Teil der Reihe: Leben mit Asthma →
Aktualisiert am 5 Min. LesezeitSanoLabs Editorial

Asthma und COPD: Wodurch sich die beiden Erkrankungen unterscheiden

Asthma und COPD im Vergleich nach der NVL Asthma: Beginn, Verlauf und Lungenfunktionstest. Dazu, was du für den Arzttermin festhalten kannst.

asthmacopdatemwegesymptomtagebuchgesundheitsdatenapple-healthatemfrequenzchronische-erkrankungallergielungengesundheit
Auf dieser Seite

Asthma und COPD lösen ähnliche Beschwerden aus, vor allem Husten und Atemnot. Trotzdem sind es zwei verschiedene Erkrankungen. Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Asthma stellt ihre typischen Merkmale in einer Tabelle gegenüber. Dieser Artikel fasst sie zusammen und zeigt, was du für den Arzttermin festhalten kannst. Welche Erkrankung bei dir vorliegt, klärt die Praxis. Sam bietet für Menschen mit festgestelltem Asthma ein Tagebuch. Damit stellst du deine Einträge für das Gespräch zusammen.

Asthma bronchiale: Atemwege, die zeitweise eng werden

Asthma ist eine chronische Entzündung der unteren Atemwege, so beschreibt es der Lungeninformationsdienst. Die Beschwerden treten typischerweise anfallsartig auf und bilden sich wieder zurück. Zeiten mit Beschwerden und beschwerdefreie Zeiten wechseln sich ab.

Die Hauptsymptome sind Husten, Druck auf der Brust, giemende Atemgeräusche und Atemnot. Manche Menschen wachen nachts auf, weil es giemt. Die NVL Asthma nennt in ihrer Tabelle zur Krankengeschichte viele mögliche Auslöser. Dazu zählen Allergene, Rauch und Staub, thermische und chemische Reize, Atemwegsinfekte, körperliche Anstrengung und emotionale Belastung.

Asthma kann in jedem Lebensalter beginnen. Auch Erwachsene erkranken neu. Zwischen den Beschwerden kann die Lungenfunktion normal sein. Eine normale Messung schließt Asthma deshalb nicht aus.

Laut Lungeninformationsdienst ist Asthma bisher nicht heilbar, lässt sich aber in der Regel gut behandeln. Die Behandlung legt dein Behandlungsteam fest.

COPD: dauerhaft verengte Atemwege

COPD steht für chronisch obstruktive Lungenerkrankung. "Chronisch" heißt: Die Krankheit bleibt in vielen Fällen lebenslang bestehen. "Obstruktiv" heißt: Die Atemwege sind deutlich verengt. Die internationale GOLD-Leitlinie beschreibt eine anhaltende, oft fortschreitende Verengung. Typische Beschwerden sind Husten, Auswurf und Atemnot.

Der wichtigste Risikofaktor ist das Rauchen. Auch Luftverschmutzung spielt laut Lungeninformationsdienst eine wachsende Rolle. Menschen, die nie geraucht haben, können ebenfalls erkranken, aber deutlich seltener. Selten ist ein erblicher Alpha-1-Antitrypsin-Mangel beteiligt (GOLD).

Im passenden klinischen Zusammenhang bestätigt eine Spirometrie die COPD nach GOLD, wenn das Verhältnis FEV1/FVC nach einem bronchienerweiternden Medikament unter 0,7 bleibt. Die Verengung bildet sich also nicht vollständig zurück. Medikamente können laut Lungeninformationsdienst die Beschwerden lindern und das Fortschreiten verlangsamen.

Unterschiede in Beschwerden, Auslösern und Verlauf

Die NVL Asthma (Version 5, 2024) stellt typische Merkmale beider Erkrankungen gegenüber. Das sind Tendenzen und keine Regeln für den Einzelfall.

Beginn und Auslöser

Asthma beginnt häufig in Kindheit oder Jugend. COPD wird meist nicht vor dem Alter von 50 Jahren festgestellt. Allergien sind bei Asthma häufig. Bei COPD besteht kein direkter ursächlicher Zusammenhang. Tabakrauch ist bei COPD typisch. Bei Asthma ist er nicht die direkte Ursache, kann die Erkrankung aber verschlechtern.

Beschwerden und Verlauf

Bei Asthma tritt die Atemnot häufig anfallsartig auf. Bei COPD tritt sie bei Belastung auf. Der Verlauf ist bei Asthma variabel und episodisch. Bei COPD ist er meist fortschreitend.

Reversibilität der Verengung

Ein wichtiger Unterschied zeigt sich in der Lungenfunktion. Bei Asthma ist die Verengung variabel und oft voll reversibel. Manchmal ist sie gerade gar nicht vorhanden. Bei COPD ist sie nach der NVL immer nachweisbar und nie voll reversibel.

Die Praxis prüft das mit einem Reversibilitätstest. Dabei misst sie die Lungenfunktion vor und nach einem kurzwirksamen, bronchienerweiternden Medikament. Nach der NVL spricht nur die vollständige Rückbildung für Asthma. Auch eine starke Rückbildung schließt COPD oder beides zugleich nicht aus. Bringt der Test keine eindeutige Antwort, folgen weitere Untersuchungen.

Zusätzlich kann die Praxis weitere Werte heranziehen. FeNO, also ausgeatmetes Stickstoffmonoxid, ist bei Asthma oft erhöht und bei COPD normal bis niedrig. Bestimmte weiße Blutkörperchen (Eosinophile) sind bei Asthma häufig erhöht und bei COPD meist normal.

Nächtliche Beschwerden

Als typische Angabe bei Asthma nennt die NVL wiederholte, oft nächtliche Atemnot. Nächtliches Erwachen durch Asthma gehört außerdem zu den vier Kontrollfragen der NVL. Wenn du nachts wegen Atemnot aufwachst, sprich deine Praxis darauf an. Was die Apple Watch zu Schlaf und Atemfrequenz anzeigt, steht im Artikel Atemfrequenz, Schlaf und Asthma.

Beides gleichzeitig

Asthma und COPD können zusammen vorkommen. Die NVL gibt dazu die Sicht der GINA 2024 wieder: Das ist keine eigene Krankheit, sondern zeigt sich in mehreren Ausprägungen. Charakteristisch ist eine Atemwegsverengung mit Merkmalen beider Erkrankungen. Deshalb wird der Begriff Syndrom nach der NVL nicht mehr empfohlen. Eine von der NVL zitierte Übersichtsarbeit aus 13 Beobachtungsstudien schätzt, dass etwa 27 Prozent der Menschen mit COPD auch Merkmale von Asthma haben. Das Konfidenzintervall reicht von 16 bis 38 Prozent.

Wer die Unterscheidung trifft

Ob Asthma, COPD oder beides vorliegt, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt. Grundlage sind Krankengeschichte, körperliche Untersuchung und Lungenfunktionsprüfung. Zum Nachweis der Atemwegsverengung sieht die NVL die Spirometrie als primär geeignetes Verfahren, auch weil die Versorgung überwiegend hausärztlich ist. Beim Asthma stellt laut Lungeninformationsdienst je nach Schweregrad häufig auch die Hausarztpraxis die Diagnose.

Was du für den Arzttermin festhalten kannst

Die Atemfrequenz einer Smartwatch ersetzt weder Untersuchung noch Lungenfunktionsprüfung. Die Apple Watch erfasst deine Atemfrequenz im Schlaf, wenn du sie nachts trägst und das Schlaftracking eingeschaltet ist. Ob ein Wert zu deinem Befund passt, beurteilt deine Ärztin oder dein Arzt.

Deine eigenen Aufzeichnungen helfen bei der Krankengeschichte. Bei Asthma soll die Praxis laut NVL bei jeder Verlaufskontrolle unter anderem diese Punkte erheben:

  • Beschwerden tagsüber und bei Belastung
  • Nächtliches Erwachen wegen der Beschwerden
  • Wie oft du das Bedarfsmedikament gebraucht hast
  • Wie stark dich die Beschwerden im Alltag einschränken
  • Ob du dein Dauermedikament genommen hast

Für die Krankengeschichte kommen mögliche Auslöser dazu: Allergene, Rauch oder Staub, Infekte, Anstrengung, emotionale Belastung, Ort und Tageszeit. Notiere das laufend, statt dich am Termintag zu erinnern.

Die vier Fragen zur Symptomkontrolle kannst du im Rechner zur Asthma-Symptomkontrolle (GINA) durchgehen. Was beim DMP-Asthma gefragt wird, beschreibt der Artikel "DMP-Asthma: Termin vorbereiten mit Peak-Flow-Protokoll".

Wann du nicht auf den Termin wartest

Ein Artikel und ein Tagebuch ersetzen keinen Notruf. Bei starker oder anhaltender Atemnot wählst du die 112, auch wenn du noch nicht weißt, welche Erkrankung dahintersteckt. Die Seite 116117.de nennt für lebensbedrohliche Fälle die 112 und für Dringendes außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Asthma-Verlauf in Sam festhalten und als Bericht mitnehmen

Du bringst den Arztbericht deines Asthma-Programms als PDF mit, so wie du Anfälle und Bedarfsspray eingetragen hast.

  • Statt Zettel: Der Bericht zeigt Tage mit Bedarfsspray und Hüben, nächtliches Aufwachen, Anfälle und Kortisontabletten für den Zeitraum, den du wählst.
  • Statt Erinnerung beim Termin: Zu jedem Anfall steht, ob das Bedarfsspray geholfen hat und was ihn ausgelöst haben könnte.
  • Statt der Health-App allein: Atemfrequenz und Schlaf aus Apple Health stehen auf der Programmseite neben deinem eigenen Durchschnitt, mit Standortfreigabe auch Pollen und Luftqualität.

Für COPD gibt es kein eigenes Programm, und was aus dem Bericht folgt, entscheidet dein Behandlungsteam.

Sam kostenlos ausprobieren

Sam ist ein Wellness-Begleiter und kein Medizinprodukt. Die App diagnostiziert, behandelt, heilt oder verhindert keine Erkrankung und keinen Gesundheitszustand. Konsultiere bei medizinischen Entscheidungen immer qualifiziertes Fachpersonal.

Quellen

Stand: Oktober 2026

  • Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, Langfassung, Version 5.0 (2024): Tabelle 5 (Abgrenzung von Asthma und COPD), Kapitel 2.1 und 2.2 (Allgemeines, Anamnese und Symptome), 2.4 (Objektive Messungen zur Sicherung der Diagnose), 2.10 (Asthma-COPD-Overlap, mit Verweis auf GINA 2024), 2.11 (Asthmakontrolle), 2.12 (Monitoring), 7.2 (Selbsthilfemaßnahmen). leitlinien.de/themen/asthma
  • Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD): Pocket Guide 2025, Definition und diagnostische Kriterien. goldcopd.org
  • Lungeninformationsdienst (Helmholtz Munich): Asthma bronchiale (Stand 06.05.2024) und COPD (Stand 01.10.2025). lungeninformationsdienst.de
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung: Bereitschaftsdienst 116117 und Notruf 112. 116117.de
  • Apple Support: Track your sleep on Apple Watch and use Sleep on iPhone (Atemfrequenz im Schlaf). support.apple.com/en-us/108906

Häufige Fragen

Was sind die Hauptunterschiede zwischen Asthma und COPD?+

Die NVL Asthma 2024 nennt typische Muster. Asthma beginnt häufig in Kindheit oder Jugend, die Atemnot kommt anfallsartig, und die Verengung der Atemwege ist variabel und oft voll reversibel. COPD wird meist nicht vor dem Alter von 50 Jahren festgestellt, die Atemnot tritt bei Belastung auf, der Verlauf ist meist fortschreitend, und die Verengung ist nie voll reversibel. Welche Erkrankung vorliegt, klärt deine Ärztin oder dein Arzt mit Krankengeschichte und Lungenfunktionsprüfung.

Was sagt die Atemfrequenz der Apple Watch über Asthma oder COPD aus?+

Die Apple Watch erfasst deine Atemfrequenz im Schlaf, wenn du sie nachts trägst und das Schlaftracking eingeschaltet ist. Für die Diagnose Asthma nennt die NVL Krankengeschichte, körperliche Untersuchung und Lungenfunktionsprüfung. In ihrer Gegenüberstellung von Asthma und COPD kommt die Atemfrequenz nicht vor. Du kannst die Werte zum Termin mitbringen. Ob sie zu deinem Befund passen, beurteilt deine Ärztin oder dein Arzt.

Was sollte ich bei Asthma für den Arzttermin festhalten?+

Bei jeder Verlaufskontrolle soll die Praxis laut NVL Asthma (Empfehlung 2-16) unter anderem Beschwerden tagsüber und bei Belastung, nächtliches Erwachen, den Gebrauch des Bedarfsmedikaments und Einschränkungen im Alltag erheben. Für die Krankengeschichte zählen auch mögliche Auslöser wie Allergene, Rauch, Infekte, Anstrengung oder emotionale Belastung. Schreib das laufend auf. Im Asthma-Programm von Sam führst du dafür ein Tagebuch mit PDF-Arztbericht.

Kann man Asthma und COPD gleichzeitig haben?+

Ja. Die NVL Asthma gibt dazu die Sicht der GINA 2024 wieder: eine Atemwegsverengung mit Merkmalen beider Erkrankungen, aber keine eigene Krankheit, sondern mehrere Ausprägungen. Eine deutliche Rückbildung der Verengung nach einem bronchienerweiternden Medikament schließt COPD nicht aus. Ob bei dir beides vorliegt, klärt die Praxis.

Wann sollte ich ärztlichen Rat suchen?+

Neu auftretende Beschwerden wie Husten, Pfeifen beim Atmen oder Enge in der Brust gehören in die Praxis. Die Hausarztpraxis ist oft die erste Anlaufstelle. Bei starker oder anhaltender Atemnot wählst du die 112. Hast du einen Notfallplan, den deine Ärztin oder dein Arzt mit dir besprochen hat, steht dort, was du tust. Wirkt das nicht, nennt die NVL Asthma als nächsten Schritt den Arzt oder den Notruf.