Schlafstörungen: welcher Arzt, welche Untersuchung?
Welcher Arzt bei Schlafstörungen? Meist die Hausarztpraxis. Wie Insomnie festgestellt wird, wann ein Schlaflabor infrage kommt, was ins Schlaftagebuch gehört.
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Du liegst nachts wach, wachst um drei Uhr auf und schleppst dich durch den Tag. Irgendwann stellt sich die Frage, wer dafür zuständig ist und was in der Praxis passiert. Bis zum Termin kannst du Einschlafprobleme, nächtliches Aufwachen und Tagesmüdigkeit auf Papier sammeln. Oder du hältst sie pro Tag im Symptomtagebuch von Sam fest und erstellst daraus einen Monatsbericht als PDF.
Dieser Beitrag beschreibt den Weg bis zur Diagnose. Er zeigt, wer zuständig ist, wie eine Insomnie festgestellt wird, wann ein Schlaflabor infrage kommt und was ins Schlaftagebuch gehört. Den Fragebogen ISI, den die Europäische Insomnie-Leitlinie als etabliertes Instrument nennt, erklärt der Beitrag ISI-Test auswerten. Was Sam bei Ein- und Durchschlafproblemen festhält, zeigt die Übersicht zu Schlafstörungen.
Zu welchem Arzt gehst du bei Schlafstörungen?
Der erste Weg führt meist in die Hausarztpraxis, so beschreibt es das IQWiG. Ein Gespräch dort kann klären, ob eine körperliche oder psychische Ursache hinter den Schlafproblemen steckt. Viele gehen diesen Schritt nie. Die Europäische Insomnie-Leitlinie zitiert dazu Krankenkassendaten aus Deutschland. Danach haben wohl nicht mehr als 30 Prozent der Betroffenen je ärztliche Hilfe gesucht.
Weitere Stellen kommen dazu, wenn die Abklärung es verlangt.
- Schlafmedizin und Schlaflabor. Laut IQWiG kann eine Untersuchung im Schlaflabor sinnvoll sein, wenn der Verdacht auf nächtliche Atemstörungen oder Beinbewegungen besteht. Die Leitlinie nennt weitere Gründe, etwa eine Insomnie, die auf Behandlungen nicht anspricht.
- Psychotherapeutische Praxis. Die europäische und die deutsche S3-Leitlinie (Update 2025) nennen eine Behandlung als erste Option: die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie (KVT-I). Ob sie für dich passt, besprichst du mit deiner Praxis.
- Andere Fachgebiete. Viele körperliche, neurologische und psychische Erkrankungen können den Schlaf stören. Laut Leitlinie braucht die Abklärung deshalb manchmal die Zusammenarbeit mehrerer Fachrichtungen.
Vor jeder Behandlung, auch vor einer KVT-I, steht laut Leitlinie eine gründliche Abklärung. Wenn du gesetzlich versichert bist, hilft dir in Deutschland die 116 117, einen Termin in einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Praxis zu finden. Überweisung, Vermittlungscode und Wartezeiten erklärt der Ratgeber Facharzttermin bekommen.
Musst du drei Monate warten, bevor du zur Praxis gehst?
Nein. Die Kriterien von DSM-5, ICSD-3 und ICD-11 für eine chronische Insomnie beginnen mit einer Beschwerde. Du schläfst schlecht ein, schlecht durch oder wachst zu früh auf, obwohl genug Gelegenheit zum Schlafen besteht. Dazu kommen Folgen am Tag, etwa Erschöpfung, Konzentrationsprobleme oder Gereiztheit. Das tritt mehrmals pro Woche auf, nach DSM-5 und ICSD-3 mindestens dreimal. Und es besteht seit mindestens drei Monaten. ICD-11 kennt daneben eine kurzzeitige Insomnie.
Das sind Kriterien für Ärztinnen und Ärzte, kein Test, den du an dir selbst durchführst, und keine Frist. Erfüllst du eines davon nicht, ist das keine Entwarnung. Das IQWiG spricht schon von einer Schlafstörung, wenn die Probleme länger als einen Monat bestehen. Sie treten dann in mindestens drei Nächten pro Woche auf, und die Lebensqualität leidet. Ein Termin lohnt sich, wenn du regelmäßig schlecht schläfst und dir der Alltag deshalb schwerfällt.
Bei diesen Anzeichen wartest du nicht auf einen Routinetermin.
- Lautes Schnarchen mit Atemaussetzern, starke Tagesmüdigkeit oder Sekundenschlaf: Lass das zeitnah abklären. Diese Zeichen können zu einer Schlafapnoe gehören.
- Müdigkeit am Steuer: Fahre nicht weiter. Laut IQWiG ist Einnicken am Steuer gefährlich.
- Gedanken, dir etwas anzutun: Wende dich sofort an deine Ärztin oder deinen Arzt oder ruf die 112. Die Telefonseelsorge erreichst du rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
- Lebensbedrohliche Beschwerden: Wähle die 112. Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten erreichst du in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Werden die Beschwerden stärker oder kommen neue dazu, melde dich früher bei deiner Praxis.
Wie wird eine Insomnie diagnostiziert?
Die Diagnose beruht laut Europäischer Insomnie-Leitlinie allein auf dem Gespräch und deinen eigenen Angaben. Feste Grenzwerte für Einschlafdauer, Schlafdauer oder die Zahl der Wachphasen muss man nicht erfüllen. Wichtig ist, ob du trotz genug Zeit und einer ruhigen Umgebung schlecht schläfst. Und ob du damit unzufrieden bist und tagsüber darunter leidest. Die Leitlinie von 2023 beschreibt diese Bausteine.
- Gespräch über den Schlaf: seit wann, wie oft, wie es dir tagsüber geht, ob du in Schichten oder nachts arbeitest. Dazu kommen Angaben von Bettpartnerin oder Bettpartner zu Schnarchen, Atempausen, Beinbewegungen oder nächtlicher Unruhe.
- Gespräch über deine Gesundheit: frühere und aktuelle Erkrankungen, deine Lebenssituation, Medikamente, Alkohol, Koffein, Nikotin und Drogen. Die Praxis fragt dabei auch nach deiner Stimmung.
- Schlaftagebuch und Fragebögen: ein Schlaftagebuch über mindestens 7 bis 14 Tage und ein Fragebogen zur Schwere wie der ISI. Dazu kommt ein Fragebogen zur Schlafapnoe, zum Beispiel STOP-Bang.
- Körperliche Untersuchung und Blutwerte, wenn nötig. Laut IQWiG prüft die Praxis so, ob etwa eine Erkrankung von Niere, Schilddrüse, Herz oder Lunge dahintersteckt. Die Leitlinie nennt unter anderem Blutbild, Schilddrüsen-, Leber- und Nierenwerte, CRP, Ferritin und Vitamin B12. Bei Bedarf kommen EKG oder EEG dazu.
- Messungen in der Nacht: nur bei bestimmten Fragen, siehe den nächsten Abschnitt.
Laut Leitlinie können viele Medikamente den Schlaf stören. Nimm deshalb eine vollständige Liste mit, auch rezeptfreie Mittel. In Sam führst du sie in der Medikamentenliste, mit Einnahmezeiten oder "bei Bedarf". Setze verordnete Medikamente nicht auf eigene Faust ab, sondern sprich sie in der Praxis an. Was sonst zum Termin gehört, zeigt die Checkliste für den Arzttermin.
Wann kommt bei Schlafstörungen ein Schlaflabor infrage?
Für die Diagnose einer Insomnie ist die Polysomnographie im Schlaflabor laut Europäischer Leitlinie weder nötig noch ausreichend. Dort werden über Nacht unter anderem Hirnströme, Augen- und Beinbewegungen und die Schlafstadien aufgezeichnet, schreibt das IQWiG. Die Leitlinie empfiehlt die Messung in diesen Fällen.
- Es besteht der Verdacht auf eine weitere Schlafstörung, etwa eine Schlafapnoe oder periodische Beinbewegungen im Schlaf.
- Die Insomnie spricht auf verschiedene Behandlungen nicht an.
- Müdigkeit bringt ein Unfallrisiko mit sich, etwa bei Berufskraftfahrern.
- Erlebter und gemessener Schlaf liegen vermutlich stark auseinander.
Die Aktigraphie, die Messung mit einem medizinischen Bewegungsmesser am Handgelenk, gehört laut Europäischer Leitlinie nicht zur Routine. Sie kann aber helfen, einen unregelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus von einer Insomnie abzugrenzen. Die US-Fachgesellschaft AASM schlägt in ihrer Leitlinie von 2018 vor, sie bei Erwachsenen mit Insomnie zur Schätzung des Schlafs einzusetzen, hält sie für die Routinediagnose aber nicht für erforderlich.
Und die Apple Watch? Für Uhren und ähnliche Geräte ist laut Europäischer Leitlinie nicht ausreichend untersucht, ob sie für die Diagnose einer Insomnie taugen. Sie rät Menschen mit Insomnie grundsätzlich von Schlaf-Trackern ab, bis ihre Genauigkeit gegenüber der Polysomnographie belegt ist. Die Leitlinie erwähnt auch, dass solche Geräte das Schlafverhalten negativ beeinflussen könnten.
Trägst du ohnehin eine Uhr, zeigt Sam ihre Schätzungen aus Apple Health in derselben App. Machen dich die Zahlen unruhig, sprich das in der Praxis an. Der Schlaf-Score in Sam ist eine eigene Berechnung der App aus diesen Schätzungen, keine Messung. Für die Diagnose zählen deine Angaben, kein Score. Wie genau die Schlafphasen der Uhr sind, erklärt der Beitrag Apple Watch Schlafphasen. Warum die Schlafdauer allein wenig sagt, steht in Schlafdauer allein ist irreführend.
Was gehört in ein Schlaftagebuch für die Praxis?
Die Leitlinie empfiehlt, die Abklärung mit einem Schlaftagebuch über mindestens 7 bis 14 Tage zu stützen. Sie verweist auf das Consensus Sleep Diary, einen Vorschlag von Schlafforschenden aus dem Jahr 2012 für ein einheitliches Schlaftagebuch. Jeden Morgen trägst du fünf Dinge ein.
- Wann du ins Bett gegangen bist und wann du einschlafen wolltest.
- Wie lange das Einschlafen gedauert hat.
- Wie oft du aufgewacht bist und wie lange du wach warst.
- Wann du endgültig aufgewacht und wann du aufgestanden bist.
- Wie gut du geschlafen hast.
In der erweiterten Fassung kommen Nickerchen, Alkohol, Koffein und Medikamente dazu. Laut IQWiG hilft es außerdem, zu notieren, wann der Schlaf wenig erholsam war. Schreib dazu, was an diesen Tagen passiert ist. Die Zeiten sind deine eigenen Schätzungen. Genau das will die Praxis wissen: wie du die Nacht erlebt hast. Frag sie, welche Vorlage sie nutzt.
Sam ist kein solches Schlaftagebuch. Das Symptomtagebuch hält Beschwerden pro Tag fest, ohne Uhrzeit, ohne Zahl der Wachphasen und ohne Notizfeld. Diese Aufteilung bietet sich an:
| Schlaftagebuch auf Papier | Symptomtagebuch in Sam | |
|---|---|---|
| Bettzeit, Einschlafdauer, Aufstehzeit | jeden Morgen | nein |
| Zahl und Dauer der Wachphasen | jeden Morgen | nein |
| Einschlafprobleme, nächtliches Aufwachen | als Zeiten | als vorhanden, pro Tag |
| Tagesmüdigkeit | als Notiz | als leicht, mittel oder stark |
| Alkohol | Menge und Uhrzeit | Tage mit Alkohol, ja oder nein |
| Was am Tag passiert ist | als Notiz | nein |
Prüft die Praxis bei Schlafstörungen auch auf Schlafapnoe?
Schlafapnoe und Insomnie können sich ähnlich anfühlen und auch zusammen vorkommen. Die Europäische Leitlinie empfiehlt deshalb bei jeder Insomnie-Abklärung einen Fragebogen zur Schlafapnoe. Fällt er auffällig aus, braucht es für eine sichere Diagnose eine Messung zu Hause, die Polygraphie, oder im Schlaflabor. Wie Schnarchen, Schlafapnoe und Schlafstörung zusammenhängen, erklärt der Beitrag Schnarchen oder Schlafapnoe?.
Eine Tabelle zum Selbsttest gibt es hier bewusst nicht. Was bei dir vorliegt, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt. Wie die Abklärung einer Schlafapnoe abläuft, erklärt der Beitrag Schlafapnoe: Was du vor Schlaflabor und Kontrolle notierst. Was Sam dabei festhält, steht in der Übersicht zur Schlafapnoe.
Was bringst du zum ersten Termin mit?
- Dein Schlaftagebuch der letzten ein bis zwei Wochen.
- Eine Liste aller Medikamente, auch rezeptfreier Mittel.
- Was du an Alkohol, Koffein und Nikotin zu dir nimmst.
- Was dein Partner oder deine Partnerin nachts beobachtet: Schnarchen, Atempausen, unruhige Beine.
- Frühere Befunde und Arztbriefe.
- Deine Fragen, etwa ob ein Fragebogen zur Schlafapnoe sinnvoll ist oder ob eine KVT-I für dich in Frage kommt.
Aus Sam kannst du zusätzlich den Monatsbericht mitnehmen. Du erstellst ihn selbst für den Vormonat. Er zeigt deine Symptomtage als Kalender und die fünf häufigsten Symptome. Dafür brauchst du erlaubte Mitteilungen, Apple-Health-Zugriff und eine Angabe zu chronischen Erkrankungen ("keine" zählt). Ab dem zweiten Bericht musst du außerdem an mindestens 15 der letzten 30 Tage festhalten, wie es dir ging. Symptomeinträge zählen dafür nicht. Die Schlafseite des Berichts druckt allgemeine Hinweise der App, etwa zu einer festen Schlafenszeit. Das ist keine Behandlung und keine KVT-I.
Schlafbeschwerden in Sam festhalten und zum Termin mitnehmen
Du kommst mit Wochen statt Erinnerungen in die Praxis: Deine Beschwerden stehen mit Datum in einer App.
- Statt Stichworten aus dem Gedächtnis: Einschlafprobleme und nächtliches Aufwachen trägst du pro Tag im Symptomtagebuch ein. Tagesmüdigkeit bekommt die Stufe leicht, mittel oder stark.
- Statt Zettelsammlung: Den Monatsbericht erstellst du selbst als PDF, mit einem Kalender deiner Symptomtage und den fünf häufigsten Symptomen.
- Statt Liste aus dem Kopf: Deine Medikamente, auch rezeptfreie, führst du in der Medikamentenliste.
- Statt loser Blätter: Befunde und Arztbriefe hast du in den Medizinischen Dokumenten griffbereit.
Sam ist kein Schlaftagebuch mit Bettzeiten, misst den Schlaf nicht wie ein Schlaflabor und stellt keine Diagnose. Mehr in der Übersicht zu Schlafstörungen.
Sam kostenlos ausprobierenSam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.
- ISI-Test auswerten: Fragen und Score
- Schlafapnoe: Was du vor Schlaflabor und Kontrolle notierst
- Schnarchen oder Schlafapnoe? Was den Unterschied macht
- Schlafstörungen in den Wechseljahren: was du festhältst
- Apple Watch Schlafphasen: Wie genau sind sie?
- Arzttermin bei chronischer Erkrankung: Checkliste
- Facharzttermin bekommen: 116 117, Überweisung, Code
Quellen
Stand: Oktober 2026
- IQWiG (gesundheitsinformation.de): Schlafprobleme und Schlafstörungen (Insomnie) (aktualisiert am 3. Juli 2024)
- IQWiG (gesundheitsinformation.de): Obstruktive Schlafapnoe (aktualisiert am 8. Juli 2026)
- Riemann D et al.: The European Insomnia Guideline: An update on the diagnosis and treatment of insomnia 2023, Journal of Sleep Research 2023;32:e14035 (englisch; Abschnitte 3 und 4.1.1, Tabellen 2 bis 5)
- AWMF: S3-Leitlinie Insomnie bei Erwachsenen, Update 2025 (Registernummer 063-003, Version 2.0, April 2025)
- Smith MT et al. (AASM): Use of Actigraphy for the Evaluation of Sleep Disorders and Circadian Rhythm Sleep-Wake Disorders, Journal of Clinical Sleep Medicine 2018;14(7):1231-1237 (englisch)
- Carney CE et al.: The Consensus Sleep Diary: Standardizing Prospective Sleep Self-Monitoring, Sleep 2012;35(2):287-302 (englisch)
- NHS: Sleep apnoea (geprüft am 11. Mai 2026, englisch)
- Kassenärztliche Bundesvereinigung, 116117.de: Ärztlicher Bereitschaftsdienst
- TelefonSeelsorge: telefonseelsorge.de
Mehr zu Schlafstörungen
Häufige Fragen
Zu welchem Arzt gehe ich bei Schlafstörungen?+
Erste Anlaufstelle ist laut IQWiG meist die Hausarztpraxis. Sie fragt nach Beschwerden, Gewohnheiten und möglichen Ursachen, untersucht dich und lässt bei Bedarf Blut abnehmen. Besteht der Verdacht auf eine andere Schlafstörung, etwa nächtliche Atemstörungen oder Beinbewegungen, kann eine Untersuchung im Schlaflabor sinnvoll sein. Über die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie (KVT-I), die erste Behandlungsoption der europäischen und der deutschen Leitlinie, sprichst du mit deiner Praxis oder einer psychotherapeutischen Praxis.
Wie wird eine Insomnie diagnostiziert?+
Vor allem im Gespräch. Laut Europäischer Insomnie-Leitlinie beruht die Diagnose auf der Schlafgeschichte und deinen eigenen Angaben zu Ein- und Durchschlafproblemen oder zu frühem Erwachen. Dazu kommen ein Schlaftagebuch über mindestens 7 bis 14 Tage, Fragebögen und bei Bedarf eine körperliche Untersuchung und Blutwerte. Feste Grenzwerte für Einschlafdauer, Schlafdauer oder die Zahl der Wachphasen muss man dafür nicht erfüllen.
Wann kommt bei Schlafstörungen ein Schlaflabor infrage?+
Für die Diagnose einer Insomnie ist die Polysomnographie im Schlaflabor laut Europäischer Leitlinie weder nötig noch ausreichend. Sie empfiehlt die Messung bei Verdacht auf eine weitere Schlafstörung wie Schlafapnoe oder periodische Beinbewegungen, wenn die Insomnie auf Behandlungen nicht anspricht, bei Unfallrisiko durch Müdigkeit, etwa im Beruf am Steuer, und wenn erlebter und gemessener Schlaf vermutlich stark auseinanderliegen. Ob für dich ein Schlaflabor infrage kommt, entscheidet deine Praxis mit dir.
Was gehört in ein Schlaftagebuch?+
Die Leitlinie empfiehlt ein Schlaftagebuch über mindestens 7 bis 14 Tage. Das standardisierte Consensus Sleep Diary fragt jeden Morgen nach Bettzeit, Einschlafdauer, Zahl und Dauer der Wachphasen, letztem Aufwachen, Aufstehzeit und Schlafqualität. Die erweiterte Fassung fragt auch nach Nickerchen, Alkohol, Koffein und Medikamenten. Das Symptomtagebuch von Sam ist kein solches Schlaftagebuch, weil es keine Uhrzeiten festhält. Frag deine Praxis, welche Vorlage sie nutzt.
Prüft die Praxis bei Schlafstörungen auch auf Schlafapnoe?+
Laut Europäischer Leitlinie gehört zu jeder Insomnie-Abklärung ein Fragebogen zur Schlafapnoe, denn beides kann zugleich vorliegen. Fällt er auffällig aus, folgt eine Messung zu Hause oder im Schlaflabor. Wie Schnarchen, Schlafapnoe und Schlafstörung zusammenhängen, erklärt der Beitrag Schnarchen oder Schlafapnoe?. Was bei dir vorliegt, klärt die Praxis.
Muss ich drei Monate warten, bevor ich mit Schlafproblemen zum Arzt gehe?+
Nein. Drei Monate sind ein Kriterium für die Diagnose einer chronischen Insomnie, keine Frist. Bei lautem Schnarchen mit Atemaussetzern, starker Tagesmüdigkeit oder Sekundenschlaf ist eine zeitnahe Abklärung sinnvoll. Wenn du am Steuer müde wirst, fahre nicht weiter. Hast du Gedanken, dir etwas anzutun, wende dich sofort an deine Ärztin oder deinen Arzt oder ruf die 112; die Telefonseelsorge erreichst du rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. In lebensbedrohlichen Fällen gilt die 112. Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten erreichst du in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Werden die Beschwerden stärker oder kommen neue dazu, melde dich früher bei deiner Praxis.
Was nehme ich zum ersten Termin wegen Schlafproblemen mit?+
Dein Schlaftagebuch der letzten ein bis zwei Wochen, eine Liste aller Medikamente, auch rezeptfreier Mittel, und Angaben zu Alkohol, Koffein und Nikotin. Dazu, was dein Partner oder deine Partnerin nachts beobachtet, etwa Schnarchen, Atempausen oder unruhige Beine, außerdem frühere Befunde und deine Fragen. Setze verordnete Medikamente nicht auf eigene Faust ab, sondern sprich sie in der Praxis an.