Herzfrequenz im Stehen bei POTS: was die Diagnosekriterien bedeuten - und wie sie geprüft werden
POTS wird über die Herzfrequenzreaktion beim Aufstehen definiert. Was der Schellong-Test und der NASA-Lean-Test messen, welche Werte als Hinweis gelten, und was ein Wearable dabei leisten kann.
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POTS - das posturale orthostatische Tachykardiesyndrom - ist eine der wenigen Diagnosen, bei denen die Herzfrequenzreaktion beim Aufstehen buchstäblich Teil der Definition ist. Das macht ein Wearable, das Herzfrequenz erfasst, potenziell besonders relevant - solange du weißt, was die Zahlen bedeuten und was nicht. Sam hilft dir dabei mit dem Alltagsbild rundherum, kostenlos.
Die Diagnosekriterien
Bei Erwachsenen gilt als Hinweis auf POTS: ein Anstieg der Herzfrequenz um mehr als 30 Schläge pro Minute innerhalb von 10 Minuten nach dem Aufstehen aus dem Liegen, oder eine Herzfrequenz von mindestens 120 Schlägen pro Minute im Stehen - bei gleichzeitig weitgehend stabilem Blutdruck. Genau dieser stabile Blutdruck unterscheidet POTS von der orthostatischen Hypotonie, bei der stattdessen der Blutdruck deutlich abfällt. Bei Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren gilt wegen der grundsätzlich höheren Herzfrequenz in dieser Altersgruppe ein höherer Schwellenwert: ein Anstieg um mehr als 40 Schläge pro Minute.
Wie die Diagnose geprüft wird
In Deutschland ist der Schellong-Test etabliert: ein aktiver Stehtest über meist 10 bis 30 Minuten, bei dem Puls und Blutdruck erst liegend, dann wiederholt im Stehen gemessen werden. Der NASA-Lean-Test, ursprünglich aus der Raumfahrtmedizin, ist eine ähnliche Methode, die vor allem in Forschungsstudien eingesetzt wird und dort bei der Herzfrequenzmessung teils als sensitiver als andere Verfahren gilt.
Ein Kipptisch-Test (Tilt-Table-Test) kommt ergänzend zum Einsatz, wenn der Schellong-Test kein eindeutiges Ergebnis liefert, sowie bei unklaren, wiederkehrenden Ohnmachtsanfällen oder Verdacht auf eine zugrunde liegende autonome Neuropathie. Er ist aufwendiger, da er passiv (ohne eigene Muskelanspannung) erfolgt und dadurch bestimmte Kompensationsmechanismen ausschließt, die ein aktiver Stehtest nicht abbildet.
Was ein Wearable dabei leisten kann - und was nicht
Ein aktiver Stehtest ist eine bewusste Messung: Du beobachtest deinen Puls in Echtzeit auf dem Display deiner Uhr, während du liegst und dann aufstehst. Das ist unabhängig von Sam und funktioniert mit jeder Uhr, die deinen Puls in Echtzeit anzeigt.
Wichtig: Ein einzelner Heimtest kann ein Hinweis sein, den du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprichst - er ersetzt aber keine standardisierte Diagnostik mit Schellong-, NASA-Lean- oder Kipptisch-Test, bei der auch andere Ursachen für Herzrasen beim Aufstehen ausgeschlossen werden.
So hilft dir Sam
Sam liest Ruhepuls, Schlaf und Aktivität aus Apple Health und vergleicht sie mit deiner persönlichen Baseline - unabhängig von einem aktiven Stehtest, den du selbst durchführst. Einmal im Monat fasst Sam die Trends in einem Bericht zusammen, den du zu deinem Arzttermin mitnehmen kannst. Welche Bewegungs- und Alltagsstrategien bei POTS als Basistherapie gelten, erklärt der Artikel Mit POTS leben.
Sam kostenlos ausprobierenSam ist ein Wellness-Begleiter, kein Medizinprodukt. Sam diagnostiziert, behandelt oder verhindert kein POTS, führt keine Stehtests durch und ersetzt keine ärztliche Diagnostik.
Quellen
- Praxisleitfaden Orthostatische Intoleranz / POTS / orthostatische Hypotonie (mecfs.de)
- DocCheck Flexikon: NASA-Lean-Test
- DocCheck Flexikon: Posturales Tachykardiesyndrom
Häufige Fragen
Welche Werte gelten als Hinweis auf POTS?+
Bei Erwachsenen gilt ein Anstieg der Herzfrequenz um mehr als 30 Schläge pro Minute innerhalb von 10 Minuten nach dem Aufstehen, oder eine Herzfrequenz von mindestens 120 Schlägen pro Minute im Stehen, als Hinweis - bei stabilem Blutdruck (ohne deutlichen Blutdruckabfall). Bei 12- bis 19-Jährigen gilt ein Anstieg um mehr als 40 Schläge pro Minute.
Wie wird POTS festgestellt - reicht ein Test beim Hausarzt?+
Der erste Schritt ist meist ein Schellong-Test, der in Deutschland der etablierte klinische Standard ist und Puls sowie Blutdruck im Liegen und im Stehen über 10 bis 30 Minuten misst. Ob er in der Hausarztpraxis oder bei einer Fachärztin beziehungsweise einem Facharzt stattfindet, hängt von der jeweiligen Praxis ab; liefert er kein eindeutiges Ergebnis, folgt meist ein Kipptisch-Test in einer spezialisierten Praxis oder Klinik.
Was ist der Unterschied zwischen dem Schellong-Test und dem NASA-Lean-Test?+
Beide sind aktive Stehtests. Der Schellong-Test ist in Deutschland der klinische Standard und dauert meist 10 bis 30 Minuten. Der NASA-Lean-Test, ursprünglich aus der Raumfahrtmedizin, wird vor allem in Forschungsstudien eingesetzt und gilt dort bei der Herzfrequenzmessung teils als sensitiver - er ersetzt in der Praxis aber nicht routinemäßig den Kipptisch-Test.
Wann wird zusätzlich ein Kipptisch-Test gemacht?+
Ein Kipptisch-Test (Tilt-Table-Test) kommt zum Einsatz, wenn der Schellong-Test kein eindeutiges Ergebnis liefert, sowie bei unklaren, wiederkehrenden Ohnmachtsanfällen oder Verdacht auf eine zugrunde liegende autonome Neuropathie - er ist aufwendiger als ein aktiver Stehtest und wird meist in einer spezialisierten Praxis oder Klinik durchgeführt.
Kann Sam POTS diagnostizieren?+
Nein. Sam führt keine Stehtests durch und stellt keine Diagnose. Ein Stehtest ist eine bewusste, aktive Messung, die du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprichst. Sam wertet unabhängig davon passiv erfasste Ruhepuls-, Schlaf- und Aktivitätsdaten aus.
