DMP-Herzinsuffizienz Termin: Gewichtsverlauf, Luftnot und Wassereinlagerungen vorbereiten
Was beim DMP-Herzinsuffizienz Termin gefragt wird - und wie du Gewichtsverlauf, Luftnot und Wassereinlagerungen ein Quartal lang brauchbar aufschreibst.
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Herzschwäche hat einen eigenen Wortschatz
Beim Termin wegen einer Herzschwäche wird nach Dingen gefragt, die sich vor allem zu Hause zeigen: nach dem Gewichtsverlauf über Wochen, nach Luftnot bei Belastung, nach dicken Knöcheln am Abend, nach dem Schlafen mit erhöhtem Oberkörper und danach, wie viele Kissen du dafür brauchst. Luftnot und dicke Knöchel kannst du auf Papier festhalten oder im Symptomtagebuch von Sam, dessen Monatsbericht deine Beschwerdetage zeigt.
Das sind alles Alltagsbeobachtungen. Und es sind genau die Dinge, die niemand aus dem Kopf über ein ganzes Quartal zusammenbekommt. Deshalb gibt es diese Seite. Was ein DMP grundsätzlich ist, wie oft dokumentiert wird und welche Unterlagen immer mitkommen, steht im Überblick zum DMP-Quartalstermin. Hier geht es nur um Herzinsuffizienz.
Gibt es das DMP Herzinsuffizienz schon?
Noch nicht überall. Stand: Oktober 2026. Auf der Seite des Bundesamts für Soziale Sicherung steht mit Stand Mai 2026: Das Programm ist noch in der Umsetzungsphase und für Patientinnen und Patienten noch nicht verfügbar. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung schreibt, das DMP sei bisher nur in einzelnen Regionen verfügbar und werde seit Oktober 2026 umgesetzt.
Die Anforderungen hat der Gemeinsame Bundesausschuss längst festgelegt. 2018 hat er Herzinsuffizienz als eigenständiges DMP beschlossen. Die Anlagen dazu hat der G-BA zuletzt im April 2024 geändert, in Kraft seit Oktober 2024. Ob deine Praxis und deine Krankenkasse das Programm in deiner Region schon anbieten, erfährst du dort. Frag beim nächsten Termin einfach direkt nach.
Bist du wegen einer KHK schon in einem DMP, geht beides nicht gleichzeitig. Der G-BA sieht vor, dass deine Ärztin oder dein Arzt abwägt, von welchem Programm du stärker profitierst.
Für deine Vorbereitung ändert das wenig. Die Vorgaben des G-BA nennen die Belastbarkeit im Alltag und das Körpergewicht als feste Punkte der Kontrollen. Mit Patientinnen und Patienten mit Beschwerden sollte nach Möglichkeit ein tägliches Gewichtsprotokoll vereinbart werden. Die Notizen aus diesem Beitrag kannst du also auch ohne DMP-Platz zum Termin mitnehmen.
Der Gewichtsverlauf: eine Zeile pro Tag
Ein einzelner Wert auf der Praxiswaage sagt wenig. Eine Reihe über zwölf Wochen sagt viel. Deshalb ist die Waage im Alltag mit Herzschwäche so wichtig - nicht wegen der Zahl, sondern wegen der Kurve.
Damit ein Protokoll brauchbar ist, muss es immer gleich entstehen: morgens nach dem Aufstehen, nach dem Toilettengang, vor dem Frühstück, gleiche Waage, gleicher Standort, gleiche Kleidung. Eine Zeile pro Tag, Datum und Kilogramm mit einer Nachkommastelle. Mehr braucht es nicht.
Wichtig ist die Lückenlosigkeit, nicht die Genauigkeit auf zehn Gramm. Wenn du drei Tage vergessen hast, schreib die Lücke hin und mach weiter, statt Zahlen zu schätzen.
Was dieser Verlauf für dich bedeutet und ab welcher Veränderung du dich melden sollst, legt dein Behandlungsteam mit dir persönlich fest. Wenn dir bisher niemand gesagt hat, ab wann du anrufen sollst, frag telefonisch in deiner Praxis nach und warte damit nicht bis zum nächsten DMP-Termin. Bis dahin gelten die allgemeinen Anzeichen weiter unten.
Luftnot: nicht ob, sondern wobei
Die Frage nach der Belastbarkeit ist die zweite Säule des Termins. Deine Praxis ordnet sie in Stufen ein. Diese Einordnung wird deutlich besser, wenn du sie mit konkreten Tätigkeiten fütterst statt mit Adjektiven.
Brauchbar aufgeschrieben sieht das so aus:
- eine Etage Treppe am Stück oder mit Pause auf dem Absatz
- der Weg zum Briefkasten, zum Auto, zur Haltestelle
- Bett beziehen, Einkäufe tragen, Duschen und Abtrocknen
- flach liegen können oder nicht
Wenn du Luftnot beim Treppensteigen notierst, schreib dazu, ab welchem Punkt sie kommt und wie lange du brauchst, bis es wieder geht. Ein Satz reicht: 5. Mai, eine Etage, Pause im ersten Stock, nach zwei Minuten wieder normal.
Wassereinlagerungen in den Beinen aufschreiben
Dicke Beine merkt man selten an einer Zahl, sondern an Kleinigkeiten, die man abends bemerkt und morgens vergessen hat. Genau die sind gemeint:
- Hinterlassen die Socken abends einen Abdruck?
- Bleibt eine Delle stehen, wenn du kurz auf den Knöchel oder das Schienbein drückst?
- Sind die Schuhe abends enger als morgens?
- Sitzt der Ring oder der Gürtel anders als sonst?
- Wie weit reicht die Schwellung - Knöchel, Wade, bis zum Knie?
Ein Kreuz pro Tag und ein Stichwort zur Höhe genügen. In Kombination mit dem Gewichtsverlauf ergibt das ein Bild, das am Termin sofort lesbar ist.
Nachts: wie viele Kissen
Die Kissenfrage klingt banal, liefert aber eine konkrete Zahl, die sich über Wochen verändern kann. Schreib auf, mit wie vielen Kissen du schläfst, ob du auf dem Rücken flach liegen kannst und ob du nachts wach wirst, weil dir die Luft wegbleibt. Auch, wie oft du nachts aufstehst.
Ein bis zwei Zeilen pro Woche reichen, solange sich nichts ändert. Ändert sich etwas, notiere das Datum.
Wann du nicht bis zum Termin wartest
Solange dein Behandlungsteam nichts anderes mit dir vereinbart hat, nennt das Patientenblatt der Nationalen VersorgungsLeitlinie diese Anzeichen als Grund, zügig in die Praxis zu gehen: mehr als 1 kg Gewichtszunahme über Nacht, 2 kg in drei Tagen oder 2,5 kg in einer Woche, Schwindel oder Benommenheit, Herzrasen oder Herzstolpern, stark geschwollene Beine oder Knöchel, anhaltender Husten vor allem nachts, oder wenn du aufrecht sitzen oder mehrere Kissen brauchst, um gut atmen zu können.
Ruf die 112 bei schwerer, anhaltender oder plötzlicher Atemnot, bei starkem Brustschmerz oder Brennen von mindestens fünf Minuten, bei heftigem Druck oder Enge in der Brust oder bei kalter, fahler Haut mit kaltem Schweiß.
So sieht ein Herzschwäche-Tagebuch fürs Quartal aus
Halte es klein, sonst hältst du es nicht durch. Ein Blatt Papier, eine Notiz-App oder ein Kalender funktionieren alle.
Täglich, eine Zeile: Datum, Gewicht, Kissen, Beine geschwollen ja oder nein, ein Stichwort zum Tag.
Nur bei Bedarf, eigene Zeile: Luftnot-Episoden mit Auslöser und Dauer, Tage im Bett, ein Infekt, eine Medikamentenänderung, ein Krankenhausaufenthalt oder eine Notfallbehandlung.
Einmal vor dem Termin: die drei Sätze, die du wirklich loswerden willst, ganz oben. Der Bogen frisst Zeit, deine Fragen kommen sonst zuletzt.
Was du zum Kardiologen-Termin mitnimmst
Zur Grundausstattung aus dem allgemeinen DMP-Text - Gesundheitskarte, Medikationsplan, Arztbriefe seit dem letzten Mal, Impfpass, Fragenliste - kommt bei Herzschwäche dazu:
- der Gewichtsverlauf des Quartals als Reihe, nicht als Einzelwert
- deine Notizen zu Luftnot und Belastbarkeit
- Entlass- und Reha-Briefe, falls du im Krankenhaus warst
- Befunde von Echokardiografie, EKG oder Langzeit-EKG, falls sie nicht ohnehin vorliegen
- Blutdruckwerte, wenn du zu Hause misst
- die Liste der Medikamente, die du eigenmächtig weggelassen hast - das ist keine Beichte, sondern eine wichtige Information
Eine Verschlechterung beschreibbar machen
Der Satz, dass es schlechter geworden ist, hilft niemandem weiter. Der Satz, dass du bis Mitte April eine Etage am Stück geschafft hast, seit Anfang Mai auf dem Treppenabsatz stehen bleibst, seit zwei Wochen mit zwei Kissen statt einem schläfst und dass in derselben Zeit ein Medikament geändert wurde, ist eine vollständige Auskunft.
Drei Angaben machen den Unterschied: seit wann, was ging vorher, was hat sich zeitgleich sonst verändert.
Wo eine App überhaupt etwas beiträgt
Sam ist ein Wellness-Begleiter, kein Medizinprodukt. Ein eigenes Programm für Herzschwäche hat Sam nicht - das ist ehrlicherweise der Stand. Trotzdem passt einiges: Den monatlichen PDF-Bericht erstellst du selbst, er fasst Schlaf, Stress, Aktivität, Krankheitstage und Symptome zusammen, und du kannst ihn ausdrucken oder am Handy zeigen. Dein Gewicht steht nicht im monatlichen PDF-Bericht. Du trägst es in Apple Health ein oder deine Waage schreibt es dorthin; in Sam siehst du es, wenn du die Gruppe Blutdruck & Glukose einschaltest. Atemnot und geschwollene Beine oder Knöchel hältst du in Sam als Symptom fest, genauso Krankheitstage. Das Tagebuch ersetzt keinen Anruf: Nehmen Atemnot oder Schwellungen zu, gilt der Abschnitt "Wann du nicht bis zum Termin wartest". Kardiologie- oder Reha-Briefe liegen in deinen Medizinischen Dokumenten statt in drei Ordnern.
Sam kann Erkrankungen weder diagnostizieren noch behandeln, heilen oder verhindern und ersetzt keine ärztliche Beratung. Sam ist kein Teil eines DMP, wird nicht erstattet und ersetzt den Dokumentationsbogen deiner Praxis nicht. Sam hilft dir dabei, am Termin nicht aus dem Gedächtnis raten zu müssen. Mehr zum Alltag mit der Erkrankung steht im Herzinsuffizienz-Hub.
Der eine Satz zum Mitnehmen
Schreib auf, was du siehst, und überlass die Bewertung dem Behandlungsteam. Ein lückenloser Gewichtsverlauf, ein paar Zeilen zu Luftnot und dicken Beinen und die Kissenzahl sind mehr, als die meisten mitbringen - und sie machen aus zwölf Minuten Termin ein Gespräch, das etwas bringt.
Quellen
Stand: Oktober 2026.
- Gemeinsamer Bundesausschuss: DMP-Anforderungen-Richtlinie (DMP-A-RL), Anlagen 2, 5, 13 und 14 (abgerufen am 2. Oktober 2026), https://www.g-ba.de/richtlinien/83/
- Sozialgesetzbuch V, § 137f: Strukturierte Behandlungsprogramme bei chronischen Krankheiten
- GKV-Spitzenverband: Informationen zu strukturierten Behandlungsprogrammen
- Bundesamt für Soziale Sicherung: DMP - Grundlegende Informationen (Stand Mai 2026, abgerufen am 2. Oktober 2026), https://www.bundesamtsozialesicherung.de/de/themen/disease-management-programme/dmp-grundlegende-informationen/
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Disease-Management-Programme (abgerufen am 2. Oktober 2026), https://www.kbv.de/praxis/patientenversorgung/dmp
- Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz (Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF)
- NVL-Patientenblatt "Woran erkenne ich einen Notfall?" (Chronische Herzinsuffizienz), https://www.leitlinien.de/themen/herzinsuffizienz/patientenblaetter/notfall-erkennen
Mehr zu Herzschwäche
Häufige Fragen
Ab wann gibt es das DMP Chronische Herzinsuffizienz?+
Noch nicht überall. Laut Bundesamt für Soziale Sicherung war das DMP Chronische Herzinsuffizienz mit Stand Mai 2026 noch in der Umsetzungsphase und für Patientinnen und Patienten noch nicht verfügbar. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung schreibt, es sei bisher nur in einzelnen Regionen verfügbar und werde seit Oktober 2026 umgesetzt. Ob deine Praxis und deine Krankenkasse es in deiner Region schon anbieten, erfährst du dort. Gleichzeitig im DMP KHK und im DMP Herzinsuffizienz eingeschrieben zu sein, ist nicht möglich: Der Gemeinsame Bundesausschuss lässt die Ärztin oder den Arzt abwägen, welches Programm besser zu dir passt. Für deine Vorbereitung ändert das wenig, denn Belastbarkeit im Alltag, Körpergewicht und Medikamente sind auch in den Vorgaben des G-BA für dieses Programm Thema. Stand: Oktober 2026.
Was wird beim DMP-Herzinsuffizienz dokumentiert?+
Nach den Vorgaben des G-BA fragt der Bogen zuerst die Basisdaten ab: Körpergröße, Körpergewicht, Blutdruck, Rauchstatus und Begleiterkrankungen. Speziell für Herzinsuffizienz kommen dazu: deine Belastbarkeit in vier Stufen (NYHA I bis IV) und ungeplante Krankenhausaufenthalte wegen Herzschwäche seit dem letzten Mal. Dokumentiert wird außerdem, ob du bestimmte Medikamentengruppen bekommst und ob in den letzten sechs Monaten Elektrolyte und Nierenwert (eGFR) bestimmt wurden. Dazu kommt, ob eine Schulung empfohlen und wahrgenommen wurde, ob du regelmäßig trainierst und ob du ein Gewichtsprotokoll führst. Auf Wassereinlagerungen in den Beinen achtet die Praxis bei der Untersuchung, deine Notizen dazu helfen ihr. Den Bogen füllt die Praxis aus, den Inhalt lieferst du.
Wie führe ich ein Protokoll fürs tägliche Wiegen bei Herzschwäche?+
Immer zur gleichen Zeit: morgens nach dem Aufstehen, nach dem Toilettengang, vor dem Frühstück, gleiche Waage, gleiche Kleidung. Eine Zeile pro Tag mit Datum und Kilogramm auf eine Nachkommastelle reicht. Wichtig ist die ununterbrochene Reihe, nicht der einzelne Wert - eine Kurve über zwölf Wochen kann deine Praxis lesen, drei Zahlen aus dem Gedächtnis nicht. Ab wann eine Veränderung für dich relevant ist und was du dann tun sollst, legt dein Behandlungsteam mit dir persönlich fest.
Wie beschreibe ich dem Arzt eine Verschlechterung?+
In Tätigkeiten statt in Adjektiven. Also nicht, dass es schlechter geworden ist, sondern: bis Mitte April eine Etage am Stück, seit Anfang Mai Pause auf dem Treppenabsatz, seit zwei Wochen zwei Kissen nachts statt einem, die Socken hinterlassen abends einen Rand. Dazu Datum, seit wann, und was sich zeitgleich geändert hat - ein neues oder abgesetztes Medikament, ein Infekt, eine Hitzewelle, eine Reise. Das ist der Teil, den nur du liefern kannst.
Ist Sam Teil des DMP-Herzinsuffizienz?+
Nein. Sam ist ein Wellness-Begleiter, kein Medizinprodukt. Sam wird nicht verordnet oder von der Krankenkasse erstattet und ersetzt den Dokumentationsbogen deiner Praxis nicht. Sam hilft nur beim Aufschreiben und Mitnehmen: Den monatlichen PDF-Bericht erstellst du selbst; er fasst Schlaf, Stress, Aktivität, Krankheitstage und Symptome zusammen. Dein Gewicht steht dort nicht. Atemnot und geschwollene Beine oder Knöchel hältst du in Sam als Symptom fest, und Arztbriefe liegen in deinen Medizinischen Dokumenten. Sam stellt keine Diagnose und ersetzt keine ärztliche Beratung.