebeproben feststellen. In einer Auswertung von 26 Studien steckte sie bei fast jedem zehnten scheinbar typischen Reizdarm mit Durchfall dahinter.
Die Leitlinie lässt Spielraum. Bei typischen Beschwerden ohne Durchfall kann die Praxis nach unauffälliger Basisdiagnostik bis zu zwei Monate probeweise behandeln, ohne alles weiter abzuklären. Dabei zählen Muster, Schwere und Dauer der Beschwerden, dein Wunsch nach Abklärung und dein Alter. Die Diagnose Reizdarm ist dann aber noch nicht gestellt. Zeichen aus dem Abschnitt "Welche Zeichen brauchen noch heute eine Praxis oder die 112?" warten auch in dieser Zeit nicht.
Die US-Fachgesellschaft ACG sieht es anders. Laut ihrer eigenen Zusammenfassung der Leitlinie von 2021 rät sie bei Reizdarm-Beschwerden unter 45 von einer routinemäßigen Darmspiegelung ab, wenn keine Warnzeichen vorliegen. Die Zusammenfassung nennt etwa ungewollten Gewichtsverlust, einen späten Beginn der Beschwerden oder entzündliche Darmerkrankungen oder Darmkrebs in der Familie. Die Patientenseite der ACG nennt außerdem Blut aus dem After und niedrige Eisenwerte. Blut im Stuhl wartet in jedem Alter nicht auf diese Entscheidung. Das gilt für alle Zeichen aus dem Abschnitt "Welche Zeichen brauchen noch heute eine Praxis oder die 112?". Beide Positionen sind ärztliche Abwägungen, keine Regel, die du selbst anwendest. Ob und wann eine Spiegelung bei dir ansteht, entscheidet deine Praxis mit dir. Frag nach, warum sie eine vorschlägt oder nicht.
Davon getrennt gibt es die Darmkrebs-Vorsorge. Gesetzlich versicherte Frauen und Männer ab 50 können laut Gemeinsamem Bundesausschuss zweimal im Abstand von zehn Jahren eine Darmspiegelung machen lassen. Alternativ gibt es alle zwei Jahre einen Stuhltest. Ob deine Beschwerden eine Spiegelung brauchen, klärt deine Praxis.
Sieht man einen Reizdarm bei der Darmspiegelung?
Nein. Laut S3-Leitlinie sind die Beschwerden echt, und es gibt körperliche Veränderungen. Mit den üblichen Untersuchungen lassen sie sich aber nicht darstellen. Die Spiegelung sucht deshalb nach anderen Ursachen, etwa einer Entzündung oder Darmkrebs, und über Gewebeproben nach einer mikroskopischen Kolitis.
Ein unauffälliger Befund passt zu einem Reizdarm, beweist ihn allein aber nicht. Für die Diagnose müssen auch Vorgeschichte, Muster und Ausmaß der Beschwerden passen.
Ist die Diagnose sorgfältig gestellt, bleibt sie meist bestehen: In Studien war sie über 2 bis 30 Jahre bei mehr als 95 Prozent stabil. Die Leitlinie rät der Praxis deshalb, die Abklärung ohne neue Aspekte nicht zu wiederholen. Ob bei dir etwas erneut geprüft wird, entscheidet deine Praxis; neue oder veränderte Beschwerden sagst du ihr. Die Zeichen im Abschnitt "Welche Zeichen brauchen noch heute eine Praxis oder die 112?" gehören aber immer in die Praxis, auch nach einer Diagnose.
Reizdarm oder Morbus Crohn: Was unterscheidet die beiden?
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, kurz CED. Bei Morbus Crohn ist laut IQWiG oft der Übergang vom Dünndarm in den Dickdarm entzündet, es können aber mehrere Stellen betroffen sein. Die Colitis ulcerosa betrifft laut NHS den Mastdarm und den Dickdarm.
Der Unterschied liegt in den Befunden, weniger in den Beschwerden. Die S3-Leitlinie verweist dazu auf Metaanalysen. Darin hatte etwa ein Drittel der Menschen mit CED das volle Bild eines Reizdarms, auch wenn die Entzündung ruhte. Laut IQWiG deuten deutlicher Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, Fieber oder Blässe eher auf eine andere Darmerkrankung wie eine CED hin.
Zur Abklärung eines Morbus Crohn bestimmt die Praxis laut IQWiG Entzündungswerte im Blut, manchmal auch im Stuhl. In der Regel kommen eine Darm- und eine Magenspiegelung mit Gewebeproben dazu, für den übrigen Dünndarm Ultraschall und MRT. Was bei dir vorliegt, entscheidet deine Praxis anhand der Befunde.
Wie kommst du an einen Termin in der Gastroenterologie?
Die meisten Fachärztinnen und Fachärzte kannst du laut gesund.bund.de ohne Überweisung aufsuchen. Ausnahmen gelten etwa für Labormedizin und Radiologie und bei einem Hausarzttarif deiner Krankenkasse. Eine gastroenterologische Praxis kannst du deshalb in der Regel direkt anrufen. Eine Überweisung deiner Hausarztpraxis kann einen zwölfstelligen Vermittlungscode tragen, auch Dringlichkeitscode genannt. Mit diesem Code vermittelt dir die Terminservicestelle unter 116 117 einen Facharzttermin. Laut gesund.bund.de hat sie dafür bis zu einer Woche Zeit, der Termin liegt dann innerhalb von vier Wochen. Eine bestimmte Praxis kannst du dabei nicht wählen. Wie das genau läuft, erklärt der Ratgeber Facharzttermin bekommen.
Zum Termin nimmst du die Überweisung mit, falls du eine hast, dazu deine Laborbefunde, frühere Befunde von Spiegelungen oder Ultraschall und deine Medikamentenliste. Für den Rest hilft die Checkliste für den Arzttermin. Fragen, die du stellen kannst:
- Welche Untersuchungen sind geplant, und wozu?
- Ist eine Darm- oder Magenspiegelung nötig, und mit Gewebeproben?
- Was folgt, wenn alles unauffällig ist?
- Wann und wie bekomme ich die Befunde?
Werden die Beschwerden bis zum Termin schlimmer oder tritt eines der Zeichen aus dem nächsten Abschnitt auf, wartest du nicht auf den Termin.
Welche Zeichen brauchen noch heute eine Praxis oder die 112?
Diese Zeichen brauchen noch heute einen dringenden Arzttermin, auch wenn ein Reizdarm schon festgestellt wurde:
- Blut im Stuhl, Blut aus dem After oder blutiger Durchfall.
- Deutlicher ungewollter Gewichtsverlust.
- Ein harter Knoten oder eine Schwellung im Bauch.
- Beschwerden, die sich plötzlich deutlich verschlimmern.
- Atemnot mit Herzklopfen und blasser Haut.
Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Lass außerdem ärztlich abklären, bevor von Reizdarm die Rede ist, und auch dann, wenn ein Reizdarm schon festgestellt wurde:
- Fieber.
- Eine Blutarmut im Blutbild.
- Auffällige Blässe.
- Beschwerden, die stetig zunehmen.
- Durchfall, der dich nachts weckt.
- Beschwerden, die erst nach dem 50. Lebensjahr begonnen haben.
- Geringerer ungewollter Gewichtsverlust.
- Darmkrebs, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Zöliakie in der Familie.
Die Listen sind nicht vollständig und kein Selbsttest. Auch ohne eines dieser Zeichen gehören neue oder anhaltende Darmbeschwerden in die Praxis. Die erste Liste folgt dem NHS, der bei diesen Zeichen einen dringenden Arzttermin rät; Blut im Stuhl sollte laut IQWiG grundsätzlich ärztlich untersucht werden. Die zweite stützt sich auf die S3-Leitlinie, das IQWiG und eine Zusammenfassung der Leitlinie der US-Fachgesellschaft AGA (American Family Physician, 2023).
Wähle die 112 bei plötzlich einsetzenden, sehr starken Bauchschmerzen und bei viel Blut aus dem After oder schwarzem, klebrigem Stuhl. Dasselbe gilt bei Erbrechen von Blut oder Erbrochenem, das grün oder wie Kaffeesatz aussieht, und wenn gar kein Stuhl und keine Winde mehr abgehen. Auch starke Atemnot und plötzliche Schmerzen oder Druck in der Brust sind ein Fall für die 112. Warte nicht ab, ob es vorbeigeht.
Befunde der Abklärung in Sam ablegen und mitnehmen
Zum Termin in der Gastroenterologie hast du Laborberichte, Befunde und deine Bauchtage an einem Ort, statt sie aus Mappe und Gedächtnis zusammenzusuchen.
- Statt Mappe: Laborbericht, Spiegelungsbefund und Arztbrief fotografierst du oder lädst sie als PDF in die Medizinischen Dokumente.
- Statt Abtippen: Nach deiner Einwilligung liest Sam Werte wie CRP, Hämoglobin und Leukozyten aus dem Laborbericht, und du prüfst sie vor dem Speichern.
- Statt Erinnerung: Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung hältst du im Symptomtagebuch pro Tag als leicht, mittel oder stark fest.
Calprotectin und Zöliakie-Antikörper erkennt Sam nicht als eigene Werte; solche Zeilen übernimmt Sam, wie sie gedruckt sind. Was ein Befund für dich bedeutet, besprichst du mit deiner Praxis. Mehr in der Übersicht zum Reizdarmsyndrom.
Sam kostenlos ausprobierenSam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.
- Reizdarm beim Arzt: Beschwerden aufschreiben, aber was?
- Facharzttermin bekommen: 116 117, Überweisung, Code
- Welcher Arzt bei Reflux? Diagnose und Abklärung
- Reizdarm vor der Periode: Beschwerden im Zyklus festhalten
- Endometriose: Beschwerden fürs Arztgespräch aufschreiben
- Symptomtagebuch für den Arzt: Was hineingehört
Quellen
Stand: Oktober 2026
- DGVS und DGNM: S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom, Update 2021 (PDF). Layer P et al., Z Gastroenterol 2021;59:1323-1415, AWMF 021-016, Stand Juni 2021: Empfehlungen 3-1, 3-2, 3-4, 3-6A, 3-6B, 3-7, 3-8, 3-9, 3-11, Tabellen 3-1 bis 3-4, Vorbemerkungen zu Teil IV (Versorgungskoordination). Laut DGVS wird die Leitlinie aktualisiert.
- IQWiG (gesundheitsinformation.de): Reizdarmsyndrom (aktualisiert 22. Februar 2023) und Morbus Crohn (erstellt 4. März 2026)
- Bundesministerium für Gesundheit (gesund.bund.de): Arztwahl und Terminsuche (Stand 08.12.2023)
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Darmkrebs-Vorsorge: Darmspiegelung jetzt auch für Frauen ab 50 Jahren möglich (1. April 2025)
- American College of Gastroenterology: ACG's First Clinical Guideline on Management of Irritable Bowel Syndrome (PDF), ACG Magazine 2021, Zusammenfassung der ACG-Leitlinie im American Journal of Gastroenterology (englisch); die Leitlinie selbst wurde für diesen Beitrag nicht geöffnet
- American College of Gastroenterology: Irritable Bowel Syndrome (Patientenseite, aktualisiert Februar 2026, englisch)
- AGA Institute: Laboratory Evaluation of Functional Diarrhea and Diarrhea-Predominant Irritable Bowel Syndrome in Adults. Smalley W et al., 11. Juli 2019 (englisch)
- Arnold MJ: Practice Guidelines: Irritable Bowel Syndrome. Am Fam Physician 2023;108(5):527-529, Tabelle 1 (Zusammenfassung der AGA-Leitlinie, englisch)
- NHS: IBS - Symptoms (geprüft 17. März 2025), Coeliac disease - Diagnosis (geprüft 31. März 2023), Inflammatory bowel disease (geprüft 11. September 2026), Stomach ache (geprüft 20. Oktober 2026) und Chest pain (geprüft 8. August 2023), alle englisch
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: 116117 - Ärztlicher Bereitschaftsdienst
Mehr zu Reizdarmsyndrom
Häufige Fragen
Zu welchem Arzt gehe ich bei Reizdarm-Beschwerden?+
Meist zuerst in die Hausarztpraxis. Nach der deutschen S3-Leitlinie kann sie die Basisuntersuchungen machen und weitere Schritte koordinieren. Die Spiegelungen, die zur Sicherung der Diagnose nötig sind, machen meist Gastroenterologinnen und Gastroenterologen. Bei Frauen gehört eine Vorstellung in der gynäkologischen Praxis zur Basisdiagnostik.
Kann die Hausarztpraxis einen Reizdarm feststellen?+
Sie kann die Basisuntersuchungen machen und die Diagnose mitteilen, allein oder zusammen mit der Gastroenterologie. Für eine sichere Diagnose sieht die S3-Leitlinie in der Regel zusätzlich eine Darm- und eine Magenspiegelung vor, und die macht meist eine gastroenterologische Praxis. Bei typischen Beschwerden ohne Durchfall kann die Praxis nach unauffälliger Basisdiagnostik zunächst bis zu zwei Monate probeweise behandeln; die Diagnose Reizdarm ist dann aber noch nicht gestellt. Treten in dieser Zeit Zeichen aus der Frage 'Welche Zeichen bei Darmbeschwerden vertragen kein Warten auf die Abklärung?' auf, wartest du nicht ab.
Brauche ich bei Reizdarm eine Darmspiegelung?+
Nach der deutschen S3-Leitlinie gehört sie in der Regel zur Abklärung, bei Durchfall mit Gewebeproben. Die US-Fachgesellschaft ACG rät dagegen laut ihrer eigenen Zusammenfassung der Leitlinie von 2021 von einer routinemäßigen Darmspiegelung unter 45 Jahren ab, wenn keine Warnzeichen wie Blut aus dem After oder ungewollter Gewichtsverlust vorliegen. Ob und wann sie bei dir sinnvoll ist, entscheidet deine Praxis mit dir. Frag nach, warum sie eine Spiegelung vorschlägt oder nicht. Blut im Stuhl gehört in jedem Alter noch heute in die Praxis, ebenso die anderen Zeichen aus der Frage 'Welche Zeichen bei Darmbeschwerden vertragen kein Warten auf die Abklärung?'.
Welche Blutwerte sind bei Verdacht auf Reizdarm wichtig?+
Die S3-Leitlinie nennt ein Basislabor mit Zöliakie-Antikörpern, dazu Stuhltests auf Entzündungsmarker wie Calprotectin und auf Erreger. Entzündungszeichen, eine Blutarmut oder andere auffällige Laborwerte sprechen laut Leitlinie zunächst gegen einen Reizdarm, bis sie abgeklärt sind. Einen Bluttest, der einen Reizdarm beweist, gibt es nicht. Ein unauffälliger Wert ist keine Entwarnung; die Werte liest deine Praxis zusammen mit Gespräch und Untersuchung.
Sieht man einen Reizdarm bei der Darmspiegelung?+
Nein. Laut S3-Leitlinie sind die Beschwerden echt und gehen mit körperlichen Veränderungen einher, die sich mit den üblichen Untersuchungen aber nicht darstellen lassen. Die Spiegelung sucht nach anderen Ursachen, etwa einer Entzündung oder Darmkrebs, und über Gewebeproben nach einer mikroskopischen Kolitis. Ein unauffälliger Befund passt zu einem Reizdarm, beweist ihn allein aber nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Reizdarm und Morbus Crohn?+
Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung: Der Darm ist entzündet, und Spiegelung und Gewebeproben können das zeigen. Bei einem Reizdarm zeigen die üblichen Untersuchungen keine solche Veränderung. Die Beschwerden können sich gleichen: In Metaanalysen, auf die die S3-Leitlinie verweist, hatte etwa ein Drittel der Menschen mit einer solchen Erkrankung reizdarmartige Beschwerden, auch wenn die Entzündung ruhte. Was bei dir vorliegt, entscheidet deine Praxis anhand der Befunde.
Welche Zeichen bei Darmbeschwerden vertragen kein Warten auf die Abklärung?+
Hol dir noch heute einen dringenden Arzttermin bei Blut im Stuhl, Blut aus dem After oder blutigem Durchfall, deutlichem ungewolltem Gewichtsverlust, einem harten Knoten oder einer Schwellung im Bauch, bei Beschwerden, die sich plötzlich deutlich verschlimmern, sowie bei Atemnot mit Herzklopfen und blasser Haut, auch wenn ein Reizdarm schon festgestellt wurde. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Lass außerdem ärztlich abklären, bevor von Reizdarm die Rede ist, und auch dann, wenn ein Reizdarm schon festgestellt wurde: Fieber, eine Blutarmut im Blutbild, auffällige Blässe, Beschwerden, die stetig zunehmen, Durchfall, der dich nachts weckt, Beschwerden, die erst nach dem 50. Lebensjahr begonnen haben, geringerer ungewollter Gewichtsverlust sowie Darmkrebs, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Zöliakie in der Familie. Die Listen sind nicht vollständig und kein Selbsttest. Auch ohne eines dieser Zeichen gehören neue oder anhaltende Darmbeschwerden in die Praxis. Bei plötzlich einsetzenden, sehr starken Bauchschmerzen, viel Blut aus dem After, schwarzem, klebrigem Stuhl, Erbrechen von Blut, grünem oder kaffeesatzartigem Erbrochenem, wenn gar kein Stuhl und keine Winde mehr abgehen, bei starker Atemnot oder plötzlichen Schmerzen oder Druck in der Brust wählst du die 112.