5 Min. LesezeitSanoLabs Editorial

DMP-Herzinsuffizienz Termin: Gewichtsverlauf, Luftnot und Wassereinlagerungen vorbereiten

Was beim DMP-Herzinsuffizienz Termin gefragt wird - und wie du Gewichtsverlauf, Luftnot und Wassereinlagerungen ein Quartal lang brauchbar aufschreibst.

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Herzschwäche hat einen eigenen Wortschatz

Beim Termin wegen einer Herzschwäche wird nach Dingen gefragt, die in keinem anderen Behandlungsprogramm in dieser Form vorkommen: nach dem Gewichtsverlauf über Wochen, nach Luftnot bei Belastung, nach dicken Knöcheln am Abend, nach dem Schlafen mit erhöhtem Oberkörper und danach, wie viele Kissen du dafür brauchst.

Das sind alles Alltagsbeobachtungen. Und es sind genau die Dinge, die niemand aus dem Kopf über ein ganzes Quartal zusammenbekommt. Deshalb gibt es diese Seite. Was ein DMP grundsätzlich ist, wie oft dokumentiert wird und welche Unterlagen immer mitkommen, steht im Überblick zum DMP-Quartalstermin. Hier geht es nur um Herzinsuffizienz.

Ein eigenständiges DMP, kein Modul im DMP-KHK

Viele kommen mit dieser Unsicherheit in die Praxis, aber sie ist unbegründet. Herzinsuffizienz ist kein Modul innerhalb des DMP koronare Herzkrankheit mehr - der Gemeinsame Bundesausschuss hat 2018 ein eigenständiges, bundesweites DMP-Chronische Herzinsuffizienz eingerichtet, zuletzt aktualisiert im April 2024 mit Wirkung ab Oktober 2024. Das gilt unabhängig davon, welche Krankenkasse du hast und in welcher Region du wohnst.

Falls du trotzdem nachprüfen willst, in welchem Programm du eingeschrieben bist: Deine Praxis sieht das im System, auf deiner Teilnahmeerklärung steht der Programmname, und deine Krankenkasse weiß es ebenfalls.

Für deine Vorbereitung heißt das: Gewichtsverlauf, Belastbarkeit, Wassereinlagerungen und Medikamente werden abgefragt, unabhängig davon, wo du eingeschrieben bist. Unsicher, wie oft die Dokumentation bei dir ansteht? Frag beim nächsten Termin einfach direkt nach.

Der Gewichtsverlauf ist die wichtigste Zeile

Ein einzelner Wert auf der Praxiswaage sagt wenig. Eine Reihe über zwölf Wochen sagt viel. Deshalb ist die Waage das Gerät, das im Alltag mit Herzschwäche am meisten leistet - nicht wegen der Zahl, sondern wegen der Kurve.

Damit ein Protokoll brauchbar ist, muss es immer gleich entstehen: morgens nach dem Aufstehen, nach dem Toilettengang, vor dem Frühstück, gleiche Waage, gleicher Standort, gleiche Kleidung. Eine Zeile pro Tag, Datum und Kilogramm mit einer Nachkommastelle. Mehr braucht es nicht.

Wichtig ist die Lückenlosigkeit, nicht die Genauigkeit auf zehn Gramm. Wenn du drei Tage vergessen hast, schreib die Lücke hin und mach weiter, statt Zahlen zu schätzen.

Was dieser Verlauf bedeutet, ab welcher Veränderung du dich melden sollst und was du dann tun sollst, legt dein Behandlungsteam mit dir persönlich fest. Das ist keine Zurückhaltung aus Vorsicht, sondern der Punkt: Diese Grenzen sind individuell und gehören ins Gespräch, nicht in einen Blogtext. Wenn dir bisher niemand gesagt hat, ab wann du anrufen sollst, ist das die erste Frage für den nächsten Termin.

Luftnot: nicht ob, sondern wobei

Die Frage nach der Belastbarkeit ist die zweite Säule des Termins. Deine Praxis ordnet sie in Stufen ein. Diese Einordnung wird deutlich besser, wenn du sie mit konkreten Tätigkeiten fütterst statt mit Adjektiven.

Brauchbar aufgeschrieben sieht das so aus:

  • eine Etage Treppe am Stück oder mit Pause auf dem Absatz
  • der Weg zum Briefkasten, zum Auto, zur Haltestelle
  • Bett beziehen, Einkäufe tragen, Duschen und Abtrocknen
  • flach liegen können oder nicht

Wenn du Luftnot beim Treppensteigen notierst, schreib dazu, ab welchem Punkt sie kommt und wie lange du brauchst, bis es wieder geht. Ein Satz reicht: 5. Mai, eine Etage, Pause im ersten Stock, nach zwei Minuten wieder normal.

Wassereinlagerungen in den Beinen aufschreiben

Dicke Beine merkt man selten an einer Zahl, sondern an Kleinigkeiten, die man abends bemerkt und morgens vergessen hat. Genau die sind gemeint:

  • Hinterlassen die Socken abends einen Abdruck?
  • Bleibt eine Delle stehen, wenn du kurz auf den Knöchel oder das Schienbein drückst?
  • Sind die Schuhe abends enger als morgens?
  • Sitzt der Ring oder der Gürtel anders als sonst?
  • Wie weit reicht die Schwellung - Knöchel, Wade, bis zum Knie?

Ein Kreuz pro Tag und ein Stichwort zur Höhe genügen. In Kombination mit dem Gewichtsverlauf ergibt das ein Bild, das am Termin sofort lesbar ist.

Nachts: wie viele Kissen

Die Kissenfrage klingt banal und ist eine der aussagekräftigsten überhaupt, weil sie eine harte Zahl liefert, die sich über Wochen verändert. Schreib auf, mit wie vielen Kissen du schläfst, ob du auf dem Rücken flach liegen kannst und ob du nachts wach wirst, weil dir die Luft wegbleibt. Auch, wie oft du nachts aufstehst.

Ein bis zwei Zeilen pro Woche reichen, solange sich nichts ändert. Ändert sich etwas, notiere das Datum.

So sieht ein Herzschwäche-Tagebuch fürs Quartal aus

Halte es klein, sonst hältst du es nicht durch. Ein Blatt Papier, eine Notiz-App oder ein Kalender funktionieren alle.

Täglich, eine Zeile: Datum, Gewicht, Kissen, Beine geschwollen ja oder nein, ein Stichwort zum Tag.

Nur bei Bedarf, eigene Zeile: Luftnot-Episoden mit Auslöser und Dauer, Tage im Bett, ein Infekt, eine Medikamentenänderung, ein Krankenhausaufenthalt oder eine Notfallbehandlung.

Einmal vor dem Termin: die drei Sätze, die du wirklich loswerden willst, ganz oben. Der Bogen frisst Zeit, deine Fragen kommen sonst zuletzt.

Was du zum Kardiologen-Termin mitnimmst

Zur Grundausstattung aus dem allgemeinen DMP-Text - Gesundheitskarte, Medikationsplan, Arztbriefe seit dem letzten Mal, Impfpass, Fragenliste - kommt bei Herzschwäche dazu:

  • der Gewichtsverlauf des Quartals als Reihe, nicht als Einzelwert
  • deine Notizen zu Luftnot und Belastbarkeit
  • Entlass- und Reha-Briefe, falls du im Krankenhaus warst
  • Befunde von Echokardiografie, EKG oder Langzeit-EKG, falls sie nicht ohnehin vorliegen
  • Blutdruckwerte, wenn du zu Hause misst
  • die Liste der Medikamente, die du eigenmächtig weggelassen hast - das ist keine Beichte, sondern eine wichtige Information

Eine Verschlechterung beschreibbar machen

Der Satz, dass es schlechter geworden ist, hilft niemandem weiter. Der Satz, dass du bis Mitte April eine Etage am Stück geschafft hast, seit Anfang Mai auf dem Treppenabsatz stehen bleibst, seit zwei Wochen mit zwei Kissen statt einem schläfst und dass in derselben Zeit ein Medikament geändert wurde, ist eine vollständige Auskunft.

Drei Angaben machen den Unterschied: seit wann, was ging vorher, was hat sich zeitgleich sonst verändert.

Wo eine App überhaupt etwas beiträgt

Sam ist ein Wellness-Begleiter, kein Medizinprodukt. Ein eigenes Programm für Herzschwäche hat Sam nicht - das ist ehrlicherweise der Stand. Trotzdem passt einiges: Ruhepuls und Aktivität laufen über Apple Health in den PDF-Bericht, den du dir vor dem Termin exportierst oder am Handy zeigst. Dein Gewicht taucht darin nur auf, wenn Sam ein Muster erkennt, nicht als feste Zeile. Luftnot-Episoden und Krankheitstage landen im Symptomtagebuch, und Kardiologie- oder Reha-Briefe liegen in deinen Medizinischen Dokumenten statt in drei Ordnern.

Sam bewertet nichts davon, stellt keine Diagnose und schlägt keinen Alarm. Sam ist kein Teil eines DMP, wird nicht erstattet und ersetzt den Dokumentationsbogen deiner Praxis nicht. Was Sam kann, ist verhindern, dass du am Termin aus dem Gedächtnis raten musst. Mehr zum Alltag mit der Erkrankung steht im Herzinsuffizienz-Hub.

Der eine Satz zum Mitnehmen

Schreib auf, was du siehst, und überlass die Bewertung dem Behandlungsteam. Ein lückenloser Gewichtsverlauf, ein paar Zeilen zu Luftnot und dicken Beinen und die Kissenzahl sind mehr, als die meisten mitbringen - und sie machen aus zwölf Minuten Termin ein Gespräch, das etwas bringt.

Quellen
  • Gemeinsamer Bundesausschuss: DMP-Anforderungen-Richtlinie (DMP-A-RL)
  • Sozialgesetzbuch V, § 137f: Strukturierte Behandlungsprogramme bei chronischen Krankheiten
  • GKV-Spitzenverband: Informationen zu strukturierten Behandlungsprogrammen
  • Bundesamt für Soziale Sicherung: Zulassung von Disease-Management-Programmen
  • Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz (Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF)

Häufige Fragen

Bin ich im DMP-Chronische Herzinsuffizienz oder im Herzinsuffizienz-Modul des DMP-KHK?+

Nur das DMP-Chronische Herzinsuffizienz - ein Herzinsuffizienz-Modul innerhalb des DMP-KHK gibt es nicht mehr. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Herzinsuffizienz 2018 zu einem eigenständigen, bundesweiten DMP gemacht, zuletzt aktualisiert im April 2024 mit Wirkung ab Oktober 2024. Das gilt unabhängig von Krankenkasse und Region, du musst also nicht recherchieren, in welcher Variante du gelandet bist. Deine Praxis sieht die Einschreibung im System, und auf deiner Teilnahmeerklärung steht der Programmname. Für deine Vorbereitung zählt ohnehin nur der Inhalt: Gewichtsverlauf, Luftnot, Wassereinlagerungen und Medikamente werden abgefragt.

Was wird beim DMP-Herzinsuffizienz dokumentiert?+

Neben den Grundfeldern jedes DMP - Größe, Gewicht, Blutdruck, Rauchstatus, Begleiterkrankungen, Dauermedikation, Krankenhausaufenthalte seit dem letzten Mal, Schulungen und vereinbarte Therapieziele - geht es um die Belastbarkeit im Alltag, die deine Praxis in Stufen einordnet, um Zeichen von Wassereinlagerungen, um den Gewichtsverlauf und darum, ob und warum du Medikamente abgesetzt oder verändert hast. Den Bogen füllt die Praxis aus, den Inhalt lieferst du.

Wie führe ich ein Protokoll fürs tägliche Wiegen bei Herzschwäche?+

Immer zur gleichen Zeit: morgens nach dem Aufstehen, nach dem Toilettengang, vor dem Frühstück, gleiche Waage, gleiche Kleidung. Eine Zeile pro Tag mit Datum und Kilogramm auf eine Nachkommastelle reicht. Wichtig ist die ununterbrochene Reihe, nicht der einzelne Wert - eine Kurve über zwölf Wochen kann deine Praxis lesen, drei Zahlen aus dem Gedächtnis nicht. Ab wann eine Veränderung für dich relevant ist und was du dann tun sollst, legt dein Behandlungsteam mit dir persönlich fest.

Wie beschreibe ich dem Arzt eine Verschlechterung?+

In Tätigkeiten statt in Adjektiven. Also nicht, dass es schlechter geworden ist, sondern: bis Mitte April eine Etage am Stück, seit Anfang Mai Pause auf dem Treppenabsatz, seit zwei Wochen zwei Kissen nachts statt einem, die Socken hinterlassen abends einen Rand. Dazu Datum, seit wann, und was sich zeitgleich geändert hat - ein neues oder abgesetztes Medikament, ein Infekt, eine Hitzewelle, eine Reise. Das ist der Teil, den nur du liefern kannst.

Ist Sam Teil des DMP-Herzinsuffizienz?+

Nein. Sam ist ein Wellness-Begleiter, kein Medizinprodukt. Sam wird nicht verordnet oder von der Krankenkasse erstattet und ersetzt den Dokumentationsbogen deiner Praxis nicht. Sam hilft nur beim Aufschreiben und Mitnehmen: Ruhepuls und Aktivität aus Apple Health im PDF-Bericht, den du dir vor dem Termin abrufst - dein Gewicht taucht dort nur auf, wenn ein Muster auffällt, nicht als feste Zeile - dazu Luftnot-Episoden und Krankheitstage im Symptomtagebuch und Arztbriefe in deinen Medizinischen Dokumenten. Sam bewertet nichts davon und schlägt keinen Alarm.